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Was hier wohl in Yoram Globus und Menahem Golan gefahren ist.  Noch kurz zuvor stand der patriotische aber auch reaktionäre "Delta Force", oder "Death Wish 3" auf dem Programm, "Runaway Train" tanzt völlig aus der Reihe und dürfte eine der teuersten Produktionen der Actionschmiede gewesen sein. Aber was Globus und Golan anfassen, wird normalerweise zu Gold. Gefallen fanden sie am Drehbuch des Japaners Akira Kurosawa, der es einfach finanziell und technisch nicht umsetzen konnte. Also schrieb man das Drehbuch ein wenig um, setzte Andrei Konchalovsky (Tango & Cash, Shy People) auf den Regiestuhl und fertig war ein gelungenes Actiondrama, welches obendrein noch für drei Oscars nominiert wurde.

Der Schwerverbrecher Manny (Jon Voight) wird von allen Mithäftlingen bewundert. Gefängnisdirektor Ranken (John P. Ryan) hielt Manny wie ein Tier in Einzelhaft, doch nun muss er ihn aufgrund der Justiz in den normalen Strafvollzug entlassen. Manny hat seine Flucht schon geplant, doch er ist auf die Hilfe des jungen Buck (Eric Roberts) angewiesen. Buck entschließt sich kurzerhand mit Manny zu fliehen. Ein langer Marsch durch das kalte Alaska steht ihnen bevor, doch es gelingt den Beiden auf einen Zug aufzuspringen. Doch der Lokführer erleidet einen Herzanfall, die Bremsen verabschieden sich bald und der Zug rast ins sichere Verderben. Mit an Bord ist auch die Technikerin Sara (Rebecca DeMorney). Zusammen versuchen den Zug anzuhalten, doch bald taucht auch noch Ranken auf, der mit Manny entgültig abrechnen will.

"Runaway Train" ist kein typischer Actionfilm, sondern hat auch einige dramatische Sequenzen inne und durchaus tiefgründige Charaktere. Hauptperson ist der Schwerverbrecher Manny, der mittlerweile einen Hass auf Jeden hat und jede Sache mit Gewalt regelt. Man ist sich bei Manny nicht immer sicher, ob man auf seiner Seite sein soll, oder nicht. Er wünscht sich stets eine Konfrontation mit Gefängnisdirektor Ranken, der sogar versucht Manny zu ermorden. Jon Voight (Mission Impossible, Beim Sterben ist jeder der Erste) macht einen grandiosen Job, bei seinen Wutausbrüchen wirkt er richtig dämonisch. Nicht umsonst wurde er für den Oscar nominiert. Eric Roberts (Hitman´s Run, Ambulance) kann da nur bedingt mithalten, auch ist sein Charakter zu unentschlossen. Einerseits mimt er den Harten, klopft große Sprüche, um in der nächsten Sekunde weinerlich und theatralisch zu werden. Und eigentlich bilden die Beiden den ganzen Film kein richtiges Team. Manny betrachtet Buck eher als eine Art Klotz am Bein, ausserdem nervt ihn Bucks ständiges Geplapper, den Zuschauer übrigens auch ein wenig.

Doch die erste halbe Stunde spielt im Gefängnis, welches mitten in der Eiswüste Alaska liegt. Am besten schaut man sich "Runaway Train" mitten im Winter an, denn hier entfaltet sich die ungemütliche Kulisse erst richtig. Im Knast sind Aufstände an der Tagesordnung, Ranken führt ein strenges Regime dennoch wünscht sich Manny nichts mehr als die Freiheit und flieht kurzerhand. Nur geht die Flucht ein wenig einfach von Statten, die Sicherheitsvorkehrungen müssten besser sein. So kämpfen sich Manny und Buck bis zum Güterbahnhof durch und springen auf den nächst besten Zug auf. Doch dieser sntpuppt sich als die falsche Wahl, denn bald rasen vier aneinander gekoppelte Dieselloks durch das eisige Alaska. Die Bremsen gehen kaputt, doch die Beiden Flüchtlinge merken erst sehr spät was Sache ist. Nebenbei versucht Techniker Frank Barstow (Kyle T. Heffner) den Zug zu stoppen, leitet ihn von Gleis zu Gleis und es stellt sich bald die Frage, ob man den Zug nicht einfach opfern soll.

Bald müssen auch Manny und Buck ran. Sie müssen zur ersten Lok kommen, denn nur hier können sie den Zug anhalten. Mit Technikerin Sara versuchen sie alles mögliche, streiten sich zwischendurch, doch auf die Idee einfach abzukoppeln kommt Niemand. Im Finale taucht noch Ranken auf und sorgt für einen actionreichen Showdown. Trotz vieler ruhiger Momente ist "Runaway Train" durchweg rasant geworden. Neben der eiskalten Kulisse, prächtig eingefangen von Bond-Kameramann Alan Hume, überzeugt auch der fetzige Score. Der Schnitt wurde auch für den Oscar nominiert. Auch die Stunts wirken halsbrecherisch, hier konnte man noch keinen Computer zur Hilfe nehmen. So sorgt der ausser Kontrolle geratene Zug auch für einige Sachschäden. Er rast einige Wagons zu Klump und schrottet eine Holzbrücke.

Hier hat Cannon keine Kosten und Mühen gescheut, um dieses rasante und spannende Actiondrama zu inszenieren. So tauchen kleine Logikfehler auf, Roberts ist ein kleiner Schwachpunkt, doch ansonsten ist "Runaway Train" ganz großes 80er Jahre Kino, wuchtig in Szene gesetzt.

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