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Joaquin Phoenix spielt einen, in Deutschland stationierten amerikanischen Soldaten, der wie all seine Kollegen unter Langeweile leidet. Seine Zeit nutzt er, um unter der Hand seines Vorgesetzten, gespielt von Ed Harris, Drogen und Waffen zu schmuggeln und zu verkaufen, doch als ein neuer Vorgesetzter, gespielt von Scott Glenn, an den Stützpunkt kommt und von seinen Geschäften erfährt, hat Phoenix ein Problem und als er dann auch noch mit der Tochter seines Vorgesetzten ausgeht, lässt sich dieser einige Gemeinheiten für ihn einfallen.

Im Wesentlichen muss eine Satire natürlich kritisch und bissig sein, aber dabei ist es natürlich notwendig, dass man zumindest einen Ansatz von Realismus wahrt, wie bei "American Beauty", bzw. immer wieder Bezüge zur Realität darstellt, wie beispielsweise bei "Edward mit den Scherenhänden". "Army go home" ist jedoch vor allem zum Ende hin deutlich übertrieben und wird immer mehr zu einem bleihaltigen Drogen-Filmchen, als zu einer bissigen Satire und auch ansonsten ist der Film leider deutlich übertrieben. Die Charakterkonstruktion ist dabei ordentlich, die verschiedenen Militär-Klischees werden natürlich aufgegriffen und alles in allem geschickt variiert, sodass die Satire vor allem in der ersten Hälfte noch sehr bissig und gelungen ist. Die Handlung wird in der zweiten Hälfte wie gesagt immer unrealistischer und die Wendungen können nicht mehr so richtig zünden und man merkt deutlich die Ungeduld der Autoren, möglichst schnell zu einem möglichst heftigen Finale zu kommen und dabei verliert sich der Film leider auf überflüssigen Nebenschauplätzen und in überflüssigen Handlungssträngen. Alles in allem ist die Story relativ einfallsreich und unvorhersehbar, scheitert aber zum Ende hin.

Regisseur Gregor Jordan, der zuvor lediglich mit "Two Hands" in Erscheinung treten konnte, leistet bei der Inszenierung alles in allem ordentliche Arbeit und garantiert so einen ordentlichen Unterhaltungswert. Das Tempo hält Jordan ziemlich hoch, womit er von der ersten bis zur letzten Minute Leerlauf verhindern kann. Vor allem anfangs liefert er einige ironische und sarkastische Momente und baut zudem einige Action-Szenen mit ein, die den Film noch unterhaltsamer gestalten. Seine Darsteller setzt er perfekt, weil sympathisch in Szene und baut auch die Filmmusik zu den richtigen Stellen ein. Das bizarre und übertriebene Finale setzt er solide in Szene, lässt die Militärsatire aber leider zur Drogen-Komödie ausarten. Mit einem besseren Finale hätte man die beste Satire seit "Dr. Seltsam, oder wie ich lernte die Bombe zu lieben" liefern können, so bleibt der Film leider unter seinen Möglichkeiten.

Joaquin Phoenix ist kurz nach seinen beiden starken Auftritten in "8mm" und "Gladiator" sehr stark und spielt den liebenswerten und gelangweilten Soldaten, der Drogen und Waffen verkauft überzeugend und macht sich sowohl in den bissigen und ironischen Momenten, als auch in den Liebesszenen wirklich gut und zeigt noch vor seinem starken Auftritt in "Walk the Line", dass er zu den begabtesten Darstellern der Welt gehört. Dass Ed Harris, der vor allem in "Der Stoff aus dem Helden sind" und "Abyss" überaus heroische Rollen spielte, die Figur des relativ unfähigen Colonels übernimmt, ist eigentlich an sich schon recht ironisch und alles in allem verkauft sich Harris, der zuvor vor allem mit "Pollock", "Die Truman Show" und "Apollo 13" zeigen konnte, dass er auch als Charakterdarsteller durchaus zu gebrauchen ist, sehr gut und liefert ebenfalls einige ironische Momente und ist mit seiner leicht unbeholfenen und dennoch liebenswerten Art in seiner Rolle perfekt aufgehoben. Scott Glenn, der ebenfalls in "Der Stoff aus dem Helden sind" zu sehen war und schon in "Jagd auf Roter Oktober" und "Backdraft" überaus kantige Rollen übernommen hatte, macht sich als strenger Sergeant hervorragend, genauso, wie Anna Paquin, die die Rolle seiner Tochter überzeugend und charmant auf die Leinwand bringt.

Fazit:
Mit einem guten Cast und einer sarkastischen ersten Hälfte ist "Army Go Home!" eine im Großen und Ganzen gelungene Militärsatire, die zum Ende hin leider immer unwahrscheinlicher wird, aber dennoch bis zum Finale gut unterhalten kann.

67%

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