The Take - Zwei Jahrzehnte in der Mafia ist ursprünglich eine vierteilige britische Miniserie, die für die DVD-Veröffentlichung zusammengeschnitten wurde. Dies ist aber so gut gelungen, dass man als Zuschauer die ursprünglichen Einzelteile nicht mehr wahrnimmt, sondern dem Filmmit seinen nun gut drei Stunden epischer Länge ohne Unterbrechung folgen kann.
Und was man da geboten bekommt, geht unter die Haut. Selten habe ich eine unsympathischere Figur kennen gelernt als den ehemaligen Sträfling Freddie Jackson, dem man schon recht bald einen schnellen Tod wünscht, so boshaft und gemein verhält er sich seiner Umwelt gegenüber, so egoistisch und brutal verfolgt er im Film seine eigenen Interessen.
Freddie Jackson hat im Gefängnis Kontakt zu dem legendären Paten Ozzy geknüpft. Als er freigelassen wird, soll er sich dessen Verbrecherorganisation anschließen und dem Paten Bericht über deren Tätigkeiten mitteilen. Doch Freddie hat da schon andere Pläne. Er träumt davon, sich zusammen mit seinem Cousin Jimmy an die Spitze des Syndikats zu setzen und endlich das Geld zu machen, mit dem er seine Familie und seine vielen Affären nebenbei unterhalten kann. Dafür legt er sich mit Ozzys „Statthalter" Siddy an und tötet diesen. Sein Plan scheint aufzugehen, er beginnt sogar eine
leidenschaftliche Liebschaft mit der Schwester des eingesperrten Paten. Als er
sich in seinen Methoden als zu brutal, im Umgang mit Drogengeschäften als zu einfältig zeigt, wird er von Ozzy ausgebootet. Dieser setzt alles auf Jimmy,
Freddies Cousin. War dieser bisher die einzige Person, der Freddie vertraut
hat, wächst nun seine Wut und er beginnt dessen Leben und Geschäfte zu
zerstören. So vergewaltigt er Maggie, Jimmys Frau, die gleichzeitig seine
Schwägerin ist, ist er doch mit Jackie, ihrer Schwester, verheiratet. Aus
dieser Vergewaltigung resultiert eine Schwangerschaft. Maggie verheimlicht
ihrem Mann, dass der Junge Freddies Sohn ist. Um seine eigene Familie kümmert sich Freddie nur nebenbei, Affären und Liebschaften sind ihm wichtiger. Als sein Vater aber selber eine Affäre hat und zu der jüngeren Frau zieht, schlägt ihn sein Sohn krankenhausreif. Freddies eigener Sohn, Freddie jun., fühlt sich vernachlässigt und beschließt sich an seinem Cousin, der mehr Liebe von seinem Vater erhält, zu rächen und tötet diesen. Die Ereignisse spitzen sich weiter zu, denn sowohl Freddie als auch Jimmy beschließen den jeweils anderen bei nächster Gelegenheit umzubringen...
Gewalt gegen die Eltern, Vergewaltigung innerhalb der Familie, ein Kind verübt einen Mord an einem anderen Kind - bei „The Take" muss der Zuschauer schon einiges ertragen. Trotzdem ist es ein sehenswerter Film, der vor allem von seinen hervorragenden Schauspielern lebt, denen man die
Charaktere, die sie verkörpern stets abnimmt.
Allen voran ist da natürlich Tom Hardy zu nennen, der den Soziopathen Freddie Jackson mimt und zur Projektionsfläche für die sich beim Zuschauer sich steigernde Wut wird. Wie schon gesagt, selten ist mir eine fiktive Figur unsympathischer gewesen als bei diesem Film. Allein in der Liebe zu dem bei der Vergewaltigung gezeugten Sohn, bekommt dieser Charaktere eine
Seite, darf Tom Hardy die Rolle des Ekels ablegen.
Aber auch die anderen Schauspieler machen mehr als eine gute Figur, sei es Shaun Evans als Jimmy, Charlotte Riley als Maggie, die Frau Jimmys, Kierston Wareing als Jackie, die Frau Freddies und Maggies Schwester, oder Brian Cox als Ozzy, dem Paten.
Regisseur David Drury und sein Team machen einen guten Job, die Settings, die Charaktere wirken echt - man taucht als Zuschauer in eine Welt ein, von der man hofft, dass es sie nicht geben möge. Womit will man den Film vergleichen? Mit „Es war einmal in Amerika" oder „Goodfellas"? Ich denke,
dieser Film steht für sich. Er ist sicherlich sehenswert, wenngleich ich erst
einmal genug von dem Film habe - er geht halt doch zu sehr unter die Haut.