Crime Unit Inspector Sam Lam [ Leon Lai ] ist seit mehreren Jahren hinter dem Waffenschmuggler Wong Po [ Terence Yin ] und dessen älterem Bruder Wong Fung [ Richard Sun ] her und verlor dabei gerade seinen eingeschleusten Undercover. In einer ausgearteten Polieziaktion kann er Wong Po dingfest machen und durch seine Freundin, Staatsanwältin Ann [ Asaka Seto ] auch für 5 Jahre hinter Gittern bringen. Der Erfolg wird bei einer Reise nach Paris gefeiert; kurz nachdem Sam seiner Ann einen Antrag macht, wird sie erschossen...
Wer mal sehen möchte, was Andrew Lau [ Stormriders, A Man called Hero, Avenging Fist, Wesley Mysterious File ] ohne eine Effektschmiede im Rücken zustande bringt, wird bei Bullets in Love durchaus auf seine Kosten kommen; das gleiche gilt für die Fanklientel von sowohl Leon Lai als auch Asaka Seto. Der Rest schaut wahrscheinlich eher in die Röhre; ausgenommen noch die hartnäckigen Verehrer von Romanzen und/oder Tragödien.
Denn wer nach dem Titel und der Prämisse einen halben shoot'em up erwartet, darf sich mit Anfang und Ende begnügen.
Dabei startet man als reiner Polizeithriller mit Einigem an Ausgangsmaterial: Attentat auf offener Strasse. Razzia im Nachtclub. Schiesserei, Verfolgung im Regen, Gefangennahme. Gerichtsverhandlung, Verurteilung.
Ist zwar von der Inszenierung her nicht die Welt, aber doch rasant, nicht unkinetisch gehandhabt und überraschenderweise auch etwas ergiebiger. Würde besser funktionieren, wenn die Bad Guys nicht so hemmungslos chargieren würden, aber sieht schon allein vom Budget her nach etwas mehr aus und eröffnet auch erstmal mehrere Möglichkeiten für den Fortgang.
Dass sich Autor Chan Sap Sam für die Langsamste der Optionen entscheidet, ist Pech; da es den Film spätestens nach dem Tod von Ann und der Selbstfindungskrise von Sam eher ziehend macht.
Zwei Jahre sind vergangen. Er hat noch sichtlich dran zu knabbern; hat sich auf die Fischerinsel Lantau zu seinem Onkel Ox [ Michael Chan Wai – man ] zurückgezogen, segelt aufs Wasser hinaus, fischt und trinkt.
Bis er Ann wiedersieht, die aber You heisst und nur japanisch spricht.
Er verliebt sich erneut in die bis auf kleinste Details ähnliche Frau; sie auch in ihn, hat aber ein Geheimnis.
Die Vergangenheit kommt wieder, die zweite Chance vielleicht; aber nicht nur die Abschnitte, die man gerne neu erleben würde, sondern auch die negativen Aspekte.
Klingt spannend und vielleicht auch ergreifend und ist es selten, da viel zu sehr in Stein gemeiselt wird. Es ist dann auch nicht das Schlimmste, dass alles zu vorhersehbar ist; sondern dass je weniger Geschichte vorhanden ist, desto breiter sie gestreut wird. Wobei die Voraussetzungen für ein aufwühlendes Actiondrama zwar da sind und auch registriert werden, man sich aber komplett darauf setzt und trotzdem nicht auf den Punkt kommt:
Gleich beide Liebesepisoden werden episch lang ausgeschlachtet, bekommen gleich viel Zeit zugestanden und werden in zurückhaltender Affektiertheit auch genauso gespielt. Man tut alles sehr behäbig, als wenn etwas kaputtgehen würde, wenn man sich mal schneller als die Zeitlupe bewegt. Auch wenn das einzig Aufregende im Leben das Verändern der Instant Nudelsuppe ist, wird dies in penetranter Genüsslichkeit getan und so ständig auf ein imaginäres Podest gehoben.
Und zumindest die zweite love story beruht auf dem sehr unwahrscheinlichen Faktor der vollständigen Similarität der Personen und gehört dadurch schon von vornherein in das Reich der Märchen; beim besten Willen.
Abgesehen von diesem Trugschluss vergisst man dann alles Notwendige für eine richtige Erzählung; da kann selbst der rasante Einstieg und einige proper angesprochenen Elemente nicht mehr alles retten. Und man hat schon wieder einen Film, der bei einem anderen Regisseur als Lau eher besser aufgehoben wäre. Einem, der nicht so gestelzt, so gezwungen arbeitet. Der nicht nur so tut, als würde er fühlen, sondern wirklich bei der Sache ist. Cheang Pou Soi hat bei Love Battlefield mit viel weniger Mitteln viel mehr viel glaubhafter erreicht.
Lau als Kameramann gibt sich zumindest alle Mühe, die Szenerie im Postkartendorf Tai-O dementsprechend abzufilmen; Hand in Hand wird dem örtlichen Touristenführer mit dem Besuch der Tian Tan Statue und dem Cheung Sha Strand genauso zugearbeitet, wie man es vorher mit seinem französischen Kollegen in der Stadt der Liebe getan hat. Über dem Reisekatalog wird allerdings jede Intensität vergessen. Spaziergänge, ein Kickerspiel gegen Kinder, Sprachübungen und Händchenhalten und wieder Fischen und Trinken [nur diesmal in Gesellschaft] zählen nicht so richtig als vollwertige Komponenten der Narration.
Und auch in anderen Produktionen – oder gleich im realem Leben - sieht man schöne Sonnenuntergänge, warum sollten die hier interessanter sein ?
Abgesehen von dem nicht ganz unattraktiven Pärchen, wobei Leon Lai natürlich wieder arg hölzern ist und Asaka Seto unbedingt auf Englisch ausweichen muss, sind auch alle anderen Charaktere schlichtweg unnötig. Weswegen man an den Figuren so gar kein Interesse entwickelt und man auf Füllmaterial dieser Art gerne verzichtet hätte. Es vergeht einfach viel zu viel Zeit für das Drumherum, dem Unwesentlichen.
Die Austragung einer vielleicht/vielleicht nicht - Heirat unter zwei geistig Behinderten ist ja ebenso löblich wie die Unterbringung einer fünfköpfigen Möchtegern One – Hit – Wonder Band unterm Dach, aber was bringt dies der Geschichte und wer will das sehen ?
Sogar eine reine Konzentration auf die Annäherung der beiden Liebenden wäre sehr wahrscheinlich viel besser gewesen, da das soziale Umfeld nichts Neues ergänzt und deren Problemchen und Witzchen das Tempo nur noch mehr verzögern. Die einen schauen mehr als sie reden, die anderen schnattern dafür umso extremer, aber nur Belangloses. Dort entwickelt sich eigentlich genauso wenig wie zwischen den pretiösen Hauptpersonen, wird aber trotzdem bebildert; alles hübsch zwar, aber halt nur eine leere Luftblase. Wenn der Stoff für ein Skript nur für den ersten und dritten Akt reicht und es mittig komplett durchhängt, muss man sich halt etwas anderes einfallen lassen als nur Bekanntes wieder zu erzählen, in den Hauptpunkten hier und da mal Shiri zu zitieren und gleichermassen auf Beyond Hypothermia und Moonlight Express zu schielen.
Sind zwar nicht die schlechtesten Verbindungen, aber dann ist man besser dran, gleich die zu schauen.
Bullets of Love bemüht sich zwar, hat einige gelungene Punkte, aber wirkt im Gesamtkontext überhaupt nicht. Was nicht nur an zuviel Liebe und zu wenig Kugeln liegt.