Die Knastbrüder Manny und Buck flüchten aus einem Hochsicherheitsgefängnis für Schwerverbrecher in Alaska, wo sie ständig von dem sadistischen Gefängnisdirektor misshandelt werden. In einem unbeobachteten Augenblick springen sie kurzerhand auf vier aneinandergekoppelte Lokomotiven auf, die sie aus der weißen Hölle bringen sollen. Was sie nicht ahnen: Der Lokführer ist an einem Herzanfall gestorben. Nun rasen die vier Loks durch die Eiswüste Alaskas.
Golan/Globus Produktionen sind in Sachen 80er Jahre Actionfilme ja eine Institution für sich. Das trifft auf Runaway Train zwar auch zu, jedoch bietet dieser Film auch noch charakterliche Tiefen an und verbindet das zu einer gelungenen Mischung. Was zunächst als schmutziger Knastfilm beginnt, entwickelt sich nach der Flucht zweier Insassen zu einem Psychowettbewerb auf einem Zug ohne Bremsen der sich führerlos in halsbrecherischem Tempo durch die verschneite Landschaft Alaskas pflügt.
Allein die Optik macht den Film deutlich einprägsamer. Der Zuschauer spürt regelrecht die Saukälte, der sich die Protagonisten ausgesetzt sehen, Schnee liegt überall, sogar die Schienen sind komplett bedeckt und die vier völlig vereisten Loks wirken unter diesen Bedingungen schon beinahe zerbrechlich. Dazu kommen noch wilde Zugstunts, mit ineinander rasende Waggons, die Überfahrt über eine instabile Holzbrücke und gegen Ende das eindringen der Verfolger über eine Helokioptereinsatz. Fürs Auge wird jedenfalls einiges geboten, zudem sind die Actionsequenzen noch absolut handgemacht, ohne CGI, und wirken dadurch um so wuchtiger.
Interessant sind aber auch die beiden Hauptcharaktere, die von Jon Voight und Eric Roberts toll verkörpert werden. Der leicht psychopathische Einzelgänger Manny, der den dominatnen rücksichtslosen Part übernimmt, während sein junger Compagnon Buck eher rationell agiert, allerdings auch mit einigen Aussetzern, speziell als die schlafende Technikerin die traute Zweisamkeit unterbricht.
Der Film hat im Prinzip eine ganz simple Geschichte, setzt diese aber tip top um, große Längen gibt es nicht und der Mix aus Drama und Thriller wirkt absolut rund. Was mich jetzt etwas gestört hat ist, das ich mich den ganzen Film über gefragt habe, warum man die Wagen nicht einfach abkoppelt, wenn der Schub von der ersten Lok kommt. Unsere beiden Schlaule komme da erst kurz vor dem Abspann drauf, aber das schmälert das Unterhaltungspotential von Runaway Train natürlich nicht. Von mir bekommt die rasende Zugfahrt ein klare Empfehlung.
8/10