Neugier kann großes Unheil anrichten. Das erfahren auch die Mitglieder einer archäologischen Unternehmung anno 1921 in Ägypten. Eine Warnung ignorierend erwecken sie die Mumie des Hohepriesters Imhotep wieder zum Leben, der sich auf die Suche nach seiner einstigen Geliebten macht.
Ein weiterer Klassiker des Gruselkinos aus den Universal Studios mit Boris Karloff in der Titelrolle. Dabei ist er auch die charismatischste Figur und kann mit seinen Auftritten für Atmosphäre sorgen. Seine finstere Art ist es letztlich auch, die den Film trägt, denn die restlichen Charaktere bleiben überwiegend uninteressant und erlangen kaum Profil. Dies und die unterentwickelte Dramaturgie bedingen eine gewisse Behäbigkeit des Klassikers. Denn die Geschichte selbst, das Erlangen der Schriftrolle und Imhoteps Sehnen nach seiner alten Flamme, wirken mitunter gestreckt.
Inszeniert von Karl Freund, der bei Tod Brownings "Dracula" (1931) noch hinter der Kamera stand, bietet "The Mummy" trotzdem ein paar Schauwerte. Hervorzuheben ist hier manches Setdesign, welches mit einer ansprechenden Licht-Schatten-Konstruktion einhergeht und das gelungene Make-Up von Jack Pierce. Die Ausleuchtung der Augen ist immer wieder schön schaurig und so kommt man auch hier wieder nicht um Karloff und dessen Rolle herum. Sein Bekanntheitsgrad war nach dem erfolgreichen "Frankenstein" (1931) gestiegen, was man allein schon an der Schrift auf den zeitgenössischen Filmplakaten erkennen kann.
Spannend auch das Detail, dass für den Rückblick gegen Ende mehr Material gedreht wurde, als letztlich im fertigen Film gelandet ist. Vieles davon gilt als verschollen, was schade ist, denn die Sequenz unterfüttert den Film emotional und sorgt für ein größeres Bild. Davon hätte ich gerne mehr gesehen.
Aber auch so ist "The Mummy" ein sehenswerter Klassiker, der zwar in meinen Augen nicht an die zeitlich nahe entstandenen "Dracula" und "Frankenstein" heranreicht, aber trotzdem über eine wohlige Gruselatmosphäre verfügt. Für Karloff-Fans obligatorisch, für den Rest bei Interesse immer noch einen Blick wert.