Richtig harte Polizeithriller, die sich mit dem Polizistenalttag und der Korruption auseinandersetzen, sind relativ selten und auch „Dark Blue“ von Ron Shelton kann dem Untergenre nichts wirklich Substanzielles hinzufügen, was nicht Filme wie „Prince of the City“ oder „Serpico“ schon vor Jahrzehnten erledigt haben.
Ursprünglich von James Ellroy geskriptet und in den Rassenunruhen der 60er angesiedelt, wurde das Drehbuch schließlich auf das Jahr 1991 fixiert, zur Zeit des Rodney-King-Urteils und der nachfolgenden Krawalle in Los Angeles. Doch die Brisanz der Thematik kommt dennoch mindestens 10 Jahre zu spät, im übrigen wurde ein ähnliches Thema schon in dem futuristischen Copthriller „Strange Days“ abgearbeitet.
Bleibt also nur zu konstatieren, dass Shelton seine Sache ziemlich virtuos abwickelt, das Skript sich aber viel zu lange mit der Etablierung der Figuren aufhält.
Eine wie üblich glänzende Darstellung von Kurt Russell als halbkorruptem Cop mit eigenem Ehrenkodex und Privatinteressen hilft dem Film ungemein, wenn auch der Aufbau einfach nicht reizvoll genug ist, um die Zuschauer fast zwei Stunden bei Laune zu halten. Weit mehr als eine Stunde wird die Grundsituation aufgebaut, dass die Hauptfigur samt jungem Partner in ernsthafte Gewissenskonflikte kommt und auch das geschieht mehr oder weniger durch äußere Umstände – vorher legen die Cops sogar noch ein unschuldiges Alibi-Opfer um, damit der wahre Täter aus den eigenen Reihen weiter geschützt wird.
Die Rodney-King-Backgroundstory gibt nicht wirklich viel her, sondern wirkt nur als nachhallendes Echo und wenn Russells junger Partner Billy mitten im Film plötzlich aus dem Stand seinen Moralischen bekommt und auspackt, dann wirkt das kaum überzeugend, genauso wenig wie der übertriebene Auftritt der Hauptfigur bei seiner Beförderung zwar beeindruckend aber unrealistisch rüberkommt.
Daß diese Art von Scheinlegalität und Kungelei tatsächlich gang und gebe ist, dürfte inzwischen bekannt sein, hält aber das Interesse über weite Strecken aufrecht, dennoch gibt es nicht wahnwitzig Neues hier: eine kaputte Ehe, ein verachtender Sohn, ein aufrechter hochrangiger Polizist unter vielen korrupten, Rassenvorurteile, großmäulige Beamte unter sich usw.
Das Finale wirkt dann tatsächlich ein wenig apokalyptisch, wenn Russell vor der brennenden Stadt steht, aber auch hier deckt die vergangene Zeit jede Aktualität ab, die Situation ist sicherlich kaum besser geworden, aber der Bezug fehlt.
Als Korruptionsfilm sicherlich eine interessante Charakterstudie, aber letztendlich kaum mehr als ein Routinejob für die Nebenrollen, bei denen Russells Partner Scott Speedman besonders blass ausfällt.
Ein recht sauberer „dreckiger“ Film, der irgendwie in Ordnung ist und irgendwie schon längst sehr bejahrt. (6/10)