Der Inhalt des Films ist sicher bekannt bzw. hier gut beschrieben worden: Nach dem Tod eines Junkies erlebt dieser eine out-of-body experience im Stile eines psychedlischen Drogentrips und erlebt gegenwärtige und vergangene Punkte seines Lebens aus ganz anderer Perspektive....
Was sich hier so lapidar anhört wurde filmtechnisch in einzigartig konsequenter Weise umgesetzt. Ich kenne keinen Film wo entsprechend surreale Sequenzen so über mehr als zweieinhalb Stunden durchgehalten wurden. Teilweise sind es minutenlang einfach nur Farbfelder und morphende Figuren ähnlich den bekannten Mandelbrotgrafiken. Diese sind sehr hypnotisch und in entsprechendem setup sicherlich emotional sehr wirkungsvoll.
Schon die opening credits schaffen es sicherlich den ein oder anderen Zuschauer durch Bild- und Toneinsatz zu vergraulen. Später gibt es dann minutenlang eine weisse flackernde Leinwand ohne jeglichen Inhalt. So gibt es auch keine closing credits und der Film bricht geradezu unvermittelt ab. Hier findet teilweise Experiment pur statt und der Film will quasi mit allen Mitteln Avantgarde sein.
Dies so radikal umgesetzt und durchgezogen zu haben ist der grösste Pluspunkt des Films. Die Story selbst ist ja überschaubar. Mit viel Liebe zum Detail und einem Händchen für Formen, Farben und Atmosphäre wird dies zu einem richtigen Trip, der in dieser Länge und Konsequenz relativ einzigartig in der Filmgeschichte ist. Die technische Umsetzung ist auch sehr gut und man rätselt sehr oft wie dies wohl technisch mit den Kamerafahrten, CGI oder Miniaturmodellen realisiert wurde.
Es gibt nicht endenwollende Fahrten über Häuserwände und Dächer, durch Wände und sämtliche Öffnungen, so dass einem fast schwindelig wird. Das führt auch manchmal zu Übersättigung da man nach der x-ten Kamerafahrt über die Häuser und Strassenschluchten schon ein wenig müde wird da es sich doch stark wiederholt. Auch manche Realszenen, z.b. ein bestimmter Unfall werden mehrmals gezeigt und damit überreizt.
Diese spezielle Erzählstruktur wirkt dann doch sehr selbstverliebt und ist auch leider am Ende wenig flexibel. Da waren zumindest auch meine Erwartungen vorher noch höher gesetzt. Sicherlich sind diese redundaten und repetitiven Szenen bewusst gesetzt da unser Denken auch in solchen teilweise wiederholenden Schleifen funktioniert. Als Film konsumiert ist das ganze allerdings sehr anstrengend und formal zu sperrig und den Film richtiggehend emotional zu mögen.
Caspar Noe war durch seine vorherigen Filme immer bekannt für radikale Erzählstile, Experimente, explizite und realistische Gewalt bis an die Schmerzgrenze und teils auch explizitem Sex an der Grenze zum Hardcore. Gewalt gibt es explizit kaum noch, nur beim Tod des Protagonisten Oscar. Sex findet viel statt, ja, einmal wird auch ganz leicht die Grenze zum Hardcore gestreift, aber nicht deutlich. Dies ist auch nicht wirklich entscheidend da es im Film selten um narrative Details, mehr um Form, Atmo und Umsetzung geht. Auch die explizite "inner-body" Ejakulations- und Zeugungsszene am Ende ist nicht wirklich innovativ oder neu, so etwas wurde schon in Dokus exakt so vor Jahren gezeigt. Zumindest hat es mich nicht ingendwie umgehauen oder nachdrücklich beeindruckt.
Durch die Vorberichterstattung und meine grossen Erwartungen und die Sympathie für die vorherigen Filme von Caspar Noe war ich bereit jederzeit zu Höchstnoten zu greifen. Aber der Film hat dies für mich leider nicht gerechtfertigt, die visuelle Darstellung ist einmalig, aber durch den grossen Wiederholungs- und dadurch Sättigungsfaktor und die fehlenden Höhepunkte in der Story muss ich Punkte abziehen.
Aus den o.g. Gründen kann ich leider nur eine 7/10 vergeben.