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William Hjortsberg ist der Autor des Romans „Falling angel“. In ihm erzählt er die mysteriöse Geschichte von Harry Angel. Alan Parker hat das Potential der Geschichte erkannt und sie cinematographisch umgesetzt. Man schätzt, dass ihm dafür ein Budget von 17 Millionen Dollar zur Verfügung stand. Kommerziell wurde der Streifen allerdings nicht der erhoffte Erfolg, man kam am Ende wohl etwa bei null heraus. Später entwickelte sich „Angel heart“ – so heißt die Umsetzung des Romanes – allerdings zu einer Art Kultfilm. Das wird zum Beispiel daran liegen, dass so viele Genres miteinander verknüpft werden. Weitgehend fühlt sich der Film an wie ein herkömmlicher Krimi, teilweise kommen horrorfilmische Elemente zum Vorschein, außerdem kann man Mystery- und Thrillerelemente nicht abstreiten. Eine eindeutige Zuordnung ist also nicht möglich und das verleiht dem Film eine sehr spezielle und mitreißende Stimmung. Hinzu kommt, dass man große Namen für die Verfilmung gewinnen konnte. Die Hauptrolle übernimmt der ruppige Mickey Rourke, der zu meinen Lieblingsschauspielern gehört. Und da wäre natürlich noch Robert de Niro in der Rolle des Louis Cyphre. Zudem taucht die aus meiner Sicht äußerst attraktive Lisa Bonet auf, die viele von uns in der „Bill Cosby Show“ lieben gelernt haben. In diesem Film bekommt man jedoch ein viel weniger amüsantes und ein viel mehr nacktes und düsteres Gesicht von ihr zu sehen. Das dürfte den ein oder anderen Fan von ihr verschreckt haben.

Harry Angel (Mickey Rourke) ist Privatdetektiv und erhält einen seltsamen Auftrag von einem ebenso seltsamen Kerl namens Louis Cyphre. (Robert de Niro) Er soll einen vor Jahren verschwundenen Sänger namens Johnny Favorite ausfindig machen, welcher nach dem 2. Weltkrieg verschwunden ist und Cyphre noch eine Kleinigkeit schuldig ist. Angel versteht nicht ganz, dass er diesen Auftrag bekommt, da er nur ein kleiner Detektiv ist und nicht zu den größten Namen des Geschäfts gehört. Er erklärt sich das mit dem Anfangsbuchstaben seines Nachnamens. Der Fall erweist sich als deutlich problematischer als erwartet. Angel gerät in ein Netz, in dem er sich mit Satanismus, Vodoo, Wahrsagern und nicht zuletzt dem Tod auseinandersetzen muss. Nicht mit seinem eigenen: Alle Menschen, die etwas über den Verschwundenen wissen könnten, segnen auf unergründliche Weise das Zeitliche, kurz nachdem ihnen Angel auf die Spur gekommen ist. Irgendwann muss Angel feststellen, dass er selbst tiefer in den Fall verwickelt ist, als ihm lieb ist.

Wie angedeutet zeichnet sich der Film durch eine einmalige Atmosphäre aus. Das ergibt sich zum einen aus der guten Arbeit von Alan Parker, zum anderen aus der Genrevermischung und zum dritten aus der fabelhaften Musik von Trevor Jones. Das wiederkehrende Hauptthema ist extrem eingängig und ein Markenzeichen des Films. Die Stimmung ist durchweg düster und birgt wenig Hoffnung. Man befürchtet von Anfang an, dass irgendetwas Böses im Busch ist und erkennt es am Ende in vehemeter Form.

Vor allem gegen Ende wird „Angel heart“ beinahe unerträglich spannend, allerdings erschien mir der Film mit seinen knapp zwei Stunden etwas zu lang. In der mittleren Phase des Films lässt man sich zu viel Zeit mit den einzelnen Schritten. Da kam bei mir stellenweise Müdigkeit auf, der Zuschauer sehnt sich nach einer Weiterentwicklung der Handlung und muss dabei sehr geduldig sein.

(SPOILER BIS ZUM ENDE ENTHALTEN) Außerdem empfand ich als Problem, dass die Horrorelemente zu kurz kamen. Das soll nicht heißen, dass es grundsätzlich in Filmen besser ist, mehr Horrorelemente zu verwenden. Aber wenn über allem der Teufel steht – denn Louis Cyphre ist kein Mensch, sondern der Teufel – dann halte ich es für sinnvoll, das in extremerer Form darzustellen. (Übrigens ist Louis Cyphre ein Wortspiel: Luzifer) Da kann es nicht sein, dass der Film großenteils wirkt wie ein stinknormaler Krimi. Der Teufel hätte mehr Platz in Anspruch nehmen müssen, dann hätte die ohnehin düstere Stimmung noch viel besser ausgeschöpft werden können.

Fazit: „Angel heart“ verbindet zahlreiche Genres: Horror, Mystery, Thriller, Krimi...dieser Mix führt zu einer einzigartigen und düsteren Stimmung, die den Zuschauer streckenweise sehr gut fesseln kann. Unterstützt wird das durch einen überragenden Score von Trevor Jones und überzeugende und namhafte Schauspieler. Schade ist, dass der Film sich im Mittelteil zu viel Zeit lässt und dadurch zu lang gerät. Außerdem wird die großteils krimihafte Darstellung nicht dem am Ende enthüllten gewaltigen Thema entgegen: Der Teufel steht hinter allem und will Harry Angel in die Hölle holen. Insgesamt halte ich 7 Punkte für angebracht. Euer
Don

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