Eric Roberts und Jon Voight spielen zwei Häftlinge, die in Alaska aus einem Gefängnis ausbrechen und auf einen Zug mit mehreren gekoppelten Lokomotiven aufspringen. Als der Zugführer jedoch durch einen Herzanfall stirbt, rast der Zug ungebremst über das Schienennetz von Alaska. Während die Mitarbeiter des Bahnunternehmens versuchen, den Zug über verschiedene stillgelegte Strecken zu manövrieren, sitzt den beiden bereits der sadistische Gefängnisdirektor im Nacken.
Es ist wirklich schwer mit einem Mindestmaß an Handlung eine dermaßen tiefe Charakterkonstruktion zu erreichen und gleichzeitig so viel Spannung aufzubauen wie "Express in die Hölle". In dieser Hinsicht ist der Film wirklich genial. Die Charakterkonstruktion ist die große Stärke des Films und lässt den fortwährenden Konflikt der beiden Hauptpersonen auf einer emotional überaus vielschichtigen Ebene ablaufen. Voight spielt dabei einen überaus kantigen Gangster, den laut den anderen Charakteren nichts mehr von einem Tier unterscheidet. Mit seiner trockenen und verbissenen Art ist er dennoch relativ sympathisch, zumal der Film die Grenzen zwischen Gut und Böse auf geniale Art verschwimmen lässt. Eric Roberts spielt den wesentlich menschlicheren und humaneren Gangster, der sich die ganze Zeit über gegen Voight behaupten will, sich aber dennoch im Klaren darüber ist, dass er auf diesen angewiesen ist. Die Handlung an sich ist dabei nicht einmal im Ansatz komplex, beinahe banal, aber die wenigen Wendungen können so gut zünden, dass der Film dennoch die ganze Zeit über spannend und unterhaltsam bleibt.
Andrej Konchalovski leistet nach einigen russischen Produktionen in Amerika erneut gute Arbeit und setzt den Film gekonnt in Szene. Er kann die ganze Zeit über eine gespannte Atmosphäre aufrechterhalten, zumal der ungebremste Zug die perfekte Ausgangssituation dafür darstellt. Die Filmmusik ist entsprechend gespannt und schnell. Darüber hinaus fotografiert Konchalovski die Kulisse von Alaska perfekt, sodass man deren Größe und Kälte beim Zusehen förmlich spürt. Außerdem ist es sehr lobenswert, dass er über weite Strecken auf Spezial-Effekte und übertriebene Action-Szenen verzichtet und die Charakterkonstruktion somit wesentlich intensiver zur Geltung kommen lässt. Mittlerweile wirken ein paar der Bilder etwas verblasst und der Ton ist recht dumpf, sodass man "Express in die Hölle" allmählich mal technisch überarbeiten müsste. Nach seiner virtuosen Inszenierung bei "Express in die Hölle" fiel Knochalovski später unter Anderem mit "Tango und Cash" positiv auf.
Oscar-Preisträger Jon Voight leistet nach "Asphalt-Cowboy", "Coming Home" und "Die Akte Odessa" erneut überragende Arbeit und spielt seinen Charakter entsprechend verbissen, beinahe animalisch und zeigt ein perfektes Zusammenspiel mit Roberts. Einerseits wirkt er unkontrollierbar und furchteinflössend, ist aber dennoch nicht unsympathisch, da er zwischenzeitlich gelegentlich humane Züge zeigt. Voight ist die optimale Besetzung für diese Rolle und wurde folgerichtig für den Oscar nominiert. Eric Roberts, der die ganze Zeit über durch die Leinwandpräsenz von Voight förmlich niedergedrückt wird, spielt ebenfalls gut und kann vor allem durch seine wesentlich freundlichere und liebenswertere Art beeindrucken. Auch seine Oscar-Nominierung halte ich für gerechtfertigt. Der übrige Cast ist ebenfalls gut.
Fazit:
Mit seiner hervorragenden Charakterkonstruktion und seiner gespannten Atmosphäre ist "Express in die Hölle" ein empfehlenswerter Action-Thriller, der die Spannung zum Ende hin immer weiter steigern kann. Durch seine überragenden Darsteller, vor allem durch die hervorragende Leistung von Jon Voight, ist der Film somit auf jeden Fall empfehlenswert.
80%