Nicht alles was Jack Ketchum zu Papier bringt, ist eine Offenbahrung, vor allem nicht, wenn er sich als Drehbuchautor versucht und scheinbar voraussetzt, seine Werke gelesen zu haben.
Denn vor „Beutegier“ gab es „Beutezeit“, welches nicht verfilmt wurde, im Grunde aber notwendig ist, um Details dieses Streifens zu verstehen.
Aber auch ohne jegliche Vorkenntnisse bietet die Prämisse nichts weiter, als Stoff über eine Kannibalensippe, die in einer Höhle haust und sich Neugeborene beschafft.
Bereits vor elf Jahren gab es im kleinen Örtchen Dead River ähnliche Vorgänge, damals war Sheriff George Peters im Einsatz, der mittlerweile im Ruhestand lebt, von der hiesigen Polizei jedoch erneut als Experte hinzugezogen wird.
Nach dem Fund zerstückelter Leichen und einem vermissten Baby stehen nun Amy und ihr Neugeborenes im Fadenkreuz der Kannibalen, welche auch die Jagd auf die befreundete Claire und ihren achtjährigen Sohn Luke eröffnen…
Diverse Einblendungen von Zeitungsberichten müssen während der Einleitung zusammenfassend erläutern, dass die Kannibalen offenbar bereits seit Jahrhunderten existieren, da immer wieder Menschen ermordet aufgefunden werden, andere gelten als vermisst. Die Erzählung macht auch kein großes Geheimnis um die Bedrohung, denn bereits nach kurzer Zeit sieht man zwei Kinder in Höhlenkleidung durch den Wald laufen.
Da sich das Geschehen lediglich in einer Nacht abspielt, lässt man den Figuren leider kaum Freiraum zur Entfaltung. Zwar versteht man rasch die Rangordnung bei den Wilden und kann Rituale von Selbstläuterung sowie Bestrafung nachvollziehen, dafür mangelt es den Sympathieträgern an Charaktertiefe, zumal ein familiäres Drama um Claire und ihren gewalttätigen Ex eingebunden wird, welches viel zu oberflächlich gestreift wird, - da beide im Verlauf noch aufeinander treffen werden, was im Zuge dessen einige nicht nachvollziehbare Verhaltensweisen an den Tag legt.
Auch ein Manko des unterentwickelten Drehbuchs.
Ansonsten kann die bedrückende Stimmung durchaus punkten. Die minimale Ausstattung erweist sich sogar als Pluspunkt, da man auf spärliche Musikuntermalung setzt, den Kannibalen eine Fantasiesprache zuweist und sich ein Großteil der Handlung in einer spärlich ausgeleuchteten Höhle abspielt, in der es auf moralischer Ebene zu einigen deftigen Szenen kommt, ohne dass etwas explizit ins Bild gerückt wird.
Für Anhänger herber Gewaltausbrüche bietet der Streifen eher wenig, da zwar häufig das Jagdmesser im Einsatz ist und auch einige Male sein menschliches Ziel erreicht, doch dadurch, dass Kinder auf beiden Seiten involviert sind, gewinnt der Stoff seine eigentliche Härte, die sich eher im Kopf des Zuschauers abspielt.
Gemessen an Ketchums „Evil“ bleibt dies jedoch eine kaum mitreißende Angelegenheit und verglichen mit ähnlichen Genrevertretern über Kannibalen innerhalb der Zivilisation hat man seit dem Kettensägenmassaker auch schon Innovativeres erlebt.
Es ist ein leidlich spannender Streifen, der trotz kurzer Laufzeit von 73 Minuten erst zur Hälfte ein wenig Fahrt aufnimmt, im Verlauf aber zu wenig in Beschlag nimmt und die Bedrohung durch die Kannibalen, sowie deren Hintergründe weitgehend zurückhält, beziehungsweise, nicht voll ausspielt.
Darstellerisch in Ordnung, inszenatorisch eher unauffällig bietet „Beutegier“ einen soliden Beitrag, der unabhängig vom bekannten Autor kaum einen bleibenden Eindruck hinterlässt.
5,5 von 10