Review

Ob „Tiger and Dragon“ oder „Hero“: das asiatische Kino kann durchaus auch in westlichen Gefilden Erfolge verbuchen. Ein weiterer Vertreter dieser schwierig zugänglichen Werke ist das geradlinige „Musa – The Warrior“, welches angeblich auf einer wahren Legende beruht. Mit einem Budget von 8 Millionen Dollar ist es das teuerste Filmunterfangen Koreas und bricht einige Tabus, die man bei uns so nur selten zu sehen bekommt: Mord oder Gräueltaten an Tieren, Frauen und Kindern.

Im 14. Jahrhundert hat in China die Ming-Dynastie die Herrschaft übernommen und schickt einen Botschafter nach Korea, der auf dem Werg dorthin getötet wird. Um die gespannte Beziehung zu verbessern schickt Korea seinerseits Abgesandte, die aber festgenommen und ins Exil geschickt werden. Dort gelingt es der Gruppe aus Soldaten, Diplomaten und Sklaven eine Ming-Prinzessin zu befreien. Indem sie sie in ihren Palast zurückbringen wollen sie das Verhältnis beider Länder zueinander wieder verbessern, doch die mongolischen Kidnapper sitzen ihnen schon im Nacken…

„Musa“ (übersetzt Kämpfer) ist ein reinrassiges Mainstreamwerk, das bei uns aber auf Grund der gezeigten Härte und Kompromisslosigkeit wohl für Verwunderung sorgen dürfte, da die hollywoodschen Epen doch meist softer und unterhaltsamer inszeniert sind, während „Musa“ eben auf sehr brutale Kämpfe (abgehackte Körperteile, spritzendes Blut, von Speeren und Pfeilen durchbohrte Körper) setzt, dabei aber leider eine zu belanglose Story zum Besten gibt. Obwohl die Schlachten zwischen den Koreanern und den Mongolen häufig sind, extrem schnell in „Gladiator“-Stil (kurze Kameraverschlusszeiten) geschnitten , blutig und mit Slow- und Fastmotion aufbereitet worden sind, kann der Film insgesamt betrachtet nicht ganz überzeugen.

Der Style ist düster, die Bilder (besonders die Wüstenlandschaften)wunderschön wie körnig und meist mit braunem Farbfilter gespickt, die Kostüme authentisch, aber der Plot kommt nicht in Fahrt und die Charaktere bleiben klischeehaft wie eindimensional. Ob schweigsamer Überkämpfer, weiser alter Mann, hochnäsige Prinzessin, egoistische Anführer, treue Soldaten und gepeinigte Sklaven und Arbeiter: alles wird einem geboten und in einer Gruppe zusammengeführt, die sich im Verlauf des Films auf Grund unterschiedlicher Herkunft und Idealen öfter ins Gehege kommt.

Die erste Stunde verbringt der Film größtenteils mit dem Versuch die Motive der Hauptcharaktere dem Zuschauer Nahe zu bringen, scheitert dabei aber recht kläglich, was zu einem Verlust der Identifikationsmöglichkeit mit den Figuren führt. Die Ziele des stets zu Boden schauenden, mysteriösen Speerkämpfers bleiben unklar, während der Anführer der Soldaten genau so unsympathisch ist wie die Prinzessin. Einzig und allein die eher spärlich vorgestellten Nebencharaktere, wie der Bogenschützenveteran, können hier überzeugen und sich als „Held“ des Zuschauers anbieten.

So wundert es auch nicht, dass dem Film danach nichts Neues mehr einfällt und einen tristen Wechsel von Wandern und Kämpfen zum Besten gibt, die bekannte östlichen Themen wie Gehorsam, Ehre, Freundschaft und Aufopferung verarbeitet, dabei aber klischeehaft wirkt und die Geduld des Zuschauers strapaziert. Lobenswert hierbei, dass der Gruppe auch mal alltägliche Probleme wie Sandstürme oder Proviantmangel den Männern und Frauen zu schaffen machen, die Autorität des Anführers der Gruppe dabei zu schwinden beginnt und sich neue Figuren aus der „Masse“ hervorheben. Untypisch hierbei auch die Schicksale aller, denn von Anfang bis Ende muss man um das Leben so ziemlich jedes Charakters fürchten, was für Hollywoodverwöhnte Zuschauer von Heldenepen befremdend wirkt, in diesem Fall aber eine willkommene Abwechslung bietet.

Die Locations dabei bleiben leider abwechslungsarm, dafür aber die Kämpfe stets auf dem gleichen spektakulären Niveau ohne an Länge einzubüßen.
Schauspielerisch präsentiert sich „Musa“ durchaus solide, denn die hier unbekannten Darsteller verkörpern ihre Rollen mit sichtbarer Freude an den Figuren, verzweifeln aber mit unter an dem arg spannungslosen, zähen Plot. Das dramatische Finale, das in einer Belagerung einer alten Festung sein Ende findet kann dafür aber größtenteils entschädigen.

Fazit:
„Musa – The Warrior“ konnte sogar einen Easternallergiker wie mich überzeugen, der sonst nicht viel mit Filmen aus dem asiatischen Raum anfangen kann. Nach dem enttäuschenden „2009 – Lost Memories“ macht mich dieses Werk aber neugierig auf weitere, koreanische Werke. Atemberaubende Schlachten, die einen mitten hinein in das Geschehen versetzt und sehr brutal inszeniert wird, sowie tolle Kostüme und Landschaftsaufnahmen sind die klaren Stärken dieses Blockbusters. Leider bleibt der vorhersehbar Plot bis zum Ende enttäuschend linear und arm an Abwechslung. Die all zu arg klischeebeladenen Charaktere schaden dem Film, während die eher unscheinbaren Nebenrollen überzeugen können. Zwar kein neuer „Braveheart“, aber verdammt nah dran, was dem unkonventionellem Ende zu verdanken ist.

Details