Zum Thema „Gefüllte Lücken“ widme ich mich jetzt mal kurz einer, die das Leben bzw. der Film mit der Axt schlug. Neulich die kurze Zeit zwischen Serienabend und komatösem Nachtschlaf noch für 75 schnelle Minuten aus der Psychokiste genutzt und das hieß, sich endlich und präfinal den legendären „Dementia 13“ einzupfeifen, der seinen Bekanntheitsgrad auch hauptsächlich der Tatsache verdankt, dass die Jungs von AIP diesem komischen italienischen Newcomer namens Francis Ford Coppola einen Regiestuhl unter den Podex stellten.
Was daraus wurde, ist natürlich Filmgeschichte, aber so ein kleines, fieses Frühwerk ist ja auch nicht zwingend zu verachten. Denn Coppola hat hier genau gewusst, was er tat, als er ein Grüppchen relativer Unbekannter auf dieses eindeutig von „Psycho“beeinflusste „murder mystery“ losließ und es dann noch mit europäischer getönter Schwarz-Weiß-Photographie veredelte.
Zunächst einmal wäre die Chuzpe des Skripts beachtenswert, denn man mit einem „cold open“ startet, bei dem ein sich angiftendes Pärchen wider besseren Sinnes in ein Ruderboot steigt und über Familienzwistigkeiten streitet (die durchaus geldgierige Gattin findet nicht ausreichend Anerkennung), bis der Gattergötte per Herzinfarkt dahinschwindet. Flugs versenkt sie ihn patent im See und täuscht eine hastige Arbeitsreise vor, damit sie noch ein paar der Familienmatriarchin Honig ums Maul schmieren darf.
Leider ist die Dame des Hauses schwer auf Matrone, leidet sie nach dem Tod durch Ertrinken ihres Töchterchens vor einigen Jährchen an einem schweren Dachschaden und wünscht sich stets zum Jahrestag ein kleines Begräbnisritual. Was läge da also näher, als der alten Dame vorzugaukeln, das holde Kind würde sich jetzt aus dem Jenseits melden. Also klaut Louise diverse Spielzeuge, die sie zeitverzögert im Schlossteich auftauchen lassen will, so dass Madame die Hutschnur endgültig reißt. Dumm daran sind nur zwei Dinge: erst präsentiert sich ihr beim Tauchgang das tote Kindelein dar, auf den Seegrund gebettet und dann macht ein dunkler, böser Mensch aus Louise beim Entsteigen des Gewässers mittels einer Axt Kleinholz. Bates Motel, anyone? Der typische Abschied der vermeintlichen Hauptdarstellern nach knapp der Hälfte der Laufzeit, just nach einem visuellen Zitat aus Charles Laughtons „Night of the Hunter“.
In der Folge kann sich der Film dann nicht mehr recht entscheiden, wem seine Aufmerksamkeit gelten sollte: die Familienpatriarchin zu hinfällig, der eine Sohn zu brav, der Andere zu rabiat, die hübsche Ehefrau zu weich und der immer mehr ins Zentrum rückende Familienarzt ist zwar ein guter Augenroller, aber ein sehr schleppender Detektiv.
So geht denn auch der Mischmasch aus Herumschleicherei im Dunkel, Träumen aus der Vergangenheit und bissigen Wortwechseln gegen Ende in der Beliebigkeit verloren, die die erste Hälfte komplett ausließ.
Und da merkt man „Dementia 13“ (was ist jetzt genau aus den ersten 12 geworden?) dann auch die Ungeschliffenheit an: die Dialoge sind nicht rund, die Figuren nicht richtig doppelbödig, das Mysterium nicht sonderlich kompliziert.
So strandet der Film auf halben Weg vom Edgar Wallace zum Giallo, indem immer mal wieder jemand mittels des beachtlichen Spaltwerkzeugs der Löffel abgeben muss, verdichtet sich aber nie zu einem nachvollziehbaren Psychogramm und vermag auch nicht, das gallige Treiben mit etwas schwarzem Humor bekömmlicher zu machen.
Immerhin: der Regisseur wusste offensichtlich wie es geht. Schöne, gruftige Sets englischer Bauart, dazu die sehr italienisch anmutenden hell ausgeleuchteten Schlossbauten bei Nacht gegen die umgebende lackschwarze Finsternis, bemerkenswerte Außenszenen bei (echter!) Nacht.
Dass am Ende der Mörder auf die bloße Behauptung hin, er sei es gewesen, die Fassung verliert, lässt den Film zwar ohne größeren Knalleffekt enden, aber das soll diesen kleinen, aber feinen Film nicht komplett madig machen, vermeidet er doch nach Kräften Langeweile durch ein Übermaß an Atmosphäre.
Nur mit den Charakteren und Dialogen kann er nicht wirklich punkten, aber es reicht im B-Bereich für 6,5/10.