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Enter the Void ist das neuste Werk von Skandal-Regisseur Gaspar Noe. Bekannt wurde Noe durch die beiden extravaganten Skandalfilme "Irreversibel" und "Menschenfeind". Und wer diese beiden Filme gesehen hat weiß, dass Noe es immer wieder eindrucksvoll schafft, die Brutalität, in ihrer schlimmsten Form, in künstlerischen Bildern zu packen, wie es in etwa auch bei dem französischen Reißer "Inside" der Fall war. Sein neustes Werk ist wieder mal ein Film, den man so noch nicht gesehen hat. Im Prinzip klingt die Story total simpel, denn dieser Film ist im Inneren eigentlich ein ziemlich einfacher Drogen-Film. Doch auch "Irreversibel" und "Menschenfeind" hatten an und für sich eine simple Story, doch Noe verpackte diese Story in einen komplexen Bilderrausch mit unvorstellbaren Kamerafahrten und grandiosen Bildern. In Enter the Void übertrifft er sich in diesem Punkt noch einmal selbst, denn die Bilder, die man hier geboten bekommt, sind einfach atemberaubend schön und sie ziehen die Zuschauer schnell in ihren Bann, sofern man sich drauf einlassen kann. Sobald man im DVD-Menü auf "Film starten" klickt, geht es sofort schon sehr eigenwillig los. Wir bekommen im Turbo-Schnelldurchlauf die Namen sämtlicher Schauspieler, sowie allen anderen Mitarbeitern des Films zu sehen. Gaspar Noe zog es scheinbar vor, die Credits hier zu Beginn zu bringen und das auch noch im Eiltempo, um mehr Zeit für den Film zu bekommen. Denn am Ende gibt es weder einen Abspann noch ein "The End". Nur ein "The Void" erscheint ganz kurz am Ende und man landet wieder im DVD Menü. Wie bereits erwähnt steht Noe für wahnsinnige Kamerafahrten und hier bei Enter the Void bekommt man zu keinem Zeitpunkt ein normales Kamerabild zu sehen. Entweder befinden wir uns eine Zeit lang in der Egoperspektive des Hauptcharakters oder wir sehen die Schauspieler von oben, manchmal auch von hinten. Bei der Egoperspektive wurde viel Wert auf Detailreichtum gelegt, denn man sieht exakt das, was unsere Hauptfigur auch sieht, sogar jeden Augenblinzler. Zwar ist auch dieser Film, optisch gesehen, eine große Kunst-Packung, konnte mich aber inhaltlich nicht so faszinieren und schockieren wie Noe's beiden andere Werke. Der Hauptgrund dafür dürfte wohl an der Länge des Films liegen. Der Film geht sage und schreibe 158 Minuten und das war definitiv zu lang für so eine Art von Film. Man stelle sich nur mal einen Film wie "Mulholland Drive" oder "Lost Highway" in dieser Länge vor. Zudem verkommt der Film in der letzten Hälfte beinahe zu einem halben Porno-Film. Man bekommt eine Sex-Szene nach der anderen zu sehen und fortan schreitet der Film kaum noch voran. Gegen Ende wird auch so gut wie gar nichts gesprochen und Noe lässt nur die Bilder sprechen. Das mag in den ersten 120 Minuten interessant sein, doch nach 30 Minuten reinem "Rumgefummel" in einem Freudenhaus und das komplett ohne Musik, kann das Ganze nach einiger Zeit extrem an den Nerven zerren. Somit ist Enter the Void nicht ganz so wertvoll wie "Menschenfeind" und "Irreversibel", kann aber dennoch auf die Ein oder Andere Art schockieren, wie bspw. bei der abartigen Abtreibungsszene. Es ist bei diesem Film besonders schwer eine Empfehlung auszusprechen. Wer auf neuartige Kameraführungen steht ist bei "Enter the Void" genau richtig, denn in dieser Hinsicht setzt Gaspar Noe mit diesem Film neue Maßstäbe. Aber es ist wieder einer dieser Filme, wo 28 von 30 Leuten den Raum nach kurzer Zeit schon verlassen, da sie mit dieser Art von Kunst wohl nichts anfangen können. Ich persönlich war hin und her gerissen. Einerseits hat der Film mich gefesselt, andererseits war es gegen Ende zu primitiv und überdreht.


Fazit : Wie der Text auf der DVD schon zutreffend beschreibt : Enter the Void ist kein Film, sondern ein Trip! Fans von David Lynch werden hier ihre Freude haben. Gaspar Noe lässt wieder mal die Bilder sprechen und die sind wirklich eine Augenweide. Inhaltlich wäre in diesem Fall weniger deutlich mehr gewesen. Trotzdem ist der Film für Kunst-Fanatiker empfehlenswert.


7/10

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