Review

Der chinesische Sicherheitsexperte Brian Cheuk [ Vincent Zhao Wen – zhou ] ist eigentlich nur wegen der unfreiwilligen Verkupplung mit der Reporterin Hung [ Gigi Lai ] vor Ort in HK, muss aber schnell seine Fähigkeiten unter Beweis stellen. Der Ex – Marine Charles [ Anthony Wong ] hat mit mehreren Mannen eine Grundschule eingenommen und vermint; er lässt die Kinder – darunter Brians Neffe – erst laufen, wenn man seinen kleinen Stiefsohn aus den Händen der Rabeneltern entreisst und ihm bringt. Die Zeit läuft.

Die vorgeschriebene Frist und das Spielen an nur einem Tag innerhalb weniger Stunden gibt Aman Cheungs Fist Power unweigerlich seine Schnelligkeit bei. Nach einer relativ langen Anlaufzeit ist dann auch plötzlich alles in Bewegung und kommt immer nur für kurze Momente zum Stillstand; die Geschwindigkeit wird über mehrere Etappen und damit verbunden verschiedene Fortbewegungsmittel vorangetrieben.
Cheung nutzt die ausführliche Aufwärmphase, um die wenigen wichtigen Mitstreiter und deren Motive ebenso vorzustellen wie auch die Beweggründe der Gegenspieler; als die Fakten in den Raum gestellt sind, legt er keinerlei Wert mehr auf eine Präzisierung der Geschichte und lässt rasch ausdünnen und komplett ins Unreale abgleiten. Dies ist aber nicht das eigentliche Manko; das letztlich zum Himmel schreiende Skript würde bei korrekter Umsetzung locker ausreichen, um den Rest tragen zu können. City of Darkness z.b. macht nichts Anderes.
Die Ursachen für das Scheitern liegen ganz woanders; und eigentlich ist es auch erstaunlich, dass - obwohl man eigentlich gar nicht soviel falsch macht und auch nicht falsch machen kann - trotzdem kein guter Film dabei heraus kommt. Die Wahl des Regisseur ist dermassen schlecht, dass es alles Andere unweigerlich mitreinreitet.

Was sich Produzent Wong Jing dabei gedacht haben mag, aus seinem Fundus verschiedener Handwerker ausgerechnet Cheung zu picken, soll sein Geheimnis verbleiben. Jedenfalls lässt sich dessen bescheidene Technik so schnell als Sündenbock feststellen, wie der Film an den Kinokassen und in der Gunst der Zuschauer unterging.
Cheung hat schon vorher und vor allem auch nachher ausdrücklich bewiesen, dass er nicht dazu lernt, keine Fehler erkennen kann und ganz allgemein sein Talent nicht gerade vom Himmel fiel. Seine darstellende Kunstfertigkeit mag vielleicht für sex-affine Exploitation wie Body Weapon oder Raped by an Angel 2 + 3 erquicklich sein, aber Filme mit Handlung – sei es auch nur eine als Vorwand dienende -, die dazu auch noch im Actiongenre angesiedelt sind, sind überhaupt nicht sein Ding. Niemals gewesen und werden es auch niemals sein; seit 2003 hat das sogar sein Fronherr Wong erkannt und ihn vom Filmemachen bzw dessen kümmerlichen Versuchen verbannt.

Hätte man doch lieber zu einem Tony Ching Siu – tung gegriffen, der im gleichen Zeitraum stattdessen für etwas komplett Unpassendes [ Conman in Tokyo ] engagiert wurde. Clarence Ford, der sich die Jahre davor ausdrücklich als Actionexperte empfohlen hat, wurde plötzlich für grossangelegte Triadenfilme verpflichtet, was er auch nicht draufhat. Manchmal konnte man da schon das Gefühl bekommen, Wong hat 1997 mit der Übergabe HKs an China auch seinen sonstigen Riecher abgegeben. Oder wollte das eh leidende Filmbusiness noch schnell eigenhändig zerstören, bevor die neuen Machthaber auch da Fuss fassen.

A freak left by reunification“ spielt auch im Film eine Rolle; sowieso blickt man wenig optimistisch in die Zukunft. Vieles hat sich verändert, für die Figuren der Erzählung, für die Macher der Produktion und damit auch für das Publikum. Man spürt schnell, dass das nunmehrige Konstrukt nicht mehr das ist, was man Jahre davor noch zu kriegen gewohnt war. Die bisher beständigen Directoren sind entweder ganz weg oder probieren etwas Anderes aus; wurden zwangsläufig durch Neue ersetzt, die es anders und oft schlechter machen. Nun hilft alles Leiden und Klagen nicht; Fist Power hatte jedenfalls nie den Hauch einer Chance, auch wenn die sonstige Kombination zumindest auf dem Papier lecker klingt: Das Drehbuch greift in grober Manier auf mehrere gebraucht – geprüfte Konzepte zurück und entscheidet sich im Einzelfall für eine Mischung aus Stirb Langsam 1 und Stirb Langsam – Jetzt erst recht. Man setzt die Geiselsituation an den Anfang und die Hetzjagd gleich hintendran. Beides verbindet man mit einem sympathischen - überzeugenden Hauptdarsteller zu einem eigentlich fehlerresistenten Modell, dem zwar jede Ernsthaftigkeit und Tiefgang abgesprochen werden muss; aber für sowohl genug Haftung als auch Spannung und Action sorgen sollte.
Wenigstens das Letztere wird geboten; aber nie in dem Maße, dass es seine möglichen Tauglichkeiten zur Befriedigung oder gar Begeisterung ausweiten kann. Es wird kein grosses Kino daraus wie seine Ideengeber; das Kalkül einer absichtsvollen Inszenierung wird durch dauerhaft blechernen Klang der Umsetzung gnadenlos zunichte gemacht. Das wahre Verhältnis von Schein und Sein bombt den Film vom Kino auf die Mattscheibe, von 1999 zurück in die Vergangenheit; mindestens 7 Jahre zuvor, wo er unter anderer Aufsicht weitaus besser aufgehoben wäre.

Dort hatte die Ära der Billigreisser um schlagkräftige Polizisten und schmierige Gangster seine machtvolle Präsenz; wenn man exakt mit dieser Sichtweise herangeht und hier eine regenerierende Modernisierung / Hommage sehen möchte, kann man Cheungs Arbeit sogar einen Teilerfolg bescheinigen. Was zwar trotzdem nicht sein Verdienst ist, da es speziell um die Auswahl der Darsteller geht, aber man muss ja nicht zu kleinlich sein.
Die Wahrung einer gewissen Reminiszenz und die Nachwirkung von Erinnerungen als förderliche Konsequenz kommt der bescheidenen Handlung desöfteren zur Hilfe; zwar nur durch Überbleibsel auf kleinem Rahmen, aber dennoch beständig genug, um Identifikationen setzen zu können. So sind in Cheuks Familie bewährte, fast rituelle Akteure wie Lau Kar Wing, Cheng Pei Pei und Kara Hui gecastet, aus deren Händen man den Staffelstab nur ehrfurchtsvoll entgegen nehmen kann. Auch die umstehende Besetzung ist mit Robert Mak, Lung Fong und Austin Wai ein Residuum aus vergangenen, nicht schlechteren Zeiten; eine Verweisung, die unvermeidbar Subjektivität und gleichzeitig Reduktion auf das Wesentliche nach sich zieht. Preiswerte Actionreisser wurden Anfang der 90er nicht nur weitaus zahlreicher, sondern – vielleicht entsprechend dem ergiebigen Umgang ? – auch wesentlich wirksamer hervorgebracht. Vollendung in der Vergangenheit. Deren Akteure haben hier auch nichts mehr zu tun; die Meisten dürfen nicht einmal ihr Altbewährtes abziehen, sondern werden zu Statisten zurückgestuft. [Als sie dann ein Mal helfend auftauchen dürfen, rutscht es eh wie so oft vollständig ins Haarsträubende ab.]
Übernehmen tun der Kameramann und die Leute von der Nachbearbeitung.

Der Director of Photography bekommt die Kamera weder gerade noch hält er sie ruhig. Er schwenkt und wackelt und geht mit sämtlicher Bewegung mit, als würde er Angst haben, sonst nicht genug Material für den Schneideraum zusammen zu kriegen. Oder etwas zu verpassen, weil er ja unbedingt ganz dicht an die Schauspieler heranmuss und auch den Goofs der Geschichte und ihren zahlreichen dämlich - schlechten Witzen Aufmerksamkeit leisten will. Wohltuende Ausnahme ist die von Bruce Law überwachte erste Autoverfolgungsjagd, die auch mal auf Horizontalen zurückgreift und für Sekunden wohltuend langgezogene Einstellungen voll innerer Kraft einbringen kann. Die Dynamik wird schnell wieder zerstört, aber für einen Moment bekommt man mit, was aus dem Stoff hätte werden können. Auch McTiernans Großstadtthriller hatte seinen extrem unruhigen Erzählfluss, aber dass muss man nun doch nicht extra noch krampfhaft nachahmen. Editor Marco Mak beteiligt sich an dem visuellen Ablenkungsmanöver und schneidet geradezu auf Kopfschmerz; die Tonabmischung kommt ebenso wie Tommy Wai mit seinem Score nicht nach und lässt die Kämpfe auch akkustisch sang- und klanglos untergehen. Die quantitativ völlig ausreichenden Actionszenen fallen dadurch eine nach dem Anderen aus dem Qualitätsraster heraus und nehmen dem flick seine wichtigste Daseinsberechtigung. Es wird sich nonstop und gleichzeitig völlig für die Katz geprügelt.

Beizeiten richtet sich der Blick auf die Uhr; woanders bekommt man ja nichts mehr Interessantes zu sichten. Die Ausstattung ist sehr sauber, klinisch rein, wie zur Vortäuschung eines renitenten Produktionsvolumens blankgeputzt. Gegenstände bestehen meist aus Plaste und Elaste; zusätzlich wurde vorher wohl auch noch ein Lager für ungeglätteten, einseitig weissen Kulissenkarton in Rollen leergeplündert. Auch Cheuk trägt als Held komplett weiss, die Kontrahenten vervollständigen das bewusste Chiaroscuro in schwarzen Anzügen.
Auch ein abschliessendes Fazit lässt sich so einfach einteilen: Was man wahrscheinlich mal gewollt hatte, ist nicht das Gleiche, was dann dabei herauskam. Wir wissen alle, an wem es lag. Der Teufel soll ihn...

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