Einer der letzten Produktionen von Cinema City Company, die die HKer Filmlandschaft während ihres knapp zehnjährigen Bestehens in den 80ern stark geprägt hat. Der Publikumsgeschmack wurde anfangs mit Komödien wie All the Wrong Clues bedient und in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts mit Bloodshedfilmen der Sorte A Better Tomorrow verändert; das Actiondrama Chicken à la Queen gehört eher zu dem letzteren Genre und schliesst sich thematisch eng an Lawrence Ah Mon's Queen of Temple Street [ auch 1990 ] an. Der Schauplatz ist derselbe, die berühmt - berüchtigte Strasse im dicht bevölkerten Stadtteil Yaumatei, die tagsüber als Umschlagplatz für billige Waren herhält und sich mit Einbruch der Dunkelheit in ein Milieu von Triaden, Zuhältern und Nutten umwandelt. Der Film verlässt die Location auch nur kurz gegen Ende, als eine der Beteiligten endlich mal frische Luft atmen möchte und man mit letzter Kraft auf einer Strassenkreuzung ausserhalb des gewalttätigen und schmierigen Viertels zusammenbricht.
Lam Pik Seng, genannt PS [ Sarah Lee ] ist erst 17, aber hat bereits vor 5 Jahren ihren ersten Job als Hure erledigt. Sowieso verlief ihr Leben bisher nicht nach geordneten Bahnen, aber die Zukunft schien ihr bereits von Geburt an in dem Territorium vorausbestimmt zu sein; auch ihre Mutter ging anschaffen. Als Kind wurde sie einmal zusammengeschlagen, seitdem ist sie taub; dass Sozialamt griff sie dann auch und steckte sie zum Erlernen von Lippenlesen in ein Heim für Hörgeschädigte. PS charakterisiert sich selber als eine Person, die ausser dem Jungfernhäutchen und Trommelfell alles besitzt, dabei hat sie aber gar nichts, worauf sie aufbauen kann. Auch aus der eher noch behüteten Schule fliegt sie raus, weil sie die Fummeleien eines Mitschülers auf der Toilette nur bis zu einem bestimmten Grad über sich ergehen lässt und dieser sie beim Direktor anpetzt.
Mit dem erneuten Landen auf der Strasse startet der Film, hat aber bereits zwei Punkte angeschlagen: Jeder staatliche Eingriff in die Handlung geht ab nun an nur noch von der Ultima Ratio der Polizei aus, Resozialisierung oder Prävention der Geschehnisse wird ab sofort ausgeblendet. Die Tatsache, dass Mitschüler und Direktor natürlich männlich sind und hierbei im Einzelfall über das Leben von PS entscheiden können zieht sich ebenfalls durch den gesamten Film; Zuhälter und Kunden sind der dominierende Faktor im Leben von PS.
Ihrer besten Freundin PK [ Loletta Lee ] ergeht es nicht besser, sie hat zwar in Ah Long [ Roy Cheung ] so etwas wie einen festen Freund, aber liess auch gerade abtreiben, nicht zum ersten Mal und immerhin bereits im 3ten Monat. Den medizinischen Eingriff hat PS von geborgten Geld bezahlt, Zuhälter und Kredithai Xiyancai [ Kwok Yiu Wah ] will die Kohle schnellstmöglich zurück und prügelt dafür seine "Chicken" auch schon mal zum nächsten Einsatzort.
Während man den Geschehnissen der beiden "Twin Phoenix" folgt, wird mit dem Polizisten Mak Ka-Shing [ Shing Fui On ] die andere Seite des Gesetzes eingeführt, allerdings gleich bei einer Handlung, die zu spät kommt und nicht den geringsten Nutzen aufweist; was den Hauptbestandteil seiner Arbeit charakterisieren soll. Zwei streng abgetrennte Personenschichten zeichnen die Bevölkerung, man bleibt unter sich, klärt seine Probleme auf eigene Art; der Gesetzesvollstrecker kann nur aufräumen und Protokolle aufnehmen. Mak ist ebenfalls in der Gegend geboren und seine Mutter war ebenfalls Hure, seine Freundin war Hure, seine 18jährige Tätigkeit als Staatsdiener hat allgemein nichts verändert und wenig gebracht.
Als Xiyancai immer mehr Ärger mit seinen Angestellten kriegt, sich sowohl Ah Long als auch Mak einmischen und er von oben geschasst wird, eskaliert die Situation.
Nun hat der Film sicherlich auch einige Actionszenen, die in herkömmlicher Weise mit Stunts, Martial Arts und Verfolgungsjagden arbeiten; das Meiste ist aber in extremen Naturalismus inszeniert worden und passt sich damit exakt der durchgehenden ungeschminkten Atmosphäre an. Es wird auf Direktheit statt verklärender Melodramatik gesetzt; die Stimmung ist brutal und im filmischen Kontext realistisch. Bei den sehr häufigen Auseinandersetzungen kann einem schon Angst und Bange werden, wie die Figuren mit kochendem Wasser, offenen Feuerstellen oder Schlagwerkzeugen hantieren; es wird auch im Notfall zu allem gegriffen, was nur in der Reichweite ist.
Nur leider besitzt der schematische Aufbau ab einem bestimmten Punkt nur den gleichen, sich ewigwiederholenden Vorgang von zuerst verbaler und dann tätlicher Aggression, die sich dann in ungeschönter Weise in einem stetigen Kreislauf zu steigern scheinen; ohne aber etwas Neues hinzuzufügen. Die Gewaltspirale setzt sich fort, ohne aber neue Kenntnisse zu liefern oder gar einen fortschrittlichen Prozess bei den Figuren auszulösen, die nichts dazulernen. Die wenigen leisen Zwischentöne verlieren sich in einer Collage von Schlägen, Blut, und Geschrei, wobei sich die anfänglich aufgebaute Intensität durch das Übermaß beinahe umkehrt.
Das wirkt sich leider auch auf die Arbeit der Darsteller aus. Sie bleiben überzeugend, aber auf die Dauer durch die gleichartigen Aktionen und den ewigen Schwall an Niederknüppeln und Wiederaufstehen nicht emotional greifbar genug. Da macht es nicht einfacher, dass einige wenige Episoden leicht zu sehr ins Humoristische, fast Parodisierende abtrifften; als kompletter Kontrast zum Hauptschema schon wieder extrem unwirklich.
Inwieweit neben Erstlingsregisseur Lee Hon Tiu Clarence Ford als Produzent und angegebener Co- Regisseur die Inszenierung beeinflusste, entspricht leider nicht der Kenntniss. Fakt ist, dass Ford für eine ganz andere Stilrichtung bekannt ist, sowohl auf formeller als auch materieller Ebene.
Fakt ist aber auch, dass Fords Anfangsfilme wie On The Wrong Track [ 1983 ] das selbe Problem des over the top Nihilismus hatten und auch dort schon direkt eine Welt ohne Zukunft porträtierten. Das Ende hier möchte bei viel Optimismus einen Hoffnungsschimmer bereithalten, so richtig glauben kann man das aber nicht. Dafür ist einfach zuviel passiert; ein Motto, dass die Filmemacher auch hätten beachten sollen. Trotzdem durchaus einen Blick wert.