Ein klassischer Mafia-Film ist das nicht. Man erhält wenig Einblicke in die Struktur des organisierten Verbrechens, einzig das illegale Glücksspiel scheint die Einnahmequelle der Gangster zu sein, und die Handlung beschränkt sich auf den vordergründigen Kampf zweier Clans um die Vorherrschaft in einer beliebigen, anonymen amerkanischen Stadt der Vorkriegszeit. Von der Story gibt es starke Parallelen zu "Last Man Standing", wenngleich man sich mit der Hauptfigur hier weniger identifizieren kann. Diese wechselt zwischen zwei den rivalisierenden Banden die Fronten. Ihre Intention bleibt aber auch nach dem Filmende unklar (und sie bezieht eindeutig zu oft und zu viel Prügel). Die Charaktere bleiben im Gegensatz zu Meisterwerken wie "Der Pate", "Good Fellas" und "Casino" ziemlich blaß. Absurd wirkt die überzeichnete Darstellung der Abhängigkeiten von örtlicher Politik und Polizei zur Mafia. Dem Film fehlt für eine Top-Bewertung einfach das gewisse Etwas, der Flair, der die genannten Klassiker auszeichnet. Vielleicht muß man einfach italienische Vorfahren haben, um einen guten Mafia-Film machen zu können. ;-). Dennoch gefällt der Streifen durch die Film-Noir-Atmosphäre und die bis zum Ende anhaltende Spannung.
Völlig unverständlich ist die FSK18-Einstufung, insbesondere im direkten Vergleich zu "Good Fellas", der trotz überaus butaler und detailierter Tötungs-Szenen eine FSK16-Qualifikation besitzt. Bei der Darstellung grober Gewalttätigkeiten hält sich Miller´s Crossing sehr zurück. Ein 16jähriger wird hierdurch in seiner sittlichen Entwicklung mit Sicherheit nicht gefährdet...