Review

Wieder gibt sich ein Regiedebütant die Ehre und probiert es mit einem Zombiestreifen.
Etwas anders fällt er jedoch schon aus, denn anstatt ausschließlich auf altbewährte Zutaten zu setzen, gibt sich Regisseur Kevin Hamedani betont politisch unkorrekt und packt mit einem Rundumschlag brisante Themen wie Rassismus, Homosexualität, religiösen Fanatismus und Terrorismus an.

Angesiedelt ist die Geschichte in Port Gamble, einer kleinen Inselstadt im Staate Washington.
Diverse Figuren versuchen einer Zombieplage Herr zu werden…

Das Grundgerüst ist wie immer dünn, doch bereits mit den Opening Credits wird klar, worauf die geballte Sozialkritik abzielen wird: Ein schmierig grinsender Bürgermeister auf Stimmenfang, ein Reverend in einer halbleeren Kirche während ein alter Zausel auf seinem Handy tippt, geleckte Gärten und überall hängt die Nationalflagge und mittendrin Frida (Janette Armand), deren iranischer Vater ein Restaurant führt und die sich hin und her gerissen fühlt zwischen dem ganz normalen Alltagsleben in Amerika und ihren kulturellen Wurzeln.
Nicht zu vergessen in dem Gewimmel überspitzt dargestellter Figuren sind die Schwulen Tom und Lance, die soeben zu Toms Mutter wollen, damit der endlich sein Coming Out hat.

So richtige Lacher bekommt der Streifen zwar zu keiner Zeit hin, doch die Verballhornung amerikanischen Spießbürgertums führt phasenweise zu einem Dauerschmunzeln.
Die parallel ablaufenden Handlungsstränge sind dramaturgisch geschickt aufgebaut, denn nach und nach wird jede Figurenkonstellation mit dem Ausbruch des Zombievirus konfrontiert: Frida beim Stelldichein mit ihrem Freund im Auto, die Homosexuellen bei der furchtbaren Mutter, die im treffenden Moment zum Zombie mutiert und natürlich die Kirche als Fluchtlokalität, in der der Reverend aufgrund von Recherchen bei Wikipedia zu dem Entschluss kommt, dass Jesus der größte Zombie auf Erden war und alle draußen ihre gerechte Strafe als Sünder erhalten (noch weiß er ja nichts von den sexuellen Neigungen von Tom und Lance…).

Zwischenzeitlich wird Frida noch für eine Terroristin gehalten, womit die Medienkritik in Form eindimensionaler Berichterstattung im Fernsehen auch untergebracht ist.
Indes geht der Splatterfaktor in Ordnung, obgleich die reine Zombieaction ein wenig zu kurz kommt. Von einigen abgetrennten Gliedmaßen und offenen Körpern, gibt es angedeutete Fressszenen, einen heraus geploppten Augapfel, diverse Kopfschüsse und einen Hammer im Schädel. Die Qualität der Effekte ist für das sichtlich geringe Budget solide, gleiches gilt für die Maske der Infizierten, welche sich klassisch schleppend und mit langem Stöhnen durch die Gegend bewegen.

Was man dem Verlauf ankreiden muss, ist seine Geschwätzigkeit, da nicht alle Dialoge pointiert sind und der humorige Unterton ab und an einer zu ernsten Gangart weicht.
Aufgrund der häufigen Schauplatzwechsel fällt das zwar nicht allzu sehr ins Gewicht, doch wie erwähnt, wäre etwas mehr Action und Konfrontation wünschenswert gewesen.
Darstellerisch gibt es keine Totalausfälle, Debütantin Janette Armand ist eine Hübsche, die sich mit ihrer Hauptrolle durchaus für weitere Projekte empfiehlt.

Somit ist die Geschichte weniger auf Spannung und Atmosphäre ausgerichtet, sondern fokussiert sich stark auf Sozialkritik in jeglicher Form, was für eingefleischte Zombiefans eventuell ein wenig abschreckend wirken dürfte.
Demgegenüber haben wir genügend seriös aufgezogene Beiträge, auf die der Streifen mit einer Einblendung (29 weeks later) teilweise zu Recht verweist.
Nicht die Klasse wie „Shaun of the Dead“ oder „Doghouse“, aber kurzweilig genug, um Genrefans der Zombiekomödie entgegen zu kommen, die durchaus einen Blick riskieren sollten.
6,5 von 10

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