Review

Essex County Blues


„Fish Tank“ ist bravuröser British Realism und erzählt von einer Teenagerin zwischen den Betonbauten, Grautönen und Zäunen von Essex, wo eigentlich nur einsames Tanzen zu Hip-Hop sie ein wenig aus dem trost- und hoffnungslosen Alltag holt. Doch als der neue Freund ihrer Mum Schwung in Bude und Hormonhaushalt der jungen Frau bringt, tun sich eventuell neue Möglichkeiten und Wege auf…

Ohne zu schwarz und klischeebeladen zu malen, fängt „Fish Tank“ sehr stark ein, was es heißt in der Unterschicht aufzuwachsen und zu leben, wo Träume und Hoffnungen schnell im Dschungel aus Beton, Familienfesseln und menschlichem Morast untergehen. Und das gilt und fasst universell, nicht nur auf der Insel, von New York bis Wedding. Hervorragend gespielt von allen Beteiligten, kein Wunder, dass Fassbender danach auch in Hollywood sehr gefragt war. Aber besonderes sticht Katie Jarvis hervor, bei der man sich hingegen wundert, warum nach diesem hardhitting Drama nicht mehr viel kam. Oder man es zumindest bedauert, da es ja jedem selbst überlassen ist, warum man Schauspieler wird oder warum nicht. Und gerade als Heranwachsende, die mal in das Business hineingeschnuppert hat, darf man sich auch (trotz fraglos gegebenem Talent) dagegen entscheiden. Schade ist’s dennoch. Ansonsten ist „Fish Tank“ überhaupt nicht trocken oder biederes Preisfutter, sondern vollkommen durchdacht, fühlbar und im besten Sinne realistisch. Aus Hollywood wäre all das sicher klischeehafter, kitschiger, gewollter und anbiedernder an Academy und Co. Hier wirkt's organisch, natürlich und in seinen besten Momenten poetisch a la Xavier Dolan. 

Fazit: real, rau, rigoros und stellenweise trotzdem fast schon poetisch hübsch - „Fish Tank“ ist britischer Realismus in voller Blüte! 

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