Review

kurz angerissen*

Mad statt bad. Verrückt, irrational, unzurechnungsfähig; nicht etwa intentional bösartig. Filme über irre Hack- und Schneidwaffenschwinger lehren uns die Quintessenz, dass ihren Monstern mit Logik und Diplomatie nicht beizukommen ist, dass man vielmehr alle Sinne beisammen haben muss, etwas Grips im Kopf und etwas Training in den Waden haben sollte, um dem Dezimierungsprozess lebendig zu entkommen. Viele ihrer Vertreter beginnen mit einem Lagerfeuer im Sommercamp (so auch das fast zeitgleich abgedrehte Konkurrenzprodukt „The Burning“), doch kaum einer ist so sehr als lebendig gewordene Lagerfeuergeschichte zu betrachten wie „Madman“. Von beachtlicher Genügsamkeit ist der Entwurf der Legende um einen Waldschrat im Holzfäller-Look, der seine Familie umgebracht und vom Dorfpöbel per Strick gerichtet worden sein soll. Es geht eigentlich auch gar nicht um die Geschichte, sondern um den Erzähler und sein Publikum: Gelingt es, die Konturen des Wahnsinnigen sichtbar zu machen?

Entsprechend ist „Madman“ vor allem an leuchtenden Silhouetten interessiert, die am Waldrand in bedrohlicher Pose verharren und vom flackernden Licht des Feuers in Bewegung versetzt werden. Im ständigen plötzlichen Auftauchen des Titelcharakters, der sich lange Zeit nur schemenhaft als zotteliger Artverwandter des Yeti zu erkennen gibt, hat das unverkennbare „Friday“-Rip-Off seine stärksten Momente. Lange bevor die hohlköpfigen Opfer von ihm Notiz nehmen, kann der Zuschauer ihn bereits sich nähern sehen und seine nächsten Züge vorausahnen. Schattenwurf und Ego- oder Schulterperspektiven lassen ihn weiter mysteriös erscheinen, während sich manch originell konzipierte, wenn auch oft mäßig umgesetzte Tötungsszene an einem Campbesucher nach dem anderen vollzieht. Die fehlende Kreativität beim fröhlichen Morden wird durch herzhaft doofe Abläufe wettgemacht: So gelingt es einem Opfer, sich wortwörtlich aus der Schlinge zu ziehen, um schließlich doch mit einem Ruck in den Ursprungszustand zurückversetzt zu werden, während ein anderes dämlich kreischend in Panik einen Kühlschrank ausräumt, um sich darin zu verstecken – während sich der Killer bei dieser lautstarken Aktion bereits im gleichen Raum befindet.

Trotz dieser zum Teil herrlich dämlichen Augenblicke kriecht die Monotonie wie dicker Nebel zwischen den Baumstämmen hervor. Anders als der Gartenscherenkiller aus „The Burning“ holt sich unser Axtmann seine Beute Stück für Stück, so wie man es eben gewohnt ist. Wenigen gelungenen Perspektiven steht das öde Schwarz einer langen Nacht in einem austauschbaren Wald mit Blockhütten entgegen. So manch einer wird auch eine zünftige Nacktszene vermissen. Die einzige Szene, die in eine solche Richtung geht, ist verseucht mit Weichzeichner, einfallslosem First-Person-Voyeurismus und irritierendem Gedudel direkt aus der Hölle. Der Cast setzt sich zudem aus etwas älteren Semestern zusammen; er ist überdies auch nicht besonders attraktiv anzusehen. Erhofft man sich nun zum Ausgleich wenigstens erwachsenes Verhalten, wird man wieder enttäuscht, denn auch hier gilt: Wenn die Schlächter in ihrem brutalen Verhalten auch wahnsinnig erscheinen mögen, so möchten sie doch vielleicht einfach nur die Welt vor Dummheit bewahren.

Und dann ist das Gemetzel irgendwann vorbei. Ohne Überraschungen, ohne großes Tamtam (hätte sich nicht wenigstens der Geschichtenerzähler als die wahre Identität des Madman entpuppen können... oder so?). Eine Ziertafel fasst das Gesehene noch in einen Rahmen. Beinahe wie in einem Märchen. Die meisten lebten nicht glücklich bis an ihr Lebensende, aber so ist das eben, wenn man den Madman aufsucht. Man bekommt, wofür man bezahlt. Und am Ende bezahlt man wieder. Wenn auch nur mit eineinhalb Stunden seiner Zeit.

*weitere Informationen: siehe Profil

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