Jess Franco führt Regie bei einem Kannibalenfilm. Das heisst auch als Horror- und Trashfan tapfer sein, besonders wenn man Jungfrau unter Kannibalen schon kennt.
Und es dauert keine fünf Minuten, bis sich die schlimmsten Befürchtungen bestätigen. Proffesor Taylor (Al Cliver) schippert mit Ehefrau und Töchtern zwecks einer Expedition vor der Küste Malawis. Mysteriöse Schreie aus dem Dschungel am Ufer lassen nichts Gutes erahnen und promt kapern auch schon ein paar Kannibalen das Boot. Mit Bambusrohren als Schnorchel kommen sie zum Schiff getaucht (Hahahah!!!), klettern über die Rehling und siehe da: Haare trocken, Ledenschurz trocken, frische Schminke im Gesicht! So sieht das aus, wenn Jess Franco die Regie bei einem Kannibalenfilm hat.
Mama wird dann ohne zu zögern noch an Bort im Super-Close-Up in Super-Slow-Mo verspeisst und Töchtern samt Daddy ins Lager der Menschenfresser verschleppt. Da der Häuptling in der Kleinen die Wiedergeburt einer "Weißen Göttin" erkennt, wird sie flugs zur selbigen erklärt. Papi wird dagegen der Arm abgehackt, aber er kann schwer verletzt noch gerade so dem Kochtopf entkommen. Wieder in Amerika will natürlich keiner die Geschichte von Kannibalen glauben und so muss sich der Gute erst einmal alleine in Richtung Dschungel aufmachen, um das Töchterchen zu befreien. Vor Ort findet Taylor dann aber doch noch ein paar Schwachmaten die sich an der Rettungsaktion beteiligen wollen. Dumm nur, dass seit dem Zwischenfall auf dem Boot ein paar Jährchen vergangenen sind und die Kleine inzwischen zu einer jungen Frau herangewachsen ist, die ihren "Göttinnenstatus" in vollen Zügen genießt und eigentlich gar keine Lust hat mit Papa abzuhauen...
Das ist mal wieder Jess Franco Pur was einem hier vorgesetzt wird. Vollschrott Deluxe. Und zwar richtig. Eine Geschichte die kaum dümmer sein konnte, talentfreie Nullmimen und eine Inszenierung zum davonlaufen. Die Kannibalen mit ihrer lächerlich bunten Schminke im Gesicht sind der Oberheuler. Weniger nach afrikanischen Eingeborenen würden sie nur aussehen, wenn man statt Europäern ein paar Chinesen bunt angemalt hätte. Dazu die Granatenidee, dass die unzivilisierten Wilden perfekt die Sprache der zivilisierten Weißen sprechen können. So verhindert man wirklich auch noch den letzten Anflug von "bedrohlicher" Atmosphäre.
Da reißen auch die extrem in die Länge gezogenen Fressgelage nichts mehr raus. Die sind nämlich ähnlich mies geraten und zudem nicht sonderlich zahlreich. Das Super-Close-Up auf die Münder der Kannibalen spart zwar sicher Geld, weil man nie in die Verlegenheit kommt eine ganze Leiche zeigen zu müssen, ist auf Dauer aber ziemlich ermüdent, weil man eben eigentlich nichts sieht und das Ganze zusätzlich noch in Zeitlupe bis zum Exzess ausgewalzt wird. Viel Blut oder Eingeweide bekommt man dabei auch nicht zu Gesicht und so ist der ganze Scheiß dann sogar für die Splatterfraktion eher uninteressant.
Besonders dilletantisch ist auch der Schnitt. Des Öfteren passen die Szenen einfach nicht so recht aneinander. Taylor rennt mit der Gruppe durch den Dschungel. Schnitt. Taylor steht plötzlich alleine im Wasser und findet eine Leiche. Schnitt. Taylor rennt wieder mit der Gruppe durch den Dschugel und die Leiche wird mit keinem Wort erwähnt.
Die Unzulänglichkeiten könnte man ohne Ende fortsetzen, aber ich denke jeder kann sich spätestens jetzt ein Bild von dieser Supergurke machen.
Nach Jungfrau unter Kannibalen liefert Franco also wieder Bodensatz im Menschanfresser-Genre. Wegen der Unfähigkeit aller Beteiligten und der geringen Laufzeit aber noch gerade so zu ertragen. Jetzt freu ich mich schon richtig auf Nackt unter Wilden. (2,5/10)