Was genau definiert einen Superstar, oder was genau macht einen Schauspieler zu einem solchen?
Ist es das Talent? Wohl kaum, das könnten schauspielerische Nichtskönner wie der gute alte Gouvernator bestätigen.
Ist es Ausstrahlung? Wohl nicht wirklich , welche Ausstrahlung hat den bitteschön Eddie Murphy zu seinen besten Zeiten gehabt!
Ist es Wandlungsfähigkeit?Brian Cox ist seit Jahrzehnten so wandlungsfähig wie kaum ein zweiter, und was hat es ihm gebracht, obwohl er der erste Hannibal Lecter war, kennt ihn kaum jemand.
Ist es die gewisse Coolness, die man braucht, um vom Publikum vergöttert zu werden? Es geht eigentlich kaum cooler als Peter Weller in Robocop, aber hat der Mann je wieder eine gute Rolle bekommen?
Das bringt uns zu Gabriel Byrne. Dieser Mann hat ganz offensichtlich das schauspielerische Talent für ganz oben, er hat die Ausstrahlung und das Charisma jede Szene zu beherrschen, er ist zugegebenermaßen nicht wirklich wandlungsfähig, aber dafüpr hat er einen ungeheuren Coolneßfaktor.
Mit gerade mal zwei Filmen hat er sich - obwohl er mittlerweile den Superstarstatus niemals mehr erreichen wird - im Gangsterfilmgenre geradezu unsterblich gemacht: Zum einen ist da der Meilenstein des Genres "Die Üblichen Verdächtigen", wo er eine der Hauptrollen spielt und zum anderen ist es "Miller's Crossing", eine Art Huldigung der harten Gangsterfilme der dreißiger Jahre, gemischt mit einer gehörigen Portion intelligentem Modernismus.
Die Coen-Brüder beweisen mit diesem Film wieder einmal, dass sie eigentlich jedes Genre beherrschen und dass ihr Lieblingsdarsteller John Turturro eigentlich auch jede Rolle spielen und beherrschen kann.
Obwohl Turturro einen ungeheuer schmierigen Charakter spielt, ist er so doch auch der einzige, der es mit Byrne Präsenz aufnehmen kann. (Insofern gilt die gleiche Ausgangsfragestellung ohne Zweifel auch auf Turturro. Ingewisser Weise sogar etwas Zwingender!!! Das Einzige was Turturro im Vergleich mit Byrne fehlt, ist die nötige Coolness, was er aber auf seine Art wieder wettmacht, nämlich mit mehr Talent und größerer Wandlungsfähigkeit...)
Nun mal zum Film: Miller's Crossing ist ein geradezu altmodischer geradliniger Film, der seinen Protagonisten auf Schritt und Tritt verfolgt, dem es dennoch gelingt, niemals genug über den Protagonisten zu erzählen. So weiß man nie, was der Mann als nächstes tun wird. So konsequent und überraschend die Vorgehensweise des Protagonisten auch ist, so bleibt es doch auch immer glaubwürdig und nachvollziehbar.
Diesen ambivalenten Charakter gibt Byrne mit stoischer Präzision wieder. Und obwohl er in keinster Weise ein vertrauenswürdiger Charakter ist, so fängt man schon sehr bald an, mit ihm zu zittern.
Es geht in Millers Crossing um einen Bandenkrieg und sich dadurch verschiebende Loyalitäten. Dies wird ebenso einfach, wie überspitzt und geradlinig wiedergegeben, so dass es alles den Anschein des altmodischen hat, Dabei ist aber beispielsweise der Polizeiapparat derart korrupt, dass klar ist, dass dies keine einfache Hommage ist, sondern auch eine Art konsequente Weiterführung.
Alles in allem ist Miller's Crossing ein sehr gutes Genre-Werk zweier Allrounder, die im Regiestuhl sitzen. Man muß die Coen-Brüder nicht mögen, um diesen Film klasse zufinden.
Und Gabriel Byrne? Wieso er es nicht zum Superstar brachte?
Vielleicht gehören mehr als nur zwei überdurchschnittlich gute Filme dazu, um dauerhaft oben mitwirken zu können.
Vielleicht muß einen das Publikum dann auch mal mit seichten Rollen ins Herz schließen.
Wie auch immer : 8 Punkte