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Obwohl der Film auf Ideen des japanischen Meisterregisseurs Akira Kurosawa basiert, nahm sich ausgerechnet die B-Filmschmiede Cannon der Produktion von „Runaway Train“ an.
Buck (Eric Roberts) ist ein impulsiver Jungspund, der in einem Knast in Alaska einsitzt. Sein Idol ist Manny (Jon Voight), der halsstarrigste der Gefangenen, der sich stets mit dem sadistischen Direktor Ranken (John P. Ryan) anlegt. Dieser will Manny fertig machen, hat ihn bereits extrem lang in Einzelhaft gesteckt, doch seinen Willen immer noch nicht gebrochen. Im Gegensatz zu vielen artverwandten Filmen ist der Direx hier allerdings der einzige Sadist, während die Wärter des Knastes allesamt ziemlich normal rüberkommen.
Manny denkt nur an Flucht, spannt Buck für diesen Plan ein und flieht gemeinsam mit ihm. In dem Wissen, dass der Direktor sie erbarmungslos hetzen wird, beeilen sie sich aus der lebensfeindlichen Schneelandschaft herauszukommen. An einem Bahnhof verstecken sie sich in einem Zug aus vier Loks, der noch Wagons ankuppeln soll. Doch als der Zug losfährt, erleidet der Zugführer einen Herzinfarkt und der Zug rast führerlos aus dem Bahnhof. Da strapaziert Filmgott Zufall die Glaubwürdigkeit bis an ihre Grenzen, doch sorgt immerhin für ein interessantes Szenario, das auch „Speed“ inspiriert haben dürfte.

Die beiden Häftlinge ahnen noch nichts von ihrem Schicksal, während die Bremssysteme des Zuges ausfallen und die Fahrt nicht mehr zu stoppen scheint. Derweil hat der Direktor die Idee, dass sie eventuell auf dem Zug sein könnten...
Die Höllenfahrt des Zuges ist nicht nur ein Actionthriller, sondern auch ein zwischenmenschliches Drama: Buck ist ein impulsiver Heißsporn, der Manny bewundert, aber sehr schwankend ist. Manny hingegen hat einen ziemlichen Menschenhass entwickelt und zeigt nur gelegentlich seine netten Seiten, verschafft sich jedoch stets durch seine Härte Respekt. Streitereien, Versöhnungen und relativ interessante Diskussionen zwischen den beiden ist die Folge, womit „Runaway Train“ mehr Dramatik und Hintergrund als die meisten anderen Cannon-Filme entwickelt. Nur Mannys überzogener Ausraster gegen Ende und Bucks teilweise nervige Weinerlichkeit berauben den dramatischen Part gelegentlich seiner Glaubwürdigkeit, doch ansonsten überzeugt „Runaway Train“ auf der zwischenmenschlichen Seite.
Auf der reinen Actionebene ist „Runaway Train“ straight und zielstrebig. Überraschende Wendungen gibt es nur wenig, in erster Linie ist das Ende noch ungewöhnlich. Für Eindruck sorgen vor allem die weiten Landschaften und die Schneepanoramen, durch welche der „Express in die Hölle“ durchdonnert, sowie die Action. Diese ist zwar nicht übermäßig spektakulär und nimmt nie überhand, doch bietet einige gut getrickste Eisenbahnszenen (Überfahrt über eine wackelige Brücke, Rammen eines Wagons) sowie einige sehr gute Stunts beim Herumklettern auf der Lok.

Doch mit Detailschwächen hat „Runaway Train“ an mehreren Punkten zu kämpfen. So vermeidet man in den Knastszenen zwar Klischees, die dann aber an anderer Stelle auftreten: Im Bahnbüro sitzen eine nägellackierende Schickse und ein Playboy-lesender Schwarzer, deren Tranigkeit das Unglück erst noch verschlimmert, der Schwarze darf dann später noch in Klischee-Aktionen wie Dauerplappern und den-Kopf-verlieren verfallen. Auch der Direktor wird im Mittelteil fast ausgeblendet, um dann im letzten Drittel auf einmal wieder total motiviert zur Tat zu schreiten, als ob sein Elan zwischendurch mal eingeschlafen wäre.
Schauspielerisch macht vor allem Jon Voight eine sehr gute Figur als verbitterter Häftling mit gutem Kern, doch auch Eric Roberts ist nicht schlecht. Vom Drehbuch her ist seine Figur zwar etwas sprunghaft zwischen enthusiastisch und weinerlich angelegt, aber er macht das Beste daraus. Auch die Nebendarsteller, vor allem Rebecca De Mornay und John P. Ryan, machen einen guten Job. Als Boxgegner für Buck darf auch Danny Trejo auftreten, der (wie so oft) natürlich ordentlich eingeschenkt bekommt.

„Runaway Train“ ist zwar kein Überfilm, doch eine gute Mischung aus Action und Drama mit stimmigen Landschaftsaufnahmen. Ein paar Klischees und Temposchwierigkeiten verhindern zwar den großen Wurf, aber für gute Unterhaltung mit etwas Tiefgang ist gesorgt.

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