Zwischen den Hollywoodfilmen „Mimic“ und „Blade 2“ inszeniert Guillermo del Toro noch ein kleines, eigenständigeres Projekt: Den Geisterfilm „The Devil’s Backbone“.
Del Toros Geisterfilm ist eine Art Vorläufer seines oscarprämierten „Pans Labyrinth“, denn auch hier werden ähnliche, dem Regisseur wichtige Themen verhandelt: Schwere, vaterlose Kindheit, das noch vor dem Hintergrund des spanischen Bürgerkriegs, verquickt mit dem Übersinnlichen. Hier kommt der kleine Carlos (Fernando Tielve) in ein Waisenhaus, während sich die aufziehende Gewalt bereits als drohender Schatten am Hintergrund abzeichnet.
Zwischen den rauen Kindern und den überforderten bis verständnislosen Erwachsenen kommt Carlos nur langsam klar – und dann entdeckt er auch noch einen Geist. Bald merkt er, dass dieser etwas von ihm möchte…
Der Probelauf für „Pans Labyrinth“ ist wie gesagt eine gute Bezeichnung für „The Devil’s Backbone“, doch an das Fantasymärchen von 2006 kommt er nicht heran. Zwar zeigt sich bereits hier del Toros sichere Hand, die den Film trotz kleiner Mittel stilsicher inszeniert. Die wenigen Effekte des Films sind gelungen, bereits die verspielt wirkenden Credits schaffen eine gewisse Märchenatmosphäre und auch sonst ist „The Devil’s Backbone“ stimmig gemacht. Nur die verschiedenen Ebenen seiner Geschichte bekommt del Toro nicht unter einen Hut.
So ist der Plot um den Krieg sicher ein Anliegen des Regisseurs, im Gegensatz zu „Pans Labyrinth“ ist er aber fast komplett unwichtig für den Plot, da mag noch so mahnend eine nicht detonierte Bombe im Hof des Waisenhauses im Boden stecken. Del Toro bemüht sich zwar die Androhung von Krieg und Gewalt bedrohlich zu halten, was ihm teilweise auch gelingt, in dieser recht langsam erzählten Geschichte aber nur mäßig Wirkung entfalten kann.
Unter der inhärenten Langsamkeit von „The Devil’s Backbone“ leidet auch die Geistergeschichte ein wenig. Sicher ist man froh, dass nicht einfach die „The Sixth Sense“-Aufklärung kopiert wird, wie es zur Entstehungszeit durchaus en vogue war. Doch für Grusel sorgt „The Devil’s Backbone“ nur selten – wobei dies immerhin im letzten Filmdrittel durchaus Sinn macht. Hier stellen sich nämlich nicht der Geist, sondern mehrere Erwachsene als fatalistische Kraft heraus, was zu einem rohen, auf harte Weise ehrlichen Finale führt, das nicht alle Beteiligten überleben.
Insofern funktioniert „The Devil’s Backbone“ am ehesten als Drama über das Erwachsenwerden Carlos’. Dieser muss schnell lernen sich zu behaupten, wobei er auch den Geist bald eher wie einen anderen Jungen aus dem Heim behandelt (was er früher ja auch war). Tatsächlich verkauft del Toro seine Geschichte ziemlich gefühlvoll, obwohl man vergleichsweise wenig über Carlos erfährt. Auch die Beziehungen der Heimbewohner sind komplex wie interessant, wenngleich eine Figur des Films sich leider im letzten Drittel klischeehaft und eindimensional geben muss, um als simpler Fiesling herzuhalten.
Die darstellerischen Leistungen sind dafür alle von ausnahmsloser guter Qualität, auch bei den Kinderdarstellern. Vor allem Fernando Tielve kann in der Hauptrolle wirklich Tolles vollbringen und die Situation seiner Figur glaubhaft rüberbringen – was bei dem Fokus auf die Hauptperson auch eine gute Idee ist.
So erkennt man del Toros Vision schon in „The Devil’s Backbone“, doch in „Pans Labyrinth“ sollte er sie gelungener umsetzen. Seinem Geisterfilm fehlt es inhaltlich an einer klaren Linie und trotz der gelungenen Inszenierung ist er etwas zu langsam – dank des eingängigen Finales aber überdurchschnittliche Kost.