Review

Jess Francos Genrebeiträge „Die blonde Göttin der Kannibalen“ und „Nackt unter Wilden“ markieren den Tiefpunkt des Kannibalenfilms, ein Genre das zwar wenige Höhepunkte hatte aber bis heute seine Anhänger hat. Zusammen mit der indonesischen Produktion „Primitif“ sind Francos Beiträge der absolute Bodensatz des Genres und selbst die richtigen Fans dürften sich hier sie meiste Zeit langweilen.

Lina Romay ist diesmal nur in einer Nebenrolle zu sehen, eine hölzerne Leistung als Hauptakteur leistet Kultstar Al Cliver, retten kann dies den Film aber genau so wenig wie die unbedeutende kurze Rolle von Jess Franco selbst. Wenn man nicht mit dem schier unglaublich hohem Trashfaktor zurecht kommt kann man „Sexo Canibal“ gar nichts abgewinnen, denn der unfreiwillige Humor ist noch der einzige Grund sich dieses Werk anzutun.

Vor allem die Kannibalen selbst sind so unfassbar lächerlich dargestellt das es schon weh tut, das schlimmste ist das Franco den Eingeborenen eine ganze Menge Text in den Mund legt – wirklich krass wie sehr der Regisseur diesen Quatsch auch noch ernst nimmt . Wenn dann die Tanzrituale beginnen muss man spätestens aufgeben von diesem Werk noch irgendetwas zu erwarten, sei es Erotik, Gewalt oder Unterhaltung. Auf der Erotik liegt hierbei auf jeden Fall am meisten Gewicht, es gibt aber nicht eine einzige schöne Einstellung zu sehen. Überhaupt wirken die verwackelte Kamera und der plumpe Schnitt so dilettantisch auf den Zuschauer wie ein Amateurfilm, also selbst der Funfaktor hält sich in Grenzen und wenn nicht grade latenter Rassismus mit unglaublicher Darstellungsweise einhergeht (betrifft alle Szenen mit den Kannibalen).

Das Schlimmste ist das völlige Fehlen schockierender Gewalt, wobei man den Verzicht auf Tier-Snuff noch als kleinen Pluspunkt zählen kann; der Gewaltfaktor ist trotzdem erschreckend niedrig, die spärlich eingesetzten Make-Up Effekte dürften locker zu den schlechtesten aller Zeiten gezählt werden. Doch die Krönung sind die komplett dunklen und eintönigen Fress-Sequenzen in denen man nur ein fast schwarzes Bild sieht, alles in Zeitlupe gezeigt und unterlegt mit Ekel erregenden Schmatzgeräuschen.

Fazit: Überflüssiger Müll den nur der unfreiwillige Humor und der tatsächlich noch schlechtere vierte Teil vor dem Punkteminimum retten.

1,5 / 10


Was mir bei der Darstellungsweise der Eingeborenen aufgefallen ist: Die ungefähr zeitgleich entstandene Spencer/Hill – Klamotte „Zwei Asse trumpfen auf“ stellt die Einheimischen auf ähnlich bedenkliche Weise dar. Der himmelweite Unterschied ist das Jess Franco seinen Schund tatsächlich noch ernst nimmt…

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