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Nach einer geschlagenen halben Stunde betritt man zum ersten Mal das obligate Lagerhaus. Zeit für die erste kriegerische Erschütterung, in der es ebenso um Kriterien, Zuordnung und Proportion geht; die unentbehrlich gewordenen Versprechen, in der das Muay Thai Actionkino als bloßer Stilbegriff auch halten muss, um sich als eigenständiges Werk aus der künstlerischen Masse der Totalität auszugliedern. Bis dahin ist alles nur Vorspiel. Kostproben in Form von kleineren Poser- oder auch Angebereien. Das Schinden von Zeit, in der zwar der Hintergrund der Geschichte soweit geklärt und die Figuren jeglicher Parteien eingeführt sind, das bisherige Interesse aber nur durch das Warten auf das Einlösen der als gesichert geltenden Arbeitsbegriffe aufrecht erhalten wurde.
In Sachen Drehbuch bisher und seit jeher auf niederen Wegen angesiedelt, die selbst beim Erreichen der nötigen Voraussetzungen für mehr und noch mehr kämpferische Auseinandersetzungen oft trotzdem nicht das richtige emotionale oder dramaturgische Motiv finden können oder umsetzen wollen, hebt sich auch dieser wörtlich amateuerhafte Versuch nicht von den thailändischen Kollegen ab. Als eine Schnapsidee unter Freunden initiiert und als inszenatorischer Gemischtwarenladen in insgesamt über 2 1/2 Jahre Schreib-, Dreh- und Wartezeit bis zum Release Mitte Mai 2009 realisiert, liegt der Schwerpunkt der Produktion auch nur auf der Ausdruckskunst physischer Aktivitäten. Ein besseres und vor allem auch aufwändigeres Showreel der Fähigkeiten ansonsten als Stuntman oder Kurz- und Kürzestdarsteller engagierter Leute, die von eigener Kraft aus in das Rampenlicht der Scheinwerfer geraten wollen.
In dem Feuer von Leidenschaft und Ehrgeiz für diese Arbeit ungehemmt und aus der Sicht der Novizen heraus geht es weniger darum, Inhalt und Form, Substanz und Funktion, sondern als Marketingteam in eigener Person nur die Martialistische Komponente in simpler Addition darzustellen. In der Theorie und Voraussetzung so ähnlich wie Broken Path, nur mit cleverer Distribution geadelt und als Komödie angelegt:
Die vier backpacker Dan [ Daniel O'Neill ], Mike [ Gwion Jacob Miles ], Conan [ Conan Stevens ] und John [ Raimond Huber ] bekommen es beim Durchlaufen des trudelnden Nachtlebens berauscht von der Metropole Bangkok schnell hin, nicht nur ihr gesamtes Geld zu verspielen, sondern auch 1 Million Baht Schulden bei einem skrupellosen Gauner zu machen. Gnädigerweise eine Woche Aufschub zur Beschaffung des außenstehenden Geldes bekommen, dafür aber auch mit Leib und Leben bedroht entscheidet sich die Gruppe nach den vorübergehenden Gehversuchen in Sachen ehrlicher und nicht ganz so ehrlicher Arbeit für die letzte Rettung; das Kidnapping samt Lösegeldforderung der Millionärstochter Irene [ Soapsternchen Praya Suandokmai ], deren vermögender Vater Harris [ Geoffrey Giuliano ] allerdings andere Pläne hat. Bald ist nicht nur die Polizei hinter den "Farangs" her, sondern auch die Bodyguards Lek [ Dom Hetrakul ] und Hans [ Lex de Groot ] und ihre Schlägerbande.
Ein Kritisieren nach allgemein anerkannten Regeln würde sich auf das unbedarfte Schauspiel beziehen, in der noch nicht einmal die Hauptdarsteller der Gott sei Dank sehr dünnen und nur kurz angeschnittenen Romanze halbwegs überzeugend oder der Bad Guy tatsächlich böse, sondern meist nur [mehr oder weniger absichtlich] lächerlich in ihrem Bemühen wirken. Sowieso darf man sich zwar an einer durchaus angenehm, gleichzeitig prallen und entsättigten Farbgebung erfreuen, leisten die Männer hinter der Kamera, allen voran das Director of Photography Team von Fireball, filmisch sichere Tendenzen als die Figuren vor ihr, gelingen so manche attraktive Aufnahmen der verlockenden thailändischen Örtlichkeiten, sowohl in den touristischen als auch den proletarischen Stätten. Selbst für ein aufpoliertes Reisevideo in Verlegenheit gesetzt sind allerdings die Anschlussfehler, der völlig gleichgültige Ton in fast allem außerhalb der Action, das weitläufige Beratschlagungen, welches einen interessanten Dialog ersetzt.
In der humoristischen Position wohl bewusst überschärft, wird sich zudem wie zu Zeiten des kantonesischen und neuerdings auch des französischen Kasperletheaters auch oft in den erstbesten Slapstick bzw. den absehbarsten Versuch dessen gestürzt. Mit Wohlwollen im besten Sinne ein eher albernes, weitere Aufmerksamkeit nicht verdienendes Strecken der Lauflänge, deren verständige Überlegung im Abzielen auf den inländischen Markt zwar eine weise Entscheidung ist, aber außerhalb der Landesgrenzen und gerade in westlichen Breiten eher zu Verdruss führen wird. Im schlimmsten Falle ein Missgriff an verkrampftem Barbar-Klamauk, bei dessen Anblick einem teilweise so sehr das Lachen vergeht, dass man sich bei der Drohung von Mehr das Auge rausreißen möchte.
In diesem eingeschränkten Sinn genommen, mit einem Finanzvolumen von US$ 500,000 als No Budget, unter mehrfachen Regiewechsel, rapide verkürzter Drehtage und zudem während der Wirren militärischer Putschversuche gegen das Thaksinregime und terroristischer Bombenanschläge gesetzt, ist es dennoch eine Freude zu sehen, wie man sich selbst im Vergleich zur weit besser gestellten Konkurrenz nationalistischer Art, von bspw. auch dem geschwollenen The Santuary, in steigender Entwicklung nach allen Seiten hin ausbreiten kann. Methodisch auf das Gleiche, nämlich die nachdrückliche Präsentation akrobatischer Aufführungen zielend, ist das Drängen und Nachvornestürmen der Akteure, allen voran Daniel O'Neill, hier in den entscheidendem Momenten und ihr Erkenntniswert wenigstens auch spür- und erlebbar; darf man sich an dort überraschend gekonnten, gern auch abwechslungsreichen, dies auch enthusiastisch feiernden und von Grund auf nachzuempfindenden Schnitt- und Bewegungsfolgen erfreuen. Schöneres in dieser Art herzhaft unverfälschter Bekenntnisse aufzuweisen hatte gleichjährig nur Ong Bak 2, nicht einmal Raging Phoenix, der vergleichsweise behäbig und im Toneffekt leise agierte.
Drei bis vier längere Akte werden geboten, zweimal die gewohnte indoor-Schlägerei um allerlei Gegenstände herum oder herunter und allseits bereitstehende Spanholzwände hindurch, wobei das handheld-Finale zwar so manche Gewalttätigkeiten wie Knochenbrüche einspeisen, leider aber im Gegensatz so einige spezielle Stunt-Aufnahmen aufgrund der plötzlich ungewohnten Nähe zu den Kombattanten untergehen oder gleich verpassen lässt. Auch die Tuk Tuk - Verfolgung zur gewohnt lärmigen Musikuntermalung ist unnütz herausgeworfenes Geld; wettgemacht durch eine weit eindrucksvollere parkourlastige Hetz- und Knüppeljagd durch die beengt verwinkelte Stadt und über ihre Dächer, geadelt zudem durch einen druckvollen Schlagabtausch mit Lokalprominenz Kazu Patrick Tang.