Morgan wird von Colleen und ihrem Vater entführt, um auf einer Karibikinsel den Staatsschatz zu klauen. Aus einer Festung und zum Wohle des Volkes. Der Oppositionsführer, der Rebellenführer und ein paar andere mischen auch mit.
Well, ich bevorzuge immer die deutsche Synchronisation, wenn ich einen Film schaue. Englisch ist mir ehrlich gesagt zu anstrengend und andere Sprachen wären eh nicht möglich. Aber bei diesem Film traf mich wie ein Blitz die Erkenntnis, dass eine gottserbärmlich schlechte Synchro selbst einem nicht guten Film noch schaden kann. Und sie kann wahlweise Zahn- oder Kopfschmerzen oder gleich beides verursachen.
Die Synchro hier (bei Apple TV) entstammt vermutlich der DVD-Version von Pidax, die ich für diese minderwertige Arbeit ohne genaue Kenntnisse mal verantwortlich mache (Hinweise: Synchrondatei weist 2. Synchro aus, DVD erschien 2024 von Pidax, Synchro klingt technisch zu neu).
Aber zum Film, dessen Prämisse eigentlich sehr cool ist. Ein Heist auf einer Karibikinsel, Diktator, Armee als Gegner, Festung, erinnert auch irgendwie an den sehr viel später entstandenen Expendables, aber hier geht es ja um sehr viel Gold. Leider ist aber das Drehbuch schlecht geschrieben, die Dialoge (in der Synchro) sind teils zum Weglaufen, die obligatorische Liebesgeschichte (Frau schmachtet den Mann an) ist unsinnig, konstruiert, aufgesetzt und so dermaßen voller Schmalz, dass man sich glatt ein Butterbrot holen möchte, um das gute Schmalz nicht zu vergeuden.
Natürlich wird im Verlauf auch ein Dorf bedroht und die Bewohner nehmen folgerichtig reissaus. Alle Bewohner? Nein, ein paar Verwegene, genau vier, wollen wohl ausharren und Widerstand leisten oder wurden vielleicht nur vergessen, denn da hüpfen mal völlig allein vier 2-4 jährige Kids im Dorf herum, während die Mamas und Papas das Weite suchen. Ist klar, kann man mal machen.
Das geht auch noch so weiter. Das Gold wird per Seilkorb von der Festung zu einem Boot geschickt. Oben arbeiten gleich mal mehr als ein Dutzend Leute beim Transport, auf dem Boot ist aber nur einer, um die Barren abzuladen. Macht er locker eine Weile, Herkules. Yeah.
Aber genug vom Drehbuch. Schauen wir doch mal die Hauptfigur Morgan an. Der ist ein guter Typ, rettet eine Frau, wird kurz darauf unter Drogen gesetzt, entführt, verprügelt, ins Wasser geworfen und zu dem Job in der Festung genötigt. Okay, er versucht zweimal zu entwischen, aber beschwert er sich auch nur einmal ernsthaft entführt worden zu sein? Verlangt er auch nur einmal nach Hause gebracht zu werden? Nope, der Mann ist die leibhaftige Ruhe, nimmt alles voll gelassen hin und macht dann ja auch logischerweise bereitwillig mit. Im ganzen Film fällt übrigens nicht einmal das Wort Entführung.
Zu Colleen, die den Herrn entführt, anstatt zumindest mal zu fragen. Nix, gleich einsacken. Verbrecher? Hasst sie. Ihr Vater? War Buchhalter bei Al Capone!!! Hasst sie, arbeitet aber mit ihm und betätigt sich als Entführerin. Aber sie hasst ja Kriminelle. Und Morgan ist kriminell. Sie verabscheut ihn. Den halben Film lang, in der zweiten Hälfte schmachtet sie ihn dann lieber an. Warum? Er darf sie halt nochmal retten, weil Weibchen sich dumm verhält. Noch so ein genialer Drehbucheinfall. Möchte noch jemand ein Schmalzbrot?
Und noch kurz zu Costa, dem Revoluzzer-Chef. Der steht in einer Kirche mit dem Revolver in der Hand vor einem Weihwasserbecken, tunkt die Knarre da ein und bekreuzigt sich damit. Beste Szene! Rockt!
Dann ist da zu guter Letzt noch Vasquez, der Oppositionsführer. Weshalb ich den erwähne? Weil er der einzige anständige und sympathische Charakter in diesem Ding ist. Er hilft einem wildfremden, er hat das Wohl des Volkes im Sinn, ich nichts negatives über ihn zu sagen, außer, dass er zu wenig Screentime hat.
Gibt's noch was?
Mal was positives. Die Kamera leistet gute Arbeit und fängt die Karibikinsel sowohl in ihrer Schönheit als auch nicht so schicken Ecken der Stadt ein. Alles in hübschem Breitbild. Zudem findet sie ab und an nette Blickwinkel, die für etwas Abwechslung sorgen. Gefällt.
Alles Weitere spare ich mir und euch jetzt mal.
Trash. Was anderes isses nicht. Etwas Abenteuer mit netter Heist-Idee, aber in mieserabler Umsetzung. Viel Gutes gibt es hier nicht zu holen, obwohl der Film trotz unfassbar vieler Dummheiten kurz mal Spannung aufbauen kann. Also zumindest ein bisschen, so 1-2 Herzschläge lang. Merkt man kaum. :)