Der Mann von Hongkong
In der australischen Wüste nimmt die Polizei einen Drogenkurier (Sammo Hung) fest. Doch der will nicht auspacken, woher die Ware kommt. Um ihn zum Reden zu bringen, holt man sich den "Mann von Hongkong", Fan Sing Ling (Wang Yu). Nach einer kleinen "Plauderei" schafft Fan Sing Ling es tatsächlich den Mann zum sprechen zu bringen. Der Unterweltboss von Sidney, Mr. Wilton (Ex-Bond-Darsteller George Lazenby) scheint hinter der Sache zu stecken. Leider wird der Kurier auf dem Weg zum Gericht ermordet, die ortsansässigen Bullen haben rein gar nichts drauf und so muß Fan Sing Ling die Sache selbst in die Hand nehmen. Die Ermittlungen führen in eine Martial Arts-Schule und schon bald steckt Fan Sing Ling bis zum Hals in der ...
Wirklich gar nicht mal schlecht dieser Versuch einen asiatischen James Bond zu etablieren: Exotische Kulissen, abenteuerliche Schauplätze für gut choreographierte Action-Szenen, schöne Frauen und ein charismatischer Held, der sie alle kriegt; dazu noch ein Ex-Bond als Bösewicht und ein Bond-mässiger Schnulzen-Titelsong - fertig.
Ganz so einfach ist es denn aber doch nicht. "Jimmy" Wang Yu als Womanizer ist zwar nicht gänzlich daneben, richtig überzeugend aber eben auch nicht; die feuchte Zungenkuss-Angelegenheit am Anfang wirkt sogar eher peinlich als irgendwie "versiert". Und das Sammo Hung (hier mal eben schnell von zwei B-Cops festgenommen) in Wahrheit wesentlich bessere Kung Fu-Kenntnisse hat als Wang Yu, dürfte jedem klar sein, der das übrige Oevre der beiden auch nur ansatzweise vergleicht. DER Super-Fiesling aus den James Bond-Filmen ist Lazenby dann auch nicht gerade; ein Drogen-Baron, okay, aber gibts davon nicht irgendwie, naja, Zehntausende?
Trotzdem macht dieser Film einfach viel, viel Spaß. Wenn man Wang Yu-Fan ist, ist sowieso alles klar, denn: Wang Yu spielt ja MIT. Und sieht in seinem blauen Trainingsanzug ziemlich geil oldschool aus und rockt mit seiner Visage und seinen Sprüchen sowieso das Haus. Aber auch darüberhinaus wird der Film Action- oder Kung Fu-Fans sicher gefallen, denn er ist ziemlich brutal; nicht ganz Chang Cheh-mässig, aber doch deftig. Handkantenschläge gegen Hälse, Tritte in die Kronjuwelen, tiefe Messerschnitte, spritzendes Blut, einer wird ausbrennend liegengelassen und der Showdown, der, zugegeben, etwas länger hätte ausfallen können, setzt noch mal ordentlich was drauf.
Dazu ist der Film auch vergleichsweise aufwendig produziert. Immerhin ziemlich viele abwechslungsreiche Schauplätze, ein gutes Action/Handlung-Timing, eine gute Auto-Destruction Derby-Szene/Verfolgungsjagd, eine kleine Revenge-Story und viele und gute Kämpfe; alles gut von der Kamera eingefangen, teilweise sogar mit Hubschrauber gefilmt. Satte 104 Minten läuft der Streifen dann auch noch und ist eigentlich durchgehend spannend.
Außerdem kann keiner so gut Prügel einstecken, fürchterlich leiden, schließlich gesunden und die Prügel wieder hundertfach zurückgeben wie Wang Yu. Also: Hirn ausschalten und angucken!
Fazit: Actiongeladener Kung Fu-Film im Bond-Fahrwasser mit einem topfitten Wang Yu und vielen brutalen Schlägereinen! Super!
9 von 10 Punkten