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Regisseur Alan Parker (Midnight Express, Mississippi Burning) inszenierte diesen genialen Mysteriethriller nach der Novelle "Falling Angels" von William Hjortsberg. Parker schrieb selbst das Drehbuch und nahm gravierende Änderungen an Hjortsbergs Roman vor. Schließlich sollte sich "Angel Heart" vom Einheitsbrei abheben und kein typisches Mainstreamprojekt werden. Mit Mario Kassar und Andrew Vajna wurde ihm das nötige Kleingeld zur Verfügung gestellt, um auch an Originalschauplätzen zu drehen. New York, Harlem und New Orleans sind die Schauplätze dieses extrem düsteren Thrillers. Normalerweise waren es gerade die 80er Jahre, wo sich die Sets exotisch präsentieren, doch in "Angel Heart" ist es entweder kalt, nass oder dreckig. New Yorks Hinterhöfe und Gassen, nebst verrauchten Bars oder das ungemütliche New Orleans mit dem Voodoo Kult. Die Hauptfigur bewegt sich in einer für den Zuschauer scheußlichen Welt, die zu keiner Zeit sicher oder gemütlich wirkt. Gewollt negativ hat Parker seine Sets eingefangen, versehen mit dem rein instrumentalen und oft traurigen Score von Trevor Jones.
New York 1955: Der Privatdetektiv Harry Angel (Mickey Rourke) bekommt vom dubiosen Louis Cyphre (Robert De Niro) einen Auftrag. Er soll den schon länger vermissten Sänger Johnny Favorit finden. Doch Harry kommt nur langsam voran und jede Person von der Harry Informationen erhält, wird kurze Zeit später bestialisch ermordet. In New Orleans ist er bald der Hauptverdächtige von Det. Sterne (Elliot Keener). Durch die junge Epiphany Broudfood (Lisa Bonet) kommt Harry des Rätsels Lösung immer näher, doch die übertrifft alle Grausamkeiten.

Das war noch vor Mickey Rourks Alkohol und Drogenproblemen. Hier verkörpert er den Privatschnüffler Harry Angel. Der ist ungepflegt, läuft in kargen Klamotten herum und ist ein absoluter Zyniker. Damit setzt er besonders der Polizei übel zu, auch ist Harry alles andere als hilfsbereit. Einem drogenabhängigen Arzt, vom der er sich Information erhofft, setzt er sogar auf Entzug und droht ihn auffliegen zu lassen. Erpressung und Bedrohung, Harry hat die ganze Palette drauf, er gerät jedoch bald in eine Welt, die er nicht mehr versteht. Anfänglich ermittelt er nur in New York, doch die Wurzel der Ermittlung befindet sich in New Orleans. Eigentlich hört es sich nach einer gängigen Story an, Harry soll nur einen vermissten Schnulzensänger finden. Er fährt oder läuft von Ort zu Ort, erhält immer nur wenige Informationen, aber der Zuschauer merkt schon, dass alle Leute ihm etwas verschweigen. Keiner will auf Anhieb reden, so muss Harry erstmal drohen, was auch mal in einen Kampf ausartet. Parker legt ständig kleine Spuren, wenn man genau aufpasst, kann man die ungewöhnliche Auflösung vorher schon erahnen. Doch man ist viel zu beschäftigt dem Geschehen zu folgen, dass Harry immer tiefer in den Abgrund zieht. Auch Voodoo spielt dabei eine Rolle, besser gesagt es ist der Schlüssel. Doch vorher wird Harry mit einer brutalen Mordserie konfrontiert, die ihm zu folgen scheint. Er gerät unter Mordverdacht und auch in die Fänge der minderjährigen Epiphany. Auch muss sich Harry zwischendurch mit ein paar Schlägern anlegen, wobei Parker dies nie zu Action ausarten lässt. "Angel Heart" ist sehr gediegen erzählt, könnte zweitweise ein wenig mehr Tempo vertragen. Aber insgesamt fesselt das Geschehen von Anfang bis zum wahrlich bitteren Ende, welches einem wirklich vom Hocker haut. Ausser ein paar von Harrys Sprüchen, gibt es hier gar nichts zu lachen, in Parkers gewollt trister Welt.
Mickey Rourke ist hier in Hochform. Er hat zwar nie eine Schauspielschule besucht, doch er beweist, dass es nicht immer von Nöten ist. Er gibt eine überzeugende Vorstellung, auch ein dämonischer Robert De Niro kann das nicht überbieten. Nebst agieren noch Lisa Bonet als Epiphany, Charlotte Rampling als Wahrsagerin und Elliot Keener als Detective Stern.

Ein düsteres Meisterwerk mit tollen Darstellern und Gänsehaut-Atmosphäre. Die Story klingt zunächst einfach, mündet jedoch in einem garstigen Ende. Manchmal könnte das Erzähltempo ein wenig höher sein, doch "Angel Heart" hat keinerlei Durchhänger und ist spannend bis zum Schluss.

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