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Eric Bishop (Steve Evets) arbeitet als Postbote und muss sich daheim mit seinen beiden Stiefsöhnen Ryan und Jess, deren Mutter die beiden Teens und Eric einfach sitzengelassen hat, herumschlagen. Nicht nur die Tatsache, dass Ryan Kontakte zum Klein-Ganoven Zac unterhält und überall im Haus Kartons mit Elektrogeräten herumstehen beunruhigt Eric. Er leidet vor allem auch unter der Trennung von seiner ersten Frau Lily, seiner eigenen Unfähigkeit damit fertig zu werden und der Tatsache, dass die beiden Jungs ihn in keinster Weise respektieren.

Den einzigen kleinen Halt, den Eric noch hat sind seine Freunde von der Arbeit und die Erinnerung an bessere Zeiten. Zeiten als er jung war, Spaß am Tanzen hatte, er die Fußballspiele von Manchester United besuchte und sein Idol, Eric Cantona dort für die Tore sorgte.

Nach einem besonders schlimmen Tag dreht sich Eric aus Ryan`s Vorrat einen Joint und plötzlich erscheint Eric Cantona in seinem schäbigen kleinen Zimmer. Diese und die folgenden Begegnungen und Gespräche mit dem Fußball-Gott bringen dann Eric langsam aber sicher wieder  zurück ins Leben....

„Looking For Eric“ von Regisseur Ken Loach ist einer dieser kleinen, aber feinen Filme, die den meisten Durchschnitts-Zuschauer leider vorenthalten bleiben, da sie bestenfalls ein Nischendasein in der hiesigen Kinolandschaft genießen oder versteckt imTV laufen. Aus kommerzieller Sicht ist dies durchaus nachvollziehbar, da derartige Filme nun mal keine Schlangen an Kinokassen oder Rekord-Einschaltquoten im Fernsehen produzieren. Dennoch gibt es auch in „Looking For Eric“ einiges zu entdecken.

Da wäre mal zuerst eine Handlung zu nennen, die wie viele große Vorbilder ihren Protagonisten mittels eines Winks von „oben“ seiner selbst bewusst werden lässt um ihn anschließend langsam aber sicher wieder seinen Lebensweg aktiv anzugehen. In diesem Fall geschieht dies durch die Begegnungen und Gespräche mit einem Fußball-Idol, was natürlich gewisse Zweifel aufkommen lässt, da der Fußball und sein Umfeld nicht unbedingt dafür prädestiniert scheinen um in irgendeiner Weise das Leben einer Person ernsthaft zu ändern. Befürchtungen hinsichtlich einer platten Belehrung über die wahren Werte des Lebens sind jedoch umsonst, denn Cantona weist seinem Namensvetter nur einen sehr vagen Weg auf um sich aus seiner Misere zu befreien. Dies ist als  absolut positiv zu bewerten, denn dadurch wird die ohnehin realistische Atmosphäre noch zusätzlich unterstrichen da es im wahren Leben auch keine vorgefertigten Patentlösungen gibt.

Die Handlung gewinnt zusätzlich an Stärke durch eine sehr realistische und ungeschönte Darstellung der Lebensumstände von Eric. Der Mann fristet ein unspektakuläres Leben als Postbote , lebt in einem alles andere als ansprechenden Reihenhaus, das aussieht als hätte es seine besten Zeiten schon seit Jahrzehnten hinter sich und bewohnt davon auch bloß ein Zimmer wirklich, das wiederum als Wohn-, Schlaf- und Cantona-Gedenktimmer funktioniert. Einer seiner Stief-Söhne ist schwarz, der andere weiß und Eric selbst sieht mindestens zehn Jahre älter aus als er tatsächlich ist. Seine Freunde sind auch keine Hollywood-liken Strahlemänner, sondern Durchschnittsmenschen ohne Traumfigur und Zahnpastagrinsen dafür aber mit Bierwampen, Sprachfehlern und unvorteilhaften Frisuren ausgestattet. Hinzu kommt eine gehörige Portion Herz am rechten Fleck und wir finden uns plötzlich inmitten der Realität wieder...

Dieser Eindruck von Realität wird auch durch die Kameraarbeit von  Barry Ackroyd unterstützt, der seine Kamera einfach voll auf die Geschehnisse draufhält. Hier gibt es keine Filter-Spielereien, die alles in einem weicheren oder unnatürlichen Licht erscheinen lassen, sondern Bilder die ungeschönt wiedergeben was gerade passiert.

Auch auf der darstellerischen Ebene muss man sagen, dass sich vor allem Hauptdarsteller Steve Evets durch seine realistische Darstellung hervortut. Evets verkörpert den aus der Bahn geworfenen Postboten wirklich überzeugend. Vor allem als er Catona gegenübersteht und plötzlich in seinen Erinnerungen an dessen Tore regelrecht aufblüht.

Der zweite Hauptdarsteller, Eric Cantona, ist zwar Fußballer-in-Rente, aber bringt sich selbst perfekt in das Script und letztlich den Film ein. Cantona war immer ein Mann mit eigenem Kopf, der für seine Aktionen geradestand, sei es der berühmte Kung-Fu-Tritt gegen einen Zuschauer oder auch die Backpfeife, die er anlässlich einer rassistischen Äußerung bei der Beachsoccer-EM verteilte. Auch der im Abspann versteckte Interview-Schnipsel zeugt davon. Dieses Auftreten und seine Spielweise machten Cantona zum besten ausländischen Spieler in der englischen Premier-League (2005) und sorgen auch heute noch für seine anhaltende Popularität unter den Fans von Manchester United. Gerade deshalb liefert Cantona hier auch keine Allerwelts-Tipps für Eric und bleibt seiner selbst dadurch treu.

Regisseur Ken Loach dürfte für seine sozialkritischen und teilweise preisgekrönten Filme wie „The Wind That Shakes The Barley“ und „Hidden Agenda“ bekannt sein. „Looking For Eric“ ist in diesem Kontext sicherlich etwas anders zu beurteilen. Zwar gibt es den bereits geschilderten ungeschönten Blick auf das britische Durchschnittsleben in Form dessen von Eric, gegen Ende kommt dann eine für Loach etwas untypische Wendung in Richtung Happy-End auf. Gerade diese Wendung zum positiven ist es aber die den Film letztlich abrundet.

Mit „Looking For Eric“ bleibt Loach seinem Grundthema zwar  treu, entwickelt dieses aber in Richtung eines mehr zuschauerfreundlichen weiter, in dem er neben Eric’s Weg aus der Krise noch einen echten A-Ha-Effekt in Form der gemeinschaftlichen Aktion der ManU-Anhänger für Eric  dranhängt.

Manchem Anhänger von Loachs-Filme mag dies vielleicht etwas zu platt daherkommen, auf andere hingegen wirkt gerade dies wie eine Befreiung – je nachdem wie tief man in der Handlung verstrickt war.

Fazit: „Looking For Eric“ ist ein sehenswertes Sozial-Drama mit Happy-End, dass von seinen Darsteller/innen überzeugend vorgetragen wird und dem Thema „Fußball“ im Film endlich etwas mehr Substanz verleiht als bisher.

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