Der endlose Blick in Münder voller Zahnfäule soll schon so manchen Zahnarzt in den Wahnsinn getrieben haben. In "The Dentist" präsentiert Brian Yuzna ein besonders gezeichnetes Opfer seines Berufs, das sich nicht zu schade ist, seine Gedankenmonologe über den Zusammenhang von faulen Zähnen und einer verdorbenen Gesellschaft permanent mit dem Zuschauer zu teilen und seine eigenen Schlüsse daraus zu ziehen.
Als unermüdliche Metaphernschleuder ist Doctor Feinstone (Corbin Bernsen) unzweifelhaft eine Schöpfung aus dem Oeuvre des Regisseurs, der dafür bekannt ist, gerne einen großzügigen Schlag Sozialkritik in seine Horrorformeln zu geben. Selten bekommt man dabei allerdings wirklich ausgereifte Konzepte präsentiert; selbst sein diesbezügliches Vorzeigewerk "Society" ist zunächst einmal eine Groteske, die ebenso aggressiv wie ordinär mit dem Holzhammer auf die Gesellschaft einschlägt.
Unser Zahnarzt indes, stets gekleidet in Zartrosa oder Blütenweiß, fuchtelt in Gedanken mit der Ausdrucksweise eines jungen Autoren, der mit Feuereifer seinen ersten Roman schreibt, dabei aber nicht immer die richtigen Vokabeln findet, so dass ihm die tiefsten Subtexte, die er eigentlich anstrebt, verwehrt bleiben. Die "perfekte Ehe" ist solch ein frühes Schlagwort, das Yuzna mit einem klinisch sauberen Yuppie-Apartment samt Swimmingpool unterfüttert, garniert mit penetrantem Weichzeichner und einer Linda Hoffman, die aussieht wie aus dem Ei gepellt. Als der Doc schließlich auf den Wandel des Perfekten ins Faulige zu sprechen kommt, wird prompt ein ölverschmierter Mechaniker serviert, der sich nicht nur den Pool, sondern in einem gleich mal die Ehefrau vornimmt.
Ob die Hauptfigur diese von Monologen über Unordnung und Zerfall begleiteten Ereignisse nun träumt oder tatsächlich erlebt, bleibt zunächst unausgesprochen. In vielerlei Hinsicht handelt es sich also um einen Vorläufer von "American Psycho"; Patrick Bateman irrte zwar durch ein anderes Milieu und war mit den Social Events um ihn herum enger verknüpft als der Zahnarzt, dieser jedoch teilt die gleiche Abscheu gegenüber dem Nichtperfekten.
Genretechnisch richtet sich "The Dentist" derweil natürlich vor allem an ein Publikum, das gerne mit den Spuren eigener Dentalphobien spielt und liefert vor allem Folterspiele aus dem Zahnarztstuhl. Close Ups vom Innenleben der Patientenmünder bereiten die Bühne für herzhafte Zerstörungsorgien; da wird in Zahnfleisch gespritzt, in Zungen gestochen und Zähne werden bis zum blanken Nerv abgeschleift.
Dieser Gewaltspitzen zum Trotz hat Yuzna mit gewissen Tempo- und Spannungsproblemen zu kämpfen. Im Gegenzug serviert er innerhalb der Arztpraxis so etwas wie eine bizarre Sitcom, mit denen die Eskapaden des Doktors zu düsteren Pointen transformiert werden. Die schmucken Behandlungszimmer werden zur wiederkehrenden Bühne wie Küche, Wohnzimmer und Schlafzimmer einer amerikanischen Vorzeigefamilie; nicht nur die Angestellten, auch einige Patienten hocken als Running Gag durchgehend im Wartezimmer und warten auf ihre Behandlung wie die Kneipenbrüder aus "Cheers" auf ihr Bier (mit dabei: ein noch sehr junger Mark Ruffalo). Wo "The Dentist" als Horrorfilm also seine Defizite hat, gleicht er sie mit der schwarzhumorigen Neuinterpretation vorabendlicher Prime-Familienunterhaltung wieder aus.
Weil die Sozialkritik mit dem Duktus eines Marktschreiers an den Mann gebracht wird, möchte man nun deswegen nicht gleich in Jubelstürme verfallen; interessanter als unreflektierte, stumpfe Slasher-Ware ist das aber allemal.