In der berühmten Samurai-Schule "Buch der fünf Ringe" heisst es: "Es ist nicht gut wenn aus einer Sache zwei werden." (Ghostdog zitiert das...) aber im Fall von Iwai's "Love Letter" ist es ein Glücksfall. Wenn die eine verlorene Liebe, die andere verlorene Liebe triggert ist das nömlich ein Rührstück sondergleichen!
Um die wahre Tiefe dieses leisen Liebesfilms zu verstehen ist es nötig, tief in die Beziehungspsyche Nippons ein zu tauchen. Dass der Ausdruck von Gefühlen von der japanischen Gesellschaft als kritisch beurteilt wird und sie in der Adoleszenz besonders heftig sind, bringt die jugendlichen Verliebten in grosse Not und Verlegenheit. Das kann in unzäligen japanischen Filmen miterlebt werden und als Westler kann einem diese schambesetzte Schüchternheit nahezu zur Verzweiflung treiben. Aber im vorliegenden Fall macht gerade das den Reiz und die bittersüsse Melacholie des Filmes aus. Es ist auch offensichtlich, dass er für ein japanisches Publikum gemacht ist und daher nur für "japanophile Ethnologen" von Interesse ist umsomehr er mit urjapanischem Lokalkolorit nur so gespickt ist.