Völlig unbekannt ist dieser Independent-Film über ein Klavier-Genie namens "1900" (Tim Roth). Eigentlich spielt der ganze Film nur auf einem Schiff, auf dem 1900 am ersten Tag des 20. Jahrhunderts von einem Schiffsreiniger gefunden wird. Daher trägt das Kind den Namen 1900. Früh ist klar, dass in ihm ein absolutes Piano-As steckt und er verzückt die Schiffsreisenden immer wieder mit wunderbaren Stücken. Das Schiff zu verlassen, ist allerdings für 1900 ausgeschlossen, er liebt es, auf hoher See zu leben. So vergehen Jahre, irgendwie bekommen Musikproduzenten an Land von dem Musik-Genie Wind und wollen mit ihm eine Platte aufnehmen. Dabei sieht er durch ein Schiffsfenster eine Frau, von der er sehr angetan ist und er zögert erstmal, das Schiff vielleicht doch zu verlassen, doch er bleibt seinem Vorhaben treu und verlässt es nicht. Irgendwann wird das Schiff stillgelegt und es soll dann auch in die Luft gesprengt werden. Ein Kumpel von 1900, der den Pianisten einmal auf einer Schiffsreise kennengelernt hat und der über das Vorhaben Bescheid weiß, bekommt mit, dass das Schiff gesprengt werden soll. Dieser geht ein letztes mal auf das Schiff, um den merkwürdigen Individualisten dazu zu bewegen, mit an Land zu kommen...
Über einen Klassenkameraden wurde ich auf diesen Film aufmerksam und als ich ihn dann auf Premiere zum ersten Mal sah, fühlte ich mich sofort in seinen Bann gezogen. Besser konnte man einen Film über einen Eigenbrötler und Individualisten nicht machen, er hat einfach seine eigene Vorstellung vom Leben und will, selbst im Gedanken an den Verlust seines Lebens, das Schiff nicht verlassen. Er ist da geboren, hat schöne Zeiten darauf verbracht und da groß geworden, für ihn wär es genauso schlimm, an Land zu gehen, als für einen anderen, den Rest seines Lebens auf einem Schiff zu verbringen. Er ist nichts anderes gewohnt und somit auch seine Entscheidung...
Tim Roth, einer der wohl besten gegenwärtigen und jungen Schauspieler, spielt den Ozeanpianisten einfach genial. Dass ihm solche Rollen als Individualisten liegen, hat man schon an "Unter Brüdern" gesehen...Die Musik ist hervorragend, vor allem das Lied im Abspann, gesungen von Roger Waters. "Die Legende vom Ozeanpianisten" ist einer der traurigsten Filme, die ich kenne, einfach sympathisch und ehrlich. Jeder Fan von Independent- oder melancholischen Filmen sollte sich dieses Meisterwerk nicht entgehen lassen. Einfach fantastisch!