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Zeitgleich zu den konkurrierenden Shaw Brothers Studios begann auch Golden Harvest Anfang der 70er, seine Finger wegen einer therapeutischen Frischzellenkur Richtung Westen und damit ausländischen Produktionen hin auszustrecken. Der Kung Fu Boom hatte ein Jahr zuvor mit Der Mann mit der Todeskralle seinen absoluten Höhepunkt erreicht und sollte nun auch in den lancierten Nachfolgeprodukten den entsprechend internationalen Erfolg bewerkstelligen. Sowohl die Amerikaner als auch die Italiener und die Deutschen griffen beherzt auf die zahlreichen kantonesischen Talentreservoire zurück und stiessen dort auf ebenso offene Arme; die Folge waren eine Reihe aufgrund der gemischtrassigen Paarung ungewöhnlicher Western-, Cop-, Horror- und anderer Exploitationfilme.

Auch die Australier beteiligten sich mit einigen staatenverbindenden Kollaborationen an dieser Fallstudie für den kommerziellen Grenzübergang: Huang Fengs Stoner im Jahre 1974 bereitete den Weg vor und wurde ein Jahr später mit Der Mann von Hong Kong fortgeführt. Wieder Golden Harvest als Finanzier von chinesischer Seite aus, noch ergänzt mit der lokalen Greater Union und The Movie Company Pty. Ltd.
Und wieder George Lazenby als ausländisches Zugpferd. [ A Queen's Ransom = Todeskommando Queensway folgte ein weiteres Jahr darauf.]

Lazenby, der einmalige und zumeist verdrängte Bond, dessen Name dem weniger Filmbegeisterten ebensowenig einfällt wie Brad Dexter bei den Glorreichen Sieben, war zu diesem Zeitpunkt schon recht am Ende.
Der ehemalige Schokoladen-Boy [ "Big Fry" Reklamefigur ], dessen Macken und Scherereien beim Im Geheimdienst Ihrer Majestät Set für aufregendes Herzklopfen der anderen Teammitglieder sorgte, wanderte nach dem gescheiterten Gastspiel von der Weltöffentlichkeit zurück in das Vergessen; ausbleibende Angebote wurden mit Depressionen und LSD-Halluzinationen gefüllt.
Die drei Brückenschlag-Offerten von Produzent Raymond Chow kamen da gerade recht; er brauchte das Geld und war im Gegenzug sowohl für die entsprechend globalere Promotion geeignet als auch noch zumindest optisch gut in Schuss [ was man von sowohl Stuart Whitman als auch Robert Mitchum und Joe Don Baker in den zeitnahen Marketing Mix Fabrikaten Der tödliche Schatten des Mr. Shatter, Der Tiger aus Taipeh und Der Bulle von Hongkong eher nicht behaupten kann.]

Von asiatischer Warte aus wurde Jimmy Wang Yu als counterpart gesetzt. Seit 1965 einer der beliebtesten Darsteller, trotz seiner nicht wirklich attraktiven Gestalt, der es auch an Präsenz und Charisma mangelt und so nie den seelischen Hunger nach einer legendären Figur befriedigen konnte. Und ähnlich wie Lazenby für egomanische Schwierigkeiten und erbarmungslosen Gagenpoker bekannt. Das perfekte Team für das Duell der Giganten:

Als der Drogenkurier Wen Zhan [ Sammo Hung im kleinen Schwarzen ] bei einer Butterfahrt im australischen Outback verhaftet wird, wollen die Fahnder Bob Taylor [ Roger Ward ] und Morrie Grosse [ Hugh Keays-Byrne ] vom Federal Narcotics Bureau an die Hintermänner gelangen und lassen Inspector Fang Sheng Ling [ Jimmy Wang Yu ] von der HKer Special Branch zur Übersetzung einfliegen. Fang prügelt den Namen "Jack Wilton" [ George Lazenby ] aus dem Verbrecher heraus und setzt sich alsbald allein auf dessen Fährte; die Reporterin Caroline Thorne [ Rosalind Speirs ] versorgt ihn weiter mit Informationen und anderer Hilfe.

Hilfe = Sex.
Auch die zweite Dame im funky Rambazamba-Gig hat nicht viel mehr Funktion, als dem Recken das Hemd von der Hühnerbrust zu reissen und sich ihm hinzugeben. Falls dabei wirklich eine Liebesgeschichte in zarter Linienführung angedeudet werden sollte, ging diese gründlich daneben, hält aber zumindest für etwas nackte Haut, ein aufpeitschendes Revengealibi und den Auslöser einer wüst-ausgedehnten carchase her.

Anders als zum gleichlaufenden Intermezzi auf den weiteren Leinwänden fungiert Der Mann von Hong Kong nämlich nicht nur als Handkantenfeger, sondern wird hier und da auch mit holpriger, nichtdestotrotz überzeugender Stuntarbeit aufgefüllt. Autos werden bis auf ihre Karosserie zerschrottet, breschen durch Plakate, Strassenarbeiter und Restaurants hindurch, legen den Steigflug in die Botanik ein und lösen sich dann in einer formvollendeten Explosion auf. Sowieso verfügt der Film über genug money shots, die aneinandergereiht auch heutzutage durchaus noch für helles Entzücken beim verwöhnten, mittlerweile fast schon übersättigten action painting aficionado sorgen vermögen. Anders als Bruce Lee, der sich nur auf Schläge und Tritte verliess, webt Wang in seiner ureigenen Steigerung bereits das erst später zur wahren Kunst erhobene Todesmut-Verhalten eines Jackie Chan ein, kickt die Angreifer von fahrenden Motorrädern, klettert eigenhändig und ohne Sicherung Wolkenkratzer empor und lässt sich selbst vom zirkusreifen Fight in einem Fahrstuhlschacht nicht abbringen.

- "Hasn't lost his touch, has he ?"
- "We're not so sure it was Fang."
- "Nah, people just dropped dead whereever he goes."

Ein beispielloses loungelastiges Visualisierungsprogramm in Flower Power Farbtönen, dass abseits australischer Behaglichkeit und Vintagelook seine knappen Meinungsverschiedenheiten zu allgegenwärtigen rauflustigen Kontroversen ausarten lässt. Die hautengen Stoffhosen im Retrodesign, die bereits beim Ausfallsschritt in der Mitte zerreissen werden für den nächsten Einsatz schnell in modisch schicke Polyester-Anzüge getauscht. Auseinandersetzungen werden erst quer über Stadt und Land verteilt und dann kulminierend in weniger geräumige Schauplätze wie Küchen, Restaurants, Hotelflure, Trainingsgym und Penthouse verlagert. Der gattungsinharänte Waffenfetischismus ist kaum an handelsüblichen Schießeisen interessiert und tafelt stattdessen Nunchaku, Eight Diagram Pole, Langstock und Doppelmesser auf. Dabei ist man mit zuweilen sehr hölzern aussehenden Bewegungen und einer gelegentlich unattraktiven Choreographie bar überschwappender Euphorie ausgestattet, die wenig mit den bis ins Detail durchkomponierten und entsprechend komplexen Akrobatikeinlagen der Shaw Brothers zu tun hat. Der Einsatz der Zeitlupe als akzentuierendes Kennzeichen dramatischer Ewigkeit lässt sich an einer Hand abzählen; was man aber mit viel Wut im Bauch, Backpfeifen-Stakkato, blutig-schmerzhaften Gewaltausbrüchen und einer Strassenkampf-Mentalität ersetzt. Ausserdem ist man auf pyrotechnische Effekte fixiert: Auf Teufel komm raus - Detonationen zuhauf plus mehreren effektiven Feuerstunts.

Ohnedies braucht das Gedankenkonstrukt von Autor und Co - Director Brian Trenchard-Smith, der sich zuvor mit der Dokumentation Die Gelben Männer mit ihren fliegenden Fäusten für den Job empfahl, alle schlagkräftige Unterstützung, die es kriegen kann. Trenchard-Smith hat sich sichtlich mit den Anfangskenntnissen und Grundbegriffen des Genres beschäftigt und weiss auch manch geschickte Dialoge zu schreiben, kommt mit seiner Handlung aber nie über das 1x1 eines Treatments hinaus; incl. asymmetrischer Rhythmus und dezimierter Spannungsbogen, excl. der Kunst des Weglassens [ die etwaigen Frauengeschichten ] und einer inneren Dramatik. Der Ablauf wird angesichts der potentiellen standout Höhepunkte sinnvoll ohne elaborierten Nonsens, aber eben nicht optimal im Sinne eines progressiven Crescendos entwickelt. Die jeweiligen Actionszenen als die isolierten Schauwerte im Kalkül, dazwischen unlegendärer Genretypismus mit einem eher blassen Rächer mit der Todespranke, rassismusversprühend-schmierigen bad Guys und gesichtslosen Schergen.

Zwar hätte das monothematische Spektakel in seinen Materialschlachten gelegentlich einen Nachdreh oder Kniff in der postproduction bedurft und kommt deswegen auch nie über B - Movie Faible hinaus, so sorgt es doch durch strammes Tempo, wenig Umwege und seinen vorwegnehmenden international crossover appeal für viel neckische Ergötzung. Umschmeichelt durch einen treibenden score von Noel Francis Quinlan ist man zusätzlich mit dem ohrwurmtauglichen Evergreen "Sky High" als Titelthema ausgestattet, der – wenn der zugehörige Film nicht selber vorübergehend in Vergessenheit geraten wäre – auch hierzulande die Schlagercharts erklommen hätte. 1984, im Jahr der deutschen Erstveröffentlichung, sah dies natürlich etwas anders aus.

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