"Babylon - Im Bett mit dem Teufel" ist [Achtung: Spoiler!] ein Film, der sich lange Zeit bedeckt hält, um sich erst gegen Ende zu enttarnen, es ist ein plot twist-Streifen mit Überraschungseffekt am Schluss - ein Überraschungseffekt freilich, den man erahnen kann bei der gut sichtbaren Mühe, das Gesicht der Frau zu verbergen, um welche sich das kleine Vorspiel des Films dreht. Vom Ende aus aufgerollt, sieht die Geschichte des Films ungefähr so aus [Achtung: plot twist-Spoiler!]: Eine schwangere Frau geht mit ihrem Gemahl in die Oper; dort entfernt sie sich - von ihrem Mann wenig beachtet - aus der Loge, um vor Unterleibsschmerzen im Korridor des Opernhauses zusammenzubrechen, während ihr Mann - tatsächlich oder auch erst in der Wahnidee seiner extrem vernachlässigten Frau - mit einer exhibitionistischen Zuschauerin in der Loge gegenüber flirtet. Es folgt der Alptraum der Schwangeren, der sich übergangslos ereignet und der erst gegen Ende als Alptraum offenbart wird: Die Frau aus der Oper taucht darin als geile Verführerin auf, das alte Ehepaar, hinter dem die Schwangere mit ihrem Mann gesessen hat, ist mehrfach als stilles Zeugenpärchen zu sehen, die Opernsängerin taucht als Krankenhauspatientin auf, die Schwangere selbst - im realen Leben Krankenschwester (wie man später erfahren wird)! - spaltet sich auf in eine eingelieferte Schwangere und in die ((noch) nicht schwangere) Krankenschwester Maria, die von ihrem Freund, einem beruflich stets eingespannten Tennisspiel-Organisator, vernachlässigt wird. Als solche arbeitet sie unter dem Arzt, der ihr - und auch das erfährt man erst gegen Ende! - im realen Leben bei der vorzeitigen Entbindung geholfen hat (während der oder nach der sich dieser Alptraum eigentlich ereignet); und aus ihrer Zimmernachbarin wird eine lesbische, blinde, tödlich erkrankte Patientin, die das Alptraum-Alter-Ego der träumenden Hauptfigur umschmeichelt. Auch der Ehemann bekommt seine Hauptrolle in diesem Alptraum: Vom Mann der eingelieferten Schwangeren mutiert er zum Trickbetrüger und zum Liebhaber der jungen Krankenschwester und hört auf den Namen Lothar (und nennt sich je nach Lage auch mal Gustav oder Wigbert). (Auch er spaltet sich in diesem Film gewissermaßen auf, wenngleich er in seiner zweiten Rolle als immer abwesender Partner der Krankenschwester nie zu sehen ist.) Sie lernt ihn kennen, als sie den Eltern der eingelieferten Schwangeren deren Habseligkeiten überbringt, nachdem der eingelieferten Frau der schwangere Unterleib mit Todesfolge explodiert ist. Zur gleichen Zeit ist aber auch Lothar anwesend, der das Ehepaar als betrügerischer Vertreter über den Tisch ziehen will.
Schnell wickelt Lothar Maria um den Finger, gleichwohl unübersehbar ist, dass es sich bei ihm um ein schmieriges Arschloch handelt: Nicht nur wird er wenige Minuten nach diesem Zusammentreffen mit ihr schlafen (während zwischen ihnen das Kondom aufreißt), sondern sogar seine Komplizin aus ihr machen, die ihm von den Krankenheiten diverser Patienten berichtet, damit er mit diesen Infos die Angehörigen betrügen kann. Schon bald erkennt sie in Lothar den egoistischen, gewissenlosen, verlogenen Sozialversager - es kommt zum Streit, man trennt sich, Lothar kommentiert all das mit ein paar arg verletzenden Sticheleien. In der Zeit danach kommt es bei Maria vermehrt zu Unterleibskrämpfen und Blutungen aus dem Bauchnabel, denen sie zunächst wenig Beachtung schenkt. Der blinden, todgeweihten Patientin, der sie von ihrem erneut wachsenden Tumor berichten soll, kommt sie in dieser Zeit etwas näher: doch obwohl sich Maria nach einer 'Idee von einem anderen Leben' sehnt und sie der Gedanke an ihren meist abwesenden, womöglich fremdgehenden Freund (vielleicht nicht plagt, zumindest aber) beschäftigt, lässt sie den erotischen Kontakt zur neu gewonnenen, todgeweihten Freundin nicht zu. Diese springt kurzerhand - nach der Hiobsbotschaft des drohenden Todes und nach der Zurückweisung der geliebten Freundin - von Marias Balkon in den Tod, derweil Maria einen heftigen Unterleibskrampf erleidet und sich kurz darauf als Patientin im Krankenhaus wiederfindet. Der Chefarzt erläutert ihr, sie sei in der 16. Woche schwanger - das hätte sie doch merken müssen, gerade als Krankenschwester... Maria widerspricht: Das könne gar nicht sein, selbst wenn Lothar sie vor kurzem geschwängert haben sollte - und kurz darauf überredet sie den Arzt zur illegalen Abtreibung, bei der einiges nicht ganz mit rechten Dingen zugeht; der Fötus erregt jedenfalls die Verwunderung des Arztes. Als dann auch Marias Kollegin schwanger ist - und zwar ebenfalls von Lothar, der sich ihr gegenüber als Gustav ausgibt und scheinbar pausenlos hübsche Frauen abschleppt & fallenlässt! - und ihr in Marias Anwesenheit der Bauch mit tödlichen Folgen aufplatzt, steht für Maria fest, dass mit Lothars Samen auf ganz unheilvolle Weise etwas nicht stimmt. Die Frage ist bloß: Weiß Lothar das auch?
Im letzten Teil des Films geraten Marias Erlebnisse zum absurden Horrortrip: Ihrem Chefarzt vertraut sie sich an, welcher ihr im Gegensatz zur Polizei Glauben schenkt. Er sucht Lothar schließlich in seiner zweiten Stammkneipe - neben dem Babylon, in welchem eigentlich stets viel mehr los sei! - auf, in der dieser bereits wieder eine weitere Frauenbekanntschaft umwirbt, und legt ihm eine ärztliche Untersuchung nahe. Lothar muss kurz austreten, kehrt aber nicht zurück; der Arzt findet ihn erschossen am Pissoir vor: Maria ist noch am Tatort - mit einer Schusswaffe, die Lothar bei ihrem ersten Treffen seinem aufgebrachten (beinahe-)Betrugsopfer abgenommen hatte (um sie später an Maria zu verschenken). Mit dem Chefarzt flieht Maria vom stillen Örtchen des Geschehens - in einer immer absurder werdenden, immer weniger durchdacht wirkenden Flucht. Am Ende legt ihr der helfende Freund auf einer Müllkippe nahe, dort jene Pforte zu passieren, durch welche jedermann schon einmal gekommen ist: Dabei rutscht Maria in einen fleischig-roten Schlund, erlebt eine Wiedergeburt aus dem Mutterleib und erwacht aus dem letztlich geradezu surreal gewordenen Alptraum.
Nach ihrer Einlieferung am Tag des Opernbesuches hat sie eine Frühgeburt erlitten - und erst jetzt erkennt man, dass die schwangere, gesichtslose Frau in der Oper mit ihrer Krankenschwester identisch ist und das fast alles bloß ein Realität verarbeitender Traum gewesen ist. Die lesbische Bekanntschaft aus dem Traum liegt neben ihr im zweiten Krankenbett des Zimmers, ihr Ehemann kommt sie besuchen, der Chefarzt des Hauses verkündet, sie habe alle ganz schön auf Trab gehalten. Der Ehemann wirkt weit freundlicher als zuvor, beteuert sogar, er sei die ganze Zeit bei ihr gewesen. Etwas später jedoch - als beide Partner miteinander telefonieren - überredet er seine Frau dazu, noch möglichst einen Tag im Krankenhaus zu bleiben, legt auf und vögelt mit der geilen, ruchlosen Frau, der er schon zu Beginn in der Oper seine Blicke folgen ließ. Und wie in diesem Beginn - vor dem Einsetzen des Traumspiels - bleibt auch bei diesem Ende offen, ob man nun tatsächlich in der Realität angekommen ist oder ob dieser Betrug erneut die Wahnidee einer vernachlässigten Frau ist.
Es ist freilich der große Vorzug von Ralf Huettners (zweitem) Horrordrama, dass es nicht einfach nur ein Film über die Realitätsverarbeitung einer Träumerin mit schwieriger Familiensituation ist - zumal es als solcher im Vergleich mit dem in dieser Hinsicht ungleich komplexeren "Mulholland Dr." (2001) ziemlich scheitern würde, erfährt man doch letztlich zu wenig über das reale Leben der Träumerin! -, sondern ein Film über viel allgemeinere Beziehungsprobleme. Angesichts des deutlich von David Cronenbergs body horror beeinflussten Horror-Plots um einen mutierten Samen, der seine Empfängerin nicht zur Mutter, sondern zur Leiche macht, und aufgrund des überzogenen, einprägsamen Spiels Dominic Raackes[1] in der Rolle des unsympathischen Widerlings Lothar (an welchem man sich zunächst wegen der vielen Klischees stoßen mag, was aber durch den Traum-Charakter letztlich erklärt bzw. entschuldigt wird), liegt es natürlich auf der Hand, in "Babylon - Im Bett mit dem Teufel" vor allem eine Abrechnung mit Machotum & Chauvinismus zu erblicken. Das ist definitiv nicht verkehrt, zumal sich der Film auch im Dialog mit der Frage beschäftigt, weshalb so ein schmieriger Unsympath mit seinen billigen, dreisten Maschen überhaupt als erfolgreicher Casanova tätig sein kann: Sie wisse ja, dass Gustav/Lothar sie belügen würde und dass er kein guter Mensch sei, sondern gemein & unberechenbar, erklärt sein jüngster Fang in einer Szene der Kollegin & Freundin Maria; aber sie lüge dann einfach ebenfalls, sei sich seiner Lügen bewusst, bleibe dadurch auf Augenhöhe und profitiere enorm von der übergroßen Selbstsicherheit des Liebhabers, von der sie an seiner Seite ebenfalls beflügelt wird, um sich einmal so richtig frei und überlegen zu fühlen und quasi eine ganz andere Person zu werden. Es ist der große Traum von der 'Idee von einem anderen Leben', welchen auch Maria anspricht und den sie ja letztlich tatsächlich träumt: es ist allerdings bloß eine Alptraumversion des wahren Lebens, durch welche ihr Alptraum-Alter-Ego stolpert. Lothars Opfer verfallen seinen Lügen eigentlich nicht, sie lassen sich eher bewusst auf dieses Lügenspiel ein, um einmal von den Freuden der unbändigen Selbstsicherheit, der egozentrischen Überlegenheit zu kosten - und dabei selbst ein schlechterer, aber angenehmer lebender Mensch zu werden: Er könne Maria in den Himmel ficken, sagt Lothar einmal, oder in die Hölle; tatsächlich schafft er beides zur gleichen Zeit, verschafft paradiesischen Genuss und verdirbt zugleich den Charakter dabei. Er pflanzt quasi seinen bösen Samen in sie, der sie in blutigen Parodien einer Schwangerschaft zugrunde richtet: Man erntet, was man sät... (Und weil seine Partnerinnen nach der Trennung wieder dieses enorme Selbstbewusstsein ein bisschen einbüßen, werden sie schnell zu seinen verletzlichen Opfern - die von seinem Treiben dann buchstäblich in Stücke gerissen werden.)
Aber all dies greift etwas zu kurz, denn diese Ereignisse werden ja durch die Brille der alpträumenden Partnerin betrachtet; und auf den zweiten Blick ergibt sich ein ungleich komplexeres Bild. Maria erträumt sich schließlich als betrogene Partnerin und zugleich auch als ihren Partner betrügende Krankenschwester, die von dem Mann, der außerhalb des Traumes ihr Partner ist und hier als verlogener Betrüger auftaucht, verführt wird... und die im Dialog mit der Freundin den stets abwesenden Traumpartner gegen den Vorwurf verteidigt, er würde sie womöglich betrügen: eine Verteidigung, deren Überzeugtheit man allerdings in Zweifel zieht, wenn man die Art & Weise der Einbindung des eigentlichen Partners berücksichtigt. Angesichts des Umstandes, dass schon der Flirt in der Oper und auch der Betrug im Epilog bloß zu den Vorstellungen der weiblichen Hauptfigur gezählt werden können (nicht: müssen!),[2] ergibt sich also ein Bild, in welchem eine vernachlässigte, an Einsamkeit leidende Frau einen eigenen Betrug mit einer phantastischen Alptraumhandlung vor sich rechtfertigt. Viele Details unterstützen solch eine Auslegung, die den dominierenden Alptraum nicht bloß als Entlarvung des Charakters des Partners, sondern auch als Selbstbetrug im Hinblick auf eigene Schattenseiten greifbar werden lässt: So wird die Zimmernachbarin als begehrende Lesbe in den Traum hineingeholt, deren Begehren Maria schmeichelt, deren lesbisches Begehren sie aber keinesfalls teile. Was wäre das denn für eine strikte Heterosexualität, wenn diese einen ganz homoerotisch Verehrer(innen) der eigenen Geschlechtszugehörigkeit erträumen lässt, mit deren Homoerotik man freilich so gar nichts zu tun habe: wohl kaum mehr als ein etwas heuchlerischer Selbstbetrug... Interessant ist auch der Punkt, dass von der Lesbe erstmals wahre Gefühle der Liebe ausgehen (welche die Traum-Maria weder vom immer abwesenden Partner, noch von Lothar erhält), die dann aber nicht vollständig angenommen werden, weil das Bedürfnis nach einem starken Mann unweigerlich vorhanden ist.
Und der aufopferungsvolle Oberarzt, der sich außerhalb des Traums um die Frühgeburt gekümmert hat, bleibt durch & durch nur eine liebevolle Vaterfigur - kein love interest... Die Lesbe verrät einmal, er fürchte Marias Größe; auch das ist ja ein Gedanke, der letztlich von der Träumenden ausgeht: liebevolle, aufopferungsvolle, väterliche Männer, die einen aber etwas schüchtern als selbstbewusste Frau fürchten würden und als love interest kaum tauglich sind... Eine andere Kollegin wollte den Oberarzt einmal heiraten, erklärt Maria der Lesbe in einer Szene: und zwar deshalb, um nicht mehr als Krankenschwester arbeiten zu müssen; das habe letztlich nicht geklappt. Maria selbst arbeitet im Traum und im realen Leben als Krankenschwester und macht gegenüber Lothar früh im Film deutlich, wie wichtig ihr ihre Unabhängigkeit sei. Für diese verdiene sie sich auch ihr Geld selbstständig - sie sei halt Idealistin. (Aber ist das bloßer Idealismus? Oder nicht vielleicht doch auch die Angst vor der Abhängigkeit eines Mannes, dessen Treue man deshalb anzweifelt, weil man die Untreue schon an sich selbst bemerkt?) Und was ist mit dem alten Ehepaar aus der Oper, welches Maria immer wieder beobachtet, als sie blutbesudelt nach dem Explosionstod der Kollegin & Freundin auf einer Wiese sitzt oder als sie nach ihrem Mord an Lothar mit dem Oberarzt per Bus flieht? Steht dahinter bloß die Furcht, ein gereiftes, glückliches Paar könne die womöglichen Flirts ihres realen Gatten beoabchten? Oder nicht doch auch die Furcht, dass sie Zeugen des gesamten Geschehens werden könnten, welches sich immerhin auch als Selbstbetrug entpuppt? Und auch der Vorwurf der Lesbe, dass Maria Todesmitteilungen doch bloß überbringe, weil sie sich dabei stark & mächtig fühle, ist letztlich ein Vorwurf aus ihrem eigenen Unterbewusstsein: Der vehemente Widerspruch ihres Traum-Alter-Egos hat mit Wahrheit oder zumindest mit Besonnenheit & Aufklärungsbereitschaft wenig zu tun... der Traum rückt sie selbst nicht weniger in schlechtes Licht, als er ihren Mann schäbig erscheinen lässt.
Weil "Babylon - Im Bett mit dem Teufel" seine Verdachtsmomente nie bestätigt, aber immer mehr Zweifel an so ziemlich jedem Sachverhalt (an jeder Charaktereigenschaft, an jeder Beziehungsform) erzeugt, ist es letztlich weder ein männer- noch ein frauenkritischer oder gar -feindlicher Film, sondern ein ganz & gar unvoreingenommener Streifen, der mit Klischees (teilweise auch mit sexistischen Klischees) spielt und zugleich viele sensible Beobachtungen einbringt, welche aber wie die Klischees stets hinterfragt werden müssen. Heraus kommt ein Film, der solch eine Deutungsvielfalt mit sich bringt, dass er über die konkrete Beziehung des Filmpärchens hinausreichend auf so ziemlich alle Beziehungen angewendet werden kann - mit der Forderung, nicht nur die eigenen Schlüsse über den Partner zu analysieren, sondern auch das Zustandekommen der eigenen Schlüsse... mit der Forderung, das eigene Denken über sich & andere kritisch auf Projektionen & Beschönigungen abzuklopfen.
Es ist ein ausgesprochen cleverer Film, den Huettner als Regisseur und als Co-Autor neben Andy T. Hoetzel mit "Babylon - Im Bett mit dem Teufel" abgeliefert hat; wer hätte das bei diesem Titel und der Besetzung mit Veronica Ferres gedacht? Vermutlich kaum jemand und so ist der Streifen dann auch nicht übermäßig populär geworden - zudem wurde er auch als vermeintlich blöder Film von Teilen seines Publikums unterschätzt, welche sich offenbar an den groteskeren, absurderen Zügen des Films gestoßen und die Vielschichtigkeit seiner intelligenten Auflösung offenbar übersehen haben: "Unausgegorene Mischung aus Horror- und Erotikfilm mit Anflügen von schwarzem Humor. Das hanebüchene Drehbuch und die dümmlichen Dialoge machen einige gelungene Bildfolgen schnell vergessen."[3] So urteilte seinerzeit der Filmdienst. Spätestens mit der DVD-Veröffentlichung vermehrten sich dann aber die positiven Stimmen radikal.
Und das hat "Babylon - Im Bett mit dem Teufel" auch wahrlich verdient, denn selbst inszenatorisch hebt sich Huettners Film wohltuend von anderen, rar gesäten deutschen Genrefilmen ab: Die Farbdramaturgie hat mehr mit dem italienischen Horrorkino zu tun als mit der deutschen Filmlandschaft - bloß Eckhard Schmidt gestaltete einige Szenen seiner E. T. A. Hoffmann-Verhorrorfilmung "Der Sandmann" (1993) auf ähnlich intensive, aber etwas grobschlächtigere Weise! -, die Räume werden teilweise von rötlichem, bräunlichem, grünlichem, gelblichem, bläulichem Licht durchflutet; die Masturbation der blinden Lesbe vor dem TV-Gerät mit stöhnenden, kämpferischen Tennisspielern (nicht zufällig Tennis: Marias Traumpartner organisiert schließlich reihenweise Tennisspiele!) ist in ihrem Spiel mit Farbe, hallendem Ton und verheißungsvollen Schatten geradezu argentoesk. Und wenn man überhaupt einen deutschen Filmemacher zum Vergleich heranziehen will, dann vermutlich Werner Schroeter mit seinen opernhaft stilisierten, farbprächtigen Bildern... gerade für Huettners Filmbeginn im Opernhaus gilt das, der zugleich auch wie spätere Szenen mit dem alten Paar aus der Oper an Polanskis paranoid-schizophrenen "Le Locataire" (1976) erinnert; Polanski steht freilich vor allem auch mit seinem Horrorklassiker "Rosemary's Baby" (1968) über eine wahrhaft teuflische Schwangerschaft Pate: neben Cronenberg - an den und dessen Frühwerk von "Shivers" (1975) bis "Dead Ringers" (1988) auch einige klinischere Außenaufnahmen, die Abtreibungssequenz mit ihrer Farbdramaturgie und der body horror-Aspekt erinnern - dürfte Polanski auch einen der stärksten Einflüsse darstellen. Und vielleicht mag auch Zulawski als Inspirationsquelle für den Mix aus absurd-grotesken Episoden und fiebriger Beklemmung gedient haben (wobei dessen Hysterie in Musik, Kameraeinsatz und Schauspiel bei Huettner allenfalls leise anklingt). Alles in allem eifert Huettner dem internationalen Film stärker nach als es für das deutsche Kino üblich ist: das gelingt ihm nicht immer und gerade Diethard Prengels Kameraarbeit - die allerdings mit den gewählten Perspektiven und sanften Schwenks durchaus überzeugen kann - hat beispielsweise kaum beachtliche Fahrten zu bieten; aber grundsätzlich darf "Babylon - Im Bett mit dem Teufel" zu den interessantesten deutschen 90er-Jahre-Filmen gezählt werden.
7,5/10
1.) Zum Zeitpunkt der Dreharbeiten war Raacke übrigens mit der Hauptdarstellerin Natja Brunckhorst verheiratet - ein recht origineller Besetzungs-Clou...
2.) Was dafür spricht, dass der Betrug des womöglich ja tatsächlich zu oft abwesenden Partners nur ein quälender Wahn ist, das wäre Raackes Schauspiel: Sein freundliches, einschmeichelndes Agieren am Krankenbett seiner Frau hat so gar nichts mehr von den berechnenden Maschen Traum-Lothars, es wirkt gefühlvoll & sensibel. Im Opern-Prolog und im Epilog ist er dann wieder der überzeichnete Klischee-Macho.
3.) http://www.filmdienst.de/nc/kinokritiken/einzelansicht/babylon---im-bett-mit-dem-teufel,47712.html