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"Na schön, dann probieren wir es eben mit roher Gewalt."

In der Nähe einer zu NERV gehörenden Basis bekämpft Mari Illustrious Makinami mit einem Evangelion-Prototypen den dritten Engel. Sie kann ihn zwar besiegen, der Evangelion wird bei einer Selbstzerstörung allerdings unbrauchbar.
Shinji Ikari ist in Japan immer noch Pilot der Evangelion Einheit 02, obwohl er mehrfach nichts mehr mit der Bekämpfung der Engel zu tun haben wollte. Als der siebte der immer zerstörerischer werdenden Engel erscheint, bekommt er allerdings Unterstützung von Asuka Langley Shikinami aus Europa. Das launische und offensive Mädchen soll mit Rei Ayanami und Shinji eine Einheit bilden und wird kurzerhand zu ihm und Misato Katsuragi einquartiert. Asuka will jedoch lieber eigenständig und unabhängig handeln, wodurch Meinungsverschiedenheiten vorprogrammiert sind.

"Evangelion: 2.22 You Can (Not) Advance" geht einen anderen Weg als der direkte, erweiterte Vorgängerfilm "Evangelion: 1.11 You Are (Not) Alone". Statt einer puren, zusammenfassenden Nacherzählung der Serie "Neon Genesis Evangelion" öffnet der zweite Film neue Handlungsstränge und erreicht damit eine neue Art der Interpretation.

In stark komprimierter Form fasst "Evangelion: 2.22 You Can (Not) Advance" die Ereignisse der Episoden 8 bis 19 zusammen. Durch diese hohe Anzahl an Folgen und der kaum vergleichbaren Laufzeit des Films wurde die einst sehr komplexe Handlung enorm gestrafft. Ganze Erzählstränge fehlen während neue den Film erheblicher von der Serie abweichen lassen. Wer die Serie nicht kennt, wird sich angesichts der nicht näher erläuterten Begebenheiten und Angriffe etwas schwer tun, dem Verlauf der Geschichte zu folgen.
Auch die einst so vielen vielschichtigen Charaktere fallen dem Laufzeit-Dilemma zum Opfer. Während die einen zu Randerscheinungen werden, erhalten die Protagonisten eine etwas zu oberflächliche Charakterisierung. Die Folge ist ein spürbarer Einbruch der Spannungskurve im mittleren Teil des Films.

Dafür fallen die Actionsequenzen Dank der vielen optischen Neuerungen erneut bombastisch aus. Noch zahlreicher und inszenatorisch wuchtiger als der erste Film, präsentiert "Evangelion: 2.22 You Can (Not) Advance" das aufeinanderprallen von Evangelions und Engeln. Detailreich sind die Hintergründe und die organisch eingefügten digitalen Effekte.

Nicht ganz so gelungen ist jedoch das offene Ende. Da hat der erste Film trotz unaufgelöster Fragen einen runderen Eindruck hinterlassen. Ohnehin will "Evangelion: 2.22 You Can (Not) Advance" die Geheimnisse der Verhältnisse seiner Figuren und der Konstellation der verschiedenen Fraktionen noch nicht offenbaren. Damit hat sich die Serie bekanntlich auch recht viel Zeit gelassen.

Die neuen Handlungsfäden geben der vierteilig geplanten "Evangelion"-Filmreihe nun eine eigenständige Daseinsberechtigung. Die komplexe Handlung der Serie spiegelt sich zwar durch die kürzere Laufzeit immer noch nicht wieder und auch die Figurenzeichnungen wirken oberflächlicher, jedoch ist die optische Modernisierung brilliant. Gerade dann, wenn die Actionszenen in ihrer gesamten brachialen Wucht das Bild einnehmen.

8 / 10

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