Angel Heart(1987)
Louis Cyphre(Robert DeNiro) ist auf der Suche nach einen ehemaligen "Klienten" namens Johnny Favorite. Dieser verschwand nach dem zweiten Weltkrieg aufgrund eines Traumas und keiner kann nachvollziehen, ob der Mann noch lebt oder nicht. Der heruntergekommene Privatschnüffler Harold Angel(Mickey Rourke) wird von Cyphre engagiert um das Rätsel zu lösen. Wo ist Johnny Favorite...
Alan Parker verfilmte den 1978 verfassten Roman von William Hjortsberg sehr eigenwillig. Es war nicht einfach über die letzten Jahre noch ein gebrauchtes Exemplar dieses Romans aufzutreiben. Aber ein paar Klicks hier und einen winzigen Geldbetrag später, hatte ich eine völlig zerschundene Ausgabe, die gefühlt älter war, als die erste Originalausgabe. Egal. Nach dem Genuss, und nichts anderes ist dieses Buch, steht der Film in keinem schlechteren Licht da, als vor der Lesung. Das ist eine Leistung, die nicht viele Verfilmungen inne halten.
Drehbuchautor und Regisseur Alan Parker gestaltete seine Verfilmung so, dass sie die großen Elemente des Buches einfängt, sie aber auf der anderen Seite mit enormer Eigenständigkeit abweichen lässt. Mir gefiel das sehr, da beides für sich ganz hervorragend funktioniert. Zurück zum Film. Alan Parker verstand es wie kein zweiter, einen echten Noir zu erschaffen, ohne ständig in Dunkelheit zu waten. Die drängende Hitze, das Südstaatenflair, die geniale Besetzung und die punktegenaue Leidenschaft Parker's machen Angel Heart zu einem zeitlosen Klassiker im Krimigenre.
Auch beim wiederholten Schauen von Angel Heart funktioniert der Film nicht nur über seine überaus schauderhaften Überraschungen, die einem auch heute noch absolute Gänsehaut bescheren können. Man möchte meinen, dass eine so düstere Ballade ehr an kühlen Winterabenden funktionieren sollte, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Wenn es draußen richtig schön heiß wird, drückende Feuchtigkeit die Luft durchsetzt und sich die Wolken endlos nach oben türmen zu scheinen...dann, aber dann bekomme ich richtig Lust auf diesen schwitzenden und schwülen Thriller.
Rober DeNiro als diabolischer Auftraggeber ist natürlich ein Brett an Finesse und Zwielichtigkeit. Lisa Bonet als besessenes Werkzeug der Finsternis ein Meisterstück und dann ist da natürlich noch Mickey Rourke. Was für eine großer Schauspieler. Seine Eskapaden mal dahingestellt und vergessen. Was ist Rourke doch nur für ein begnadeter Künstler. Sicher, die Rolle, das Drehbuch, die weiten Klamotten und die detailverliebten Accessoires spielen Rourke natürlich voll zu. Aber die Wandlung dieser Figur von der lockeren Schießbudenfigur zum dämonischen Besessen ist einfach ein Klassiker des Schauspiels. Der Schweiß tut sein übriges.
Über die gelungen Nebenfiguren verliere ich nichts weiter, da sie ihre Funktionen über diese eben weit erfüllen und immer wieder faszinieren. Angel Heart zeigt, wie sehr alles zusammenpassen kann. Hier greift einfach alle ineinander und nichts wirkt wie Stückwerk. Heutigen Genrekennern dürfte bei der Erstsichtung sicher eine gewisse Vorhersehbarkeit auffallen, aber im Gegensatz zu beliebigen 08/15 Krimis funktioniert Angel Heart einfach auf so vielen Stockwerken, dass es egal scheint, wo der symbolische Fahrstuhl sein ziel findet.
Where is Johnny Favorite and who is Johnny Liebling..."The Girl of my dreams" wäre ein ziemlich eleganter Klingelton...9.5