Review

Wie entsteht ein Spektrum?

Mit solchen Fragen muss sich Ober-Primaner Benno (Wolfgang Jansen) rumschlagen. Eigentlich beherrscht er seine Leistungsfächer auch wirklich gut. Nur wenn es hart auf hart in den Klausuren drauf ankommt, bekommt Benno ein Blackout und versagt auf ganzer Linie.
Bei dem Besuch seiner Mutter und dem älteren Bruder Dr. Fritz (Peter Alexander) berichtet er, dass er die Abitur-Prüfung zum zweiten Mal vergeigt hat. Benno kommt auf die Idee, dass Fritz bei seinen Prüfungen für ihn einspringen soll, da er die ja im FF beherrscht, nur seine Prüfungs-Angst-Psychose ihn nicht bestehen lassen will. Anfangs skeptisch betrachtend geht Fritz nach der heiligen Erscheinung des toten Vaters im Öl-Gemälde (netter "Special-Effekt" der 60er) auf den Deal seines Bruders ein.
Dr.Fritz alias Benno wechselt die Schule und gibt sein bestes, damit sein kleiner Bruder das Abitur so schnell wie möglich in der Tasche hat. Doch wird es ihm auch gelingen? Zu allem übel ist dort sein Klassenlehrer Dr. Berthold (Gunther Philipp) ein ehemaliger Klassenkollege des eigentlichen Dr. Fritz...

"Der Musterknabe" ist eine gelungene Persiflage der "Feuerzangenbowle" und ein Film im typischen Peter Alexander-Stil. Solange Peter Alexander Dr. Fritz mimt, spielt er sich selbst. Die Charakterwandlung als Benno ist amüsant, und manchmal überkommt einen das Gefühl, dass vorallem Otto Waalkes (aufpassen!) diesen Film mehrmals studiert hat. Öfters kommt sein typischer Humor, sein Verhalten zum Vorschein. Sehr köstlich auch die Szene, in der Peter Alexander am Mikro den Direktor nachäfft.

Dieses Lustspiel erinnert ganz stark an "Die Pauker"-Reihe und wird auch dafür ein light-Vorbild gewesen sein. Theo Lingen spielt hier erstmals den Schul-Direktor (Dr. Liebreich), und zwar ganz genauso liebevoll, wie wir ihn aus den "Pauker"-Filmen kennen. Auch in manchen anderen Bereichen wird "Der Musterknabe" als Vorbild gedient haben. Ärgster Widersacher, der dem Schwindel auf die Schliche kommen könnte, ist Dr. Fritz´s ehemaliger Kollege Dr. Berthold, doch selbst der wird sympathisch, erzieherisch humorvoll und später auch Klappsmühlenreif gespielt. Fast alle Respektpersonen (Lehrer) werden als ernst aber trotzdem tollpattschig dargestellt.
Viele Streiche hier und da, es fehlt eigentlich nur noch Pepe Nietnagel.
Die Doppelgänger-Rolle unterscheidet sich einzig und allein von den Paukern-Filmen, und die Tatsache, dass Dr.Fritz alias Benno humorvoll und streberisch in der Schulstunde agiert, und eher das streberische bei seinen Klassenkameraden hängenbleibt, was aber sehr milde ausgespielt wird und im späteren Verlauf absolut keine Bedeutung mehr hat. Seine anfängliche Rivalin Rene (Schlagerstar Cornelia Frobes) kommt ihm auch immer näher. Die darf zwar ein Lied im Laufe des Filmes trällern, hat jedoch in ihren Szenen meistens eine unglaubliche Ausstrahlung. Sehr schön.
Und wo wir gerade bei den Liedern sind, Peter Alexander gibt auch 3 Anekdoten zum besten. Das animierte mich selbstverständlich zum Vorspulen, da ich als bluttrinkender Slipknot-Anhänger rein gar nix damit anfangen kann.
Ein weiterer schwerer Fehler liegt in der eigentlichen Doppelgänger-Rolle, zumindest im Aussehen des Charakters selbst. Für einen Primaner sieht Peter Alexander in der Verkleidung 15 Jahre zu alt aus, es sei denn er hat zu viel Kleber geschnüffelt und ist jedes gefühlte zweite Jahr sitzengeblieben. Als Dr. Fritz sieht er zu frisch und geliftet gut aus, um ein ehemaliger Kollege von Dr. Berthold zu sein. Aber diese beiden Tatsachen machen diesem Film-Spaß nix aus.

FAZIT:

"Der Musterknabe" ist eine liebevolle Persiflage auf die Feuerzangenbowle und mit Sicherheit ein Vorreiter der "Pauker"-Filmreihe. Wer Peter Alexander mag, kann bedenkenlos zugreifen, kein Meisterwerk, aber einer seiner besseren Filme.

8/10

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