Review

Zwei europäische Erotik-Ikonen mit internationaler Bekanntheit, - da lässt sich vorweg konstatieren: Sophie Marceau und Monica Bellucci haben sich beide ausgezeichnet gehalten und kaum etwas von ihrer jeweiligen Ausstrahlung eingebüßt.
In diesem Psychothriller, bei dem sich mal wieder alles um ein verdrängtes Geheimnis aus der Kindheit zu drehen scheint, können beide allein mit ihrer Präsenz überzeugen, die schwach ausgearbeitete Geschichte kommt dagegen nur schwerlich an.

Jeanne (Marceau/Bellucci) ist eine erfolgreiche Autorin, glücklich verheiratet und Mutter von zwei Kindern, bis sie beschließt an einem autobiographischem Buch zu arbeiten.
Teile bis zu ihrem achten Lebensjahr wirken wie ausgelöscht und gleichzeitig scheint sich Jeannes vertraute Umgebung in einen latenten Fremdkörper zu verwandeln, bis sie sogar ihr eigenes Gesicht im Spiegel zweigeteilt wahrnimmt.
Jeanne reist schließlich nach Italien, um das Geheimnis ihrer Existenz zu ergründen…

Der filigran festgehaltene Einstieg macht bereits deutlich, dass ein verstärkter Wert auf ästhetische Bildsprache gelegt wird und die Erotik wohl dosiert daherkommt, als man Marceau nach dem Duschen im Bad beobachtet, während geschickte Blickwinkel und der Einsatz von Spiegelflächen nicht nur mit der voyeuristischen Haltung des Zuschauers spielen.
Marceau verkörpert eine in allen Belangen überzeugende Figur, die langsam beginnt an ihrer Persönlichkeit zu zweifeln und bei der Ergründung ihrer Wurzeln niemandem im Umfeld mehr vertrauen kann.
Es wirkt wie bei einer großen Verschwörung, als sich die Anordnung von Gegenständen in der Wohnung verändert, das Gesicht des Ehemannes vertraut und doch fremd erscheint und zu allem Überfluss eine spielsüchtige Mutter mit ablehnendem Verhalten einlenkt, sobald das Thema Kindheit erwähnt wird.

Sophie Marceau hat gegenüber ihrem Alter Ego Monica Bellucci, was aufgrund von Morphing-Effekten der beiden Gesichtshälften, einschließlich einer Metamorphose im Kasino bildlich betrachtet werden kann, den deutlich günstigeren Part.
Denn anschließend geht man zur manchmal zu ausladend inszenierten Aufklärungsarbeit über, wobei Suspense als auch die atmosphärische Dichte zusehends an Intensität verlieren.
Spätestens bei den Sequenzen in Italien, die sich mit erklärenden Rückblenden und einer überflüssigen letzten Einstellung vermengen, ist die Luft weitestgehend raus, denn der Twist bahnt sich bereits einige Zeit zuvor an.
Glücklicherweise lässt man noch ein wenig Freiraum für Interpretationen und zeichnet die Angelegenheit nicht zu offensichtlich, wenn auch einige Logiklöcher bezüglich einer männlichen Doppelrolle nicht von der Hand zu weisen sind.

Zweifelsohne lohnt sich der Streifen schon aufgrund der überzeugenden Hauptdarstellerinnen, wobei Bellucci deutlich mehr Screentime mit einer weitaus weniger facettenreich angelegten Figur zugrunde liegt.
Doch anderweitig ermüdet die etwas zu ruhige Erzählweise auf Dauer genauso wie der Versuch, mit lang anhaltenden Einstellungen die Stimmung zu verdichten.
Im Visuellen, als auch von der Sounduntermalung her durchweg überzeugend, fehlt zuweilen die Konzentration aufs Wesentliche und das Gespür für effizientes Timing.

Letztlich bleibt ein solider Streifen für Freunde des Puzzelns und Mitratens, der das Hauptaugenmerk auf das Charisma seiner Hauptcharaktere setzt, demgegenüber jedoch phasenweise ein wenig selbstverliebt daherkommt, anstatt mit originellen Einfällen zu punkten, deren Abwesenheit sich primär im Verlauf der Aufklärungsarbeit um Jeannes Identität auftun.
Durchaus stimmungsvoll, im Endeffekt aber etwas zu aufgebauscht, um die im Kern simple Story adäquat fesselnd wiederzugeben.
Knapp
6 von 10

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