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"Der ausgetrampelte Pfad Gottes"

Wenn zwischen Sequel und Original 10 oder mehr Jahre vergehen, ist das selten ein gutes Omen. Das gilt auch für spät nachgeschobene dritte und vierte Aufgüsse. Meist hängen die Macher dem verhängnisvollen Irrglauben an, man müsse nur die einst bewährten Ingredienzien nahezu unverändert aufwärmen und schon stellt sich der derselbe Erfolg erneut ein. Vor allem bei Filmen die zu ihrer Zeit überraschend den Nerv des Publikums trafen, geht diese Rechnung so gut wie nie auf. Die dritten Ableger von Beverly Hills Cop oder Crocodile Dundee legen davon ein ebenso beredtes Zeugnis ab, wie die böse gestrandeten Fortsetzungen von Kulthits wie Die Klapperschlage oder Schnappt Shorty.

In letztere Kategorie passt auch der bleihaltige Sleeperhit Der blutige Pfad Gottes. Der damals völlig unbekannte Regisseur und Autor Troy Duffy landete mit einem cleveren Mix aus Tarantinos Gangsterkiste und Matrix-ähnlichen Shootouts Ende der 1990er Jahre einen Volltreffer bei hartgesottenen Actionfans. Die krude Story um zwei erzkatholische irische Selbstjustiz-Brüder klaute unverhohlen beim berühmtesten Ex-Videothekar Hollywoods und sorgte damit für dutzendweise bierselige DVD-Männerrunden.

Duffy verlor aufgrund des unerwarteten Erfolgs erst einmal vollständig die Bodenhaftung, vergraulte eine Armee von Produzenten und avancierte daraufhin zur klassischen Eintagsfliege. Nach zehn Jahren dürften selbst die eisernsten Fans die Hoffnung auf das ersehnte Sequel begraben haben. Umso größer dann die Ekstase unter den Duffy-Jüngern, als der Meister Der blutige Pfad Gottes II ankündigte.

Die MacManus Brüder (Sean Patrick Flanery und Norman Reedus) leben inzwischen mitsamt ihrem Vater (Billy Connolly) inkognito im beschaulichen Irland und hüten Schafe. Der Hallo Wach-Ruf erfolgt Passenderweise durch einen Geistlichen, der schlechte Kunde aus der alten Heimat bringt. In Boston wurde ein Priester im unverwechselbaren Stil der Killer-Brüder hingerichtet. Eine solche Provokation können und wollen die beiden natürlich nicht auf sich sitzen lassen und machen sich schnurstracks auf den Weg zur alten Wirkungsstätte. Vor Ort wartet neben Mafia und Polizei bereits auch die toughe FBI-Agentin Eunice Bloom (Julie Benz) auf die vermeintlichen Mordbuben. Aber die haben auch nach 10-jähriger Hirten-Klausur nichts verlernt und veranstalten in den Bostoner Straßen erneut ein blutiges Schützenfest ...

The Boondock Saints II: All Saints Day  geht auf Nummer Tresorsicher und kopiert eins zu eins die Erfolgsformel seines Vorgängers. Schwarzhumorige Dialoge, freakige Charaktere und ausgedehnte Shootouts prägen auch die Fortsetzung. Diesmal geht die simple Rechnung aber nur teilweise auf. Während die bibelfesten Ballerbrüder erneut gut harmonieren und auch in Sachen Coolness und Abgebrühtheit ganz die Alten sind, ist der übrige Cast entweder nervig oder farblos. Die Idee den beiden Rächern einen unvermittelnd heulenden mexikanischen Sidekick zu verpassen, darf man getrost als reichlich blöde werten. Julie Benz als wenig überzeugender Willem Dafoe-Ersatz nervt ebenfalls gehörig durch ihre überkandidelte, auf bemüht obercool getrimmte Ermittlerrolle. Das kriminelle Kanonefutter ist durch die Bank fade und austauschbar.
Auch die Gags zünden diesmal nur in größeren Intervallen. Vielleicht hat man diesen bewusst gegen den Strich gebürsteten Humor inzwischen einfach auch zu oft gesehen. Ähnliches gilt für das zentrale filmische Stilmittel. Die im Vorgänger noch frisch wirkende Variante, sämtliche Hinrichtungen und Morde zunächst nur als Resultat zu präsentieren um sie dann in Rückblenden durch Erklärungen der Polizei erst stattfinden zu lassen, entlockt dem Betrachter nur noch ein wohlwollendes „Ganz nett, aber kennen wir halt schon".
Fans der ersten Films dürften sich zumindest ordentlich über die Tatsache freuen, dass selbst Kleinstrollen aus dem Originalfilm wieder dabei sind. So gibt es ein Wiedersehen mit dem stotternden Barmann, mehreren Gesetzeshütern sowie dem lakonischen Waffenausrüster der beiden Titelhelden. Auch das überraschende Ende ist gelungen und lässt ordentlich Raum für die Realisierung einer Trilogie.

Sollten die MacManus-Brüder allerdings ein drittes Mal einen biblischen Rachefeldzug veranstalten, dann aber bitte mit etwas mehr Originalität und Mut zur Variation. Die angerührte Erfolgsformel ist inzwischen wirklich bis in letzte ausgereizt und reicht diesmal gerade noch zu ordentlicher Ballerunterhaltung. Kultig ist das Gebotene längst nicht mehr, dafür wurde einfach zu einfallslos kopiert. Die hard-Fans des ersten Teils werden dennoch nicht unzufrieden sein. Neue Publikumsschichten wird Duffy damit aber kaum erschließen können. Vielleicht sollte er sich in Anlehnung an seine Filmheroen mehr an der Bibel orientieren. Die Wege des Herrn sind bekanntermaßen unergründlich und  folgen keinesfalls ausschließlich ein und demselben Trampelpfad.

(5,5/10 Punkten)

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