Review

Jeremy ist auf dem Weg in den Dschungel, als er und seine Familie Opfer eines Kannibalenangriffs werden. Die Rohlinge betreten das Boot der Touristen, verspeisen die Frau, kidnappen das Kind und hacken dem konsternierten Forscher den Arm ab. Er entkommt und macht sich später auf den Weg zurück, um seine Tochter zu suchen. Diese wird mittlerweile als Göttin verehrt und lebt mit den Kannibalen zusammen.

Jess Franco ist nicht unbedingt ein Garant für Filmunterhaltung, die man im klassischen Sinne als gut beschreiben könnte. Die meisten kennen den Spanier wohl aufgrund seiner Sexploitationkracher, andere erinnern sich vielleicht an etwas publikumswirksamere Filme wie „Justine“ oder „Jack the Ripper“. Mit „Mondo Cannibale 3 – die blonde Göttin der Kannibalen“ leistet der sympathische Schmutzfink seinen Beitrag zum Kannibalengenre und das gar nicht mal so gut.

Alles sieht sehr nach Jess Franco aus. Die Handlung ist eher oberflächlich, aber auch nicht zu verwirrend oder zäh. Letztendlich geht es ganz gut voran (schneller als in „Jungfrau unter Kannibalen“). Die Figur des armlosen Abenteurers kann zumindest ein wenig Sympathie für sich gewinnen und ansonsten ist die Grundidee gar nicht mal so katastrophal. Die Sets sind wie gewohnt nach dem quick and dirty Prinzip erstellt worden, wobei man hier aber durchaus Schlimmeres gesehen hat. Die Plastiktotenköpfe hätte man sich aber sparen müssen...

Die Kannibalen selbst sind ein ziemlicher Reinfall, was auf mehreren Gründen beruht. Der offensichtlichste ist ganz klar, dass sie von europäischen Darstellern verkörpert werden und somit weißer sind als viele der Italiener aus vergleichbaren Filmen. Stellenweise funktioniert das Makeup ganz gut, aber die Darstellung ist weder sonderlich bedrohlich noch glaubwürdig. Das Dorf selbst ist relativ solide gestaltet worden, kann aber trotzdem nicht für ausreichendes Kannibalenfeeling sorgen. Da sind Lenzi und Deodato dem guten Franco leider mehr als nur eine Nasenlänge voraus.

Unverständlich (oder gar unverzeihlich) sind die fehlenden Splattereffekte. Fressszenen gibt es theoretisch zu Genüge, aber die Inszenierung ist maximal ineffektiv. Es gibt quasi nur derbste Nahaufnahmen, die kauende Münder oder Organe zeigen. Das mag vielleicht eindrucksvoll klingen, ist es aber nicht, da man quasi keinerlei Trickkunst vorgeführt bekommt. Ebenso wurde ein seltsamer Slow Motion Effekt in diesen Szenen eingesetzt, was eigentlich nur befremdlich wirkt. Ob Jess Franco avantgardistische Tendenzen erkunden wollten, bleibt natürlich fraglich, aber so oder funktioniert das einfach nicht.

Fazit: „Die blonde Göttin der Kannibalen“ ist kein totaler Ausfall, aber auch alles andere als gelungen. Der Film ist zahm, ereignislos und versucht die absolute Abwesenheit funktionaler Special FX mit seltsamen Bildbearbeitungseffekten zu kaschieren. Das Ergebnis lädt eher zum Gähnen ein. Wegen eines gewissen Charmes und einiger ganz okayner Abenteuerszenen gibt es ein paar Punkte, mehr aber nicht. 






Details
Ähnliche Filme