Review

In Zeiten, in denen die „Twilight“-Reihe nach den Büchern von Stephenie Meyer mit jedem neuen Teil an den Kinokassen abräumt wie nichts gutes, obwohl hier sowohl mit schauspielerischem als auch erzählerischem Talent gegeizt wird (wobei letzterer Punkt anscheinend von Film zu Film besser wird), obwohl die klassischen Vampire hier bis zur Unkenntlichkeit verfremdet werden (wie uncool, schreien da die Horrorfans, wie kann man nur versuchen, neue Impulse in ein Subgenre des Horrorfilms zu bringen, welches schon seit Jahrzehnten ausgelutscht war?) und für eine Art „Romeo & Juliet“-Modernisierung den Kopf hinhalten müssen – in solchen Zeiten muss man Akzente setzen und althergebrachte Klischees des Vampirfilms aufleben lassen. Dachte sich zumindest Rob Stefaniuk, seines Zeichens erfolgloser Schauspieler (u. a. in „Elvis Meets Nixon“ von 1997 oder „Superstar – Trau' dich zu träumen!“ von 1999 zu sehen) und noch erfolgloserer Regisseur (das Regiedebüt „Phil The Alien“ von 2004 kennt bis heute irgendwie niemand), und schrieb sich ein weitestgehend an den Haaren herbeigezogenes Drehbuch zurecht, welches er selbst mit sich in der Hauptrolle inszenierte.

Die Band „The Winners“ tourt durch Kanada und die USA, um einen Plattenvertrag an Land zu ziehen und so endlich ihrem Bandnamen gerecht zu werden. Das Problem ist nur, dass keiner sie so richtig sehen will, und als dann auch noch der Manager abhaut, scheint der Untergang komplett besiedelt. Eines abends jedoch haut Jennifer, die Bassistin der Band, nach einem Auftritt mit einem seltsam wirkenden Gothictypen ab, welcher sich schnell als Vampir entpuppt und seine Zähnchen in den Hals der Dame gräbt. Von nun an geht es für die Band steil bergauf, mit jedem Bandmitglied mehr, welches zum Vampir wird, wächst der Erfolg. Allerdings ist der Vampirjäger Eddie Van Helsing (ja, richtig gelesen … EDDIE Van Helsing!) bereits auf der Suche nach den Winners … .

So abstrus das klingt, so sieht es denn als Endprodukt auch aus. Man muss dem Film natürlich zu Gute kommen lassen, dass er sich zu keinem Moment wirklich ernst nimmt und dass das Ganze eher als Spaßprojekt gedacht war. Auch haben wir es hier nicht mit einem Horrorfilm zu tun, sondern eher mit einer Mischung aus Vampirfilm und Musical, Parallelen zu „The Rocky Horror Picture Show“ gibt es zuhauf und wahrscheinlich mit voller Absicht. Und „Suck“ ist auch definitiv nicht unterirdisch schlecht: Die Gastauftritte vieler Musiker (u.a. Alice Cooper, Iggy Pop und Moby) sowie der rockige Soundtrack machen den Film zumindest für Rockfans zum Spaß, weil man in jeder zweiten Nebenrolle ein bekanntes Gesicht aus dem Musikbiz findet und die Mucke auch durchaus stellenweise richtig rockt. Außerdem gibt es mit Malcolm McDowell ein bekanntes Gesicht in der Rolle des Eddie Van Helsing (EDDIE Van Helsing! Ich komm' da einfach nicht drüber weg!), der zwar definitiv schon bessere schauspielerische Leistungen erbracht, dafür aber sichtlich Spaß an seiner Rolle hat.
Nein, „Suck – Bis(s) zum Erfolg“ ist definitiv kein kompletter Rohrkrepierer, er kann mit seiner Musik und seiner Darstellerriege überzeugen und macht sogar stellenweise richtig Spaß. Das Problem ist nur: Regisseur Rob Stefaniuk kann zu keiner Zeit wirkliche Spannung aufbauen, die Struktur ergibt über große Strecken irgendwie keinen Sinn, zum Beispiel ist der Übergang von Band zu Vampirband viel zu schnell, viel zu indirekt abgehakt, besser wäre es hier gewesen, man hätte diesen Teil des Plots zum Hauptteil gemacht, vernünftig ausgeführt und auch öfter mal einen Biss mehr gezeigt. So aber bleibt das Gefühl zurück, hier hätten blutige Anfänger Filmmaterial, welches durchaus über Potenzial verfügt, wahllos zusammengeschnitten und dabei lediglich auf grobe Chronologie geachtet.
Und wenn wir schon beim Stichwort „verschenktes Potenzial“ sind: Wenn man schon so einen Film dreht, warum zum Teufel zeigt man so verdammt wenige Kills und Splatterszenen? Bei dieser Story und dem Stil, um den „Suck“ bemüht ist, wäre es ein leichtes gewesen, mal so richtig ordentlich auf die Kunstblut-Kacke zu hauen und so die Splatterfans mit ins Boot zu holen. Auch hier hält sich Rob Stefaniuk jedoch gemächlich zurück, zeigt zwar ein paar (recht blutige) Vampir-Fütterungsszenen, aber den Eindruck, hier „endlich mal wieder“ einen wirklichen Vampirfilm zu sehen – und das ist laut DVD-Cover der Anspruch, den der Film an sich selbst hat – hat man nicht, auch insgesamt nicht: Dafür gibt es zu wenig Atmosphäre, zu wenig Blut, zu wenig Vampire, zu wenig leicht erotische Romantik, zu wenig von allem eben, was echte Vampirfilme ausmacht. Und auch die sozialkritischen Ansätze, die Stefaniuk hier und da immer wieder einstreut (Stichwort: Van Helsing am Grenzübergang), können „Suck“ nicht zum echten Hingucker machen, weil auch hier nichts wirklich ausgeführt wird.

Unterm Strich ist „Suck – Bis(s) zum Erfolg“ also immer wieder dieselbe Chose von angedeutet, aber nicht ausgeführt. Viele gute Ansätze treffen in diesem Film aufeinander, verrecken jedoch kläglich. Dabei macht der Film jedoch wegen der Musik, Malcolm McDowell und der ein oder anderen echt lustigen Szene stellenweise immer wieder richtig Spaß, weshalb es von mir vier Punkte gibt. Allerdings: Bevor ich mir immer wieder schlechte oder mittelmäßige Filme mit immer denselben klassischen Vampiren angucke – und für diese Kategorie ist „Suck“ ein Paradebeispiel, auch wenn er sich nicht ernst nimmt –, gucke ich mir lieber nochmal die „Twilight“-Reihe an!

Details
Ähnliche Filme