Es mag gute Gründe geben, warum sich jemand ausschließlich auf die Produktion von Weihnachtsfilmen verlagert. Gary Yates drehte vorliegenden Stoff nach einer wahren Begebenheit, bei der es sich um eine mehrtägig anhaltende Entführung handelte. Trotz ausbleibender Dringlichkeit war das dem gebürtigen Kanadier offenbar zuviel und zum Ausgleich dreht er nun drei, vier Weihnachtsfilme pro Jahr.
Die 17jährige Schülerin Anne (Sara Canning) ist recht beliebt und freut sich über die soeben erhaltene Zusage der anberaumten Uni. Am frühen Abend besorgt sie sich noch eine CD, doch mitten auf dem Parkplatz zwingt sie ein Kidnapper mit vorgehaltener Waffe in seinen Geländewagen. Zeugenaussagen bringen die Ermittler rasch auf die Spur des Entführers Toni (James Van Der Beek), doch dieser hat ungeahnte Pläne mit der jungen Frau…
Yates hat sich mit diesem Ausflug in vermeintlich düstere Gefilde wahrlich keinen Gefallen getan und wahrscheinlich ging er damit nur zähneknirschend einer Auftragsarbeit fürs Fernsehen nach. Eigentlich sollte so eine Entführung am hellichten Tag schockieren oder zumindest betroffen machen, doch derartige Effekte bleiben aus, lediglich die Besorgnis der Eltern ist nachvollziehbar. In einer Szene wuseln dutzende Beamte durchs Haus, während die verstörte Mutter, beinahe ein wenig orientierungslos durchs Haus geht, um schließlich bei ihrem Mann in der Garage zu landen, - eine der wenigen stillen Szenen, die eine gewisse Wirkung hervorrufen.
Denn ansonsten ist hier wenig mit Spannung oder Mitfiebern. Obgleich Anne wahlweise gefesselt ist oder an Ketten hängt, gibt es unzählige Möglichkeiten zur Flucht, welche die junge Frau ungenutzt lässt. Auf der anderen Seite offenbart Toni nach anfänglicher Unberechenbarkeit keine wirklich bedrohlichen Züge, schon gar nicht, als er sein banales Motiv offenbart. Und da sich Täter und Opfer fast gar nicht unterhalten, entwickeln sich kaum Charaktermerkmale, die Spannung aufkommen lassen.
Die Ermittlungsarbeiten der Polizei, später insbesondere des FBI entwickeln ebenfalls keine Dynamik. Teilweise ist überhaupt nicht nachvollziehbar, wie sie den Aufenthaltsort näher eingrenzen können, denn innerhalb von sechs Tagen Reise ist mit wechselnden Fahrzeugen recht viel möglich. Da bringen Annes äußerst vage Hinweise per Telefon recht wenig, zumal eine Rückverfolgung aufgrund der Kürze der Zeit nicht erfolgen kann. Entsprechend kommen einige Stationen arg konstruiert daher.
Auf darstellerischer Seite liefert Canning als Entführungsopfer gerade noch taugliches Mittelmaß, Van Der Beek fehlt neben der Ausstrahlung auch noch die Nachhaltigkeit seines Handels, so dass er einen kaum bedrohlich wirkenden Antagonisten verkörpert.
Auch der Score kann nicht zur Dramaturgie beitragen, da dieser rein gar nicht auffällt.
Am Ende verläuft alles in erahnbaren Bahnen und der Showdown fällt so unspektakulär und lahm aus, dass dies umso mehr dazu beiträgt, die Handlung bald schon wieder vergessen zu haben.
Man mag dem Entführungsopfer alles Gute wünschen, doch wenn sich die Tat seinerzeit so vergleichsweise harmlos zutrug wie hier geschildert, hätte man sich eine Verfilmung dessen sparen können.
3,5 von 10