Zwei Jahre nach dem Neustart in Filmform geht es mit Teil zwei weiter. Dabei sind hier die Abweichungen zur Serie nicht mehr zu übersehen, so man diese kennt. Zwar wurden einige Ereignisse übernommen, doch werden diese geändert in Ablauf und Besetzung und es wird auch eine neue Figur eingeführt. Schöpfer Hideaki Anno entfernt sich von der früheren Geschichte und geht einen neuen Weg. Ich sehe es als gern genommene Erweiterung oder Interpretation der Geschichte, die die Serie dadurch keinen Deut schlechter oder besser macht. Es ist eben eine andere Version.
Und manches bleibt ja auch gleich, besieht man sich die Figuren. Shinji ist immer noch eine passive und im Grunde egoistische Person, interessiert sich nicht sonderlich für seine Umwelt und möchte im Gegenzug von dieser, insbesondere von seinem Vater, Anerkennung. Allerdings bekommt er hier nicht so viel Gelegenheit, seine Psychosen auszuleben. Das gilt für alle Figuren, was deren Seelenleben nicht weniger greifbar macht. Die Inszenierung zwingt all dies nur in eine fokussierte Form. Und trotz seiner bekannten Eigenschaften hat Anno Shinji hier sogar noch Veränderung zugestanden. Er lächelt sogar ab und an. Kaum zu glauben.
Weiterhin hat Asuka hier ihren ersten Auftritt, aggro und arrogant wie eh und je. Trotzdem ist sie hier etwas leichter zu mögen, als in der Serienform. Wracks sind sie immer noch alle. Eine neue Figur in Form von Mari Illustrious Makinami wurde integriert und auch wenn sie nicht gerade viel Hintergrund bekommt, habe ich sie als gelungen wahrgenommen. Auch Kaworu bekommt wieder etwas Zeit, bleibt aber eine Randfigur.
Wie der Vorgänger ist der zweite Film temporeich inszeniert und mitunter actionorientierter als die Serie. Darunter leidet aufgrund der begrenzteren Zeit die Figurenzeichnung; da ist es wieder hilfreich, die Serie zu kennen, um dies für sich aufzufüllen. Allerdings spricht er insgesamt mehr aus, gerade was das Verhältnis der Figuren untereinander betrifft. Anno lässt hier weniger im Unklaren und macht die Konstruktion damit einerseits leichter konsumierbar. Andererseits reduziert er dadurch aber auch den mysteriösen Faktor, der in der Serie über allem schwebte. Licht und Schatten, in Filmform allerdings eine nachvollziehbare inszenatorische Entscheidung.
Vereinzelt bringt Anno sogar etwas Humor unter, was ok ist, aber auch etwas gewöhnungsbedürftig. Letzteres trifft auch auf die Sexualisierung der weiblichen Charaktere, die fragwürdig bleibt, da sie irrelevant scheint.
Neue Figuren, andere Schwerpunkte, veränderte Inhalte, von der Konstruktion her filmischer als die Serie. Optisch überaus gelungen und flott inszeniert, setzt Anno die Neuinterpretation von "Evangelion" in gelungener Weise fort.