Walter Hill (Last Man Standing, Red Heat, Nur 48 Stunden, Ausgelöscht uvm.) hat schon immer etwas von gutem Actionkino verstanden. Leider wird hier die Kategorie "Action" etwas zu klein geschrieben, was in vorhergegangenen Filmen wie "Red Heat" oder "Ausgelöscht" wahrscheinlich gar nicht funktioniert hätte. In "Trespass" ist das aber anders, denn dieser Film kommt mit wenigen gut inszenierten Actionszenen aus und verlegt den Großteil des Gewichts auf die Handlung.
Die Feuerwehrmänner Vince und Don gelangen zufällig an ein Dokument, das sie zu gestohlenem Gold in einer alten Fabrik führt. Doch genau an diesem Tag ist Drogendealer King James mit seiner Bande dort, um jemanden zu exekutieren. Vince und Don beobachten den Mord und geraten damit in die Schusslinie der Kriminellen. In dem Gebäude beginnt ein Katz- und Maus-Spiel um Leben und Tod.
Wirklich Neues bietet diese Handlung nicht, hat man sie doch schon in etlichen ähnlich aufgebauten "Gangster"-filmen gesehen. Allerdings hat Walter Hill eben nicht versucht, die Handlung in einem reinen, sinnlosen Feuergefecht enden zu lassen. Stattdessen beschränkt er sich auf den einen Ort des Geschehens und die Vorgehensweise der Gangster, die für die in der Falle sitzenden Feuerwehrmänner, samt dem Obdachlosen, immer mehr zu einem verzweifelten Überlebenskampf wird. Man kann sich nur zu gut in die Lage der beiden "Schatzsucher" versetzen und quasi fühlen, wie es den Beiden gehen muss - eine schier ausweglose Situation!
Letztendlich entwickelt sich die ganze Geschichte sogar so weit, dass sich die Mitglieder der Gang gegenseitig bekämpfen, nur um in den Besitz der wertvollen Goldantiquitäten zu gelangen. Eigentlich eine logische Schlussfolgerung, denn es geht schließlich immer nur um Geld und Macht!
Ungereimtheiten bleiben natürlich nicht aus. In einigen Situationen sollte man lieber nicht nach Sinn oder Unsinn einer bestimmten Handlungsweise fragen: Wieso kommen die Gangster nicht auf die Idee, den Raum, in dem sich die beiden Zeugen verschanzen, zu stürmen? Ich denke nicht, dass einer von beiden den Mumm gehabt hätte, den Bruder von King James (Ice-T) umzulegen. So oder so hätten sie sich anschließend ihr eigenes Grab schaufeln können. Das ist aber nur ein Beispiel!
Nichtsdestotrotz ist "Trespass" ein kleiner, solider Actionthriller, der den Großteil des Gewichts auf die Handlung und ihre Charaktere verlagert. So schafft er es fast 90 Minuten lang ohne viele Actionszenen (es hätten aber doch ein paar mehr sein dürfen) auszukommen - und das Beste daran ist - er wirkt trotzdem nie langatmig!
7/10