Ein einst überzeugter SS-Mann versucht in Wien unter zu tauchen, als Nachtportier hält er Kontakt zu einer Gruppe einflussreicher, ehemaliger Nazis. Sie tragen dafür Sorge, dass ihre Vergangenheit unaufgedeckt bleibt. Notfalls werden mögliche Zeugen schnell beseitigt. Dieser "Reinigungsprozeß" stört den Nachtportier solange nicht, bis ihm eine einstige KZ-Gefangene wieder erkennt. Die beiden verbindet eine viel engere Beziehung als alle geahnt hätten. Schon bald stehen beide in der Schusslinie.
Zuerst der Roman, dann auch der Film schockierten das Publikum anfang der Siebziger. Die Menschen glaubten sich in trügerischer Aufgeklärtheit, als ein junge italienische Regisseurin gleich ein Reihe unangesprochener Kontroversen verknüpft: Sex, Nazis, Gewalt, Orgien, Homosexualität, mächtige und unbehelligte SS-Größen mitten unter uns, und dabei geht es doch nur um die Liebe!
Zugegeben, die Bedingungen der Romanze sind etwas provokant, aber die Vorwürfe von Pornographie und Nazikult sind natürlich völlig absurd. Stattdessen bekommt man eine ruhige, doch emotionale und manchmal bildgewaltige Inszenierung mit teils klischeehaft verteilten Rollen, viel Offenheit und interessanten Charakteren geboten. Die guten Darsteller runden das Werk ab, bei dem es wirklich Schade ist, dass sein Aussenseiterstatus es arg selten gemacht hat.
Die deutsche Fassung ist ungekürzt, es gibt schließlich auch keine Gewaltszenen, aber wissen kann man hier nie.
Fazit: Diskussions-, aber nicht fragwürdige Aufarbeitung einer unbequemen Problematik: Sind Nazis auch Menschen?
Härte: 4 von 10
Gesamteindruck: 7 von 10