Sexuelle Befreiung in Schwarz und Weiß
Spike Lee ist über die Jahre in seinen Ansichten nicht gerade milder geworden, wie könnte er auch wenn sich in den Staaten kaum etwas ändert, seine Filme sind eher noch polarisierender ("Shi-Raq") oder schlicht schlechter ("Oldboy") geworden. Sein Regiedebüt "She's Gotta Have It" von 1986 ist allerdings ein verdammt heißer und starker und noch immer mutiger Film, der seiner Zeit voraus war/ist und als Meilenstein des schwarzen amerikanischen Kinos gesehen werden muss. Kein Wunder, dass Netflix gerade an einem Remake bastelt. In der kurzweiligen und stylischen Geschichte geht es um die sexuell sehr aktive und fortschrittliche Nola Darling und ihre drei Männer bzw. Beziehungen, die sie mehr oder weniger gleichzeitig hat. Das war's eigentlich schon. 84 Minuten voller zackiger Dialoge, hübschen 16mm-Bildern und einer dunkelhäutigen Königin. Auf der Straße, in ihrem Bett, in den Herzen, Köpfen und vor allem unteren Regionen ihrer etlichen Verehrern.
"She's Gotta Have It" ist kinetisch, extrem stilsicher und maximal beeindruckend für ein Regiedebüt. Kein Wunder, dass Spike Lee schnell zur Zukunft des Black Cinema erhoben wurde und dann mit "Do The Right Thing" auch (nochmal) lieferte. Manchmal wirken in diesem schmal budgetierten Debütfilm zwar die Darsteller (inklusive Lee selbst) etwas steif und unerfahren, doch das verleiht nur noch mehr Authentizität und Street Credibility. Die Story mag sehr simpel und basic erscheinen, doch einen so starken, selbstbestimmten und vielseitigen Charakter wie Nola sucht man selbst in der heutigen Filmlandschaft vergeblich. Dabei ist sie weder schwächenlos noch ultraschön oder die Verführung in Person. Sie ist einfach Nola und hat den speziellen Touch. Männer kommen dabei eher mediokre weg, doch gelogen ist nicht Vieles im Film. Klischees werden an den Pranger oder gleich auf den Kopf gestellt. Was für ein großer Fan der Kinomeister der Nouvelle Vague bis zur Indieszene Hollywoods Lee ist, muss man nicht mit der Lupe suchen. Es geht um schwere Themen wie Selbstbestimmung, Gleichberechtigung oder sogar den Sinn des Lebens. Nur selten wurden diese so leichtfüßig, beiläufig und lässig abgehandelt.
Fazit: Lee's Debüt ist schick, sexy, voller Bewegung, Kreativität und Liebe zum Film wie zu seiner Hautfarbe. Als ob Godard auf Woody Allen trifft. Nur eben aus damals wie heute erfrischendem Blickwinkel.