Review
von Leimbacher-Mario
Con Train
Canon steht/stand für Action wie kaum eine zweite Produktionsfirma. Doch meist war das flach, trashig, billig und seelenlos produziert, für den schnellen Dollar und ohne echte Leidenschaft oder gar künstlerische Vision. Sicher in vielen Fällen sehr unterhaltsam und kultig, voller seltsamer Collagen und gewaltigen Explosionen, aber selten qualitativ wirklich hochwertig. „Runaway Train“, zu recht vielfach oscarnominiert, ist da die willkommene Ausnahme zu dieser Regel und dem typischen Canon-Stil. Immer noch voller Action, Geschwindigkeit und Testosteron, aber weitaus ergreifender, runder, reifer und tiefgründiger als fünf Chuck Norris-Klopper zusammen. Wir folgen zwei beinharten Knastausbrechern und wie diese auf einen führerlosen Zug geraten, der mitten im Winter mit Maximalspeed durch die schneebedeckte Pampas Richtung Alaska rast. Nun müssen die beiden Schwerverbrecher nicht nur zusammenhalten, sondern auch versuchen das tonnenschwere Geschoss irgendwie zu stoppen...
Nach einem Script bzw. einer Idee von Akira Kurosawa. Produziert von Canon. Man könnte meinen, da prallen Welten aufeinander. Aber es funktioniert stark! Vor allem getragen von seinen zwei Leads, die erfrischend und aufopferungsvoll gegen ihre Images anspielen, erleben wir einen packenden Ritt, der das Adrenalin treibt und uns sehr eng mit den Verbrechern zusammenwachsen lässt. Egal, was für dunkle Seiten diese auch haben. Das weiße, eisige Setting, ein treibender, lauter Score und die immer bezaubernde Rebecca De Mornay tun ihr Übriges. Die handgemachten Stunts und riskanten Aufnahmen erinnern sogar manchmal etwas an den erst Jahrzehnte später realisierten „Mad Max: Fury Road“. Das dürfte alles sagen! „Runaway Train“ handelt von Freiheit und der Dualität des Menschen, von Mut und Kraft, von Instinkt und Kraft, von tödlichem Ehrgeiz und toxischer Maskulinität. Alles verbunden mit einem atemberaubenden Actionszenario und Figuren, die einem überraschend ans Herz wachsen. Vor allem Eric Roberts Buck ist eine echte Marke und unser Anker und schnell unsere Identifikationsfigur. Jon Voigt wirkt dagegen wie eine rohe Naturgewalt mit Monologen für die Ewigkeit. Warum die furiose Fahrt nicht eine noch höhere Wertung bekommt, liegt einzig daran, dass man aus heutiger Sicht dann doch noch heftigere und waghalsigere Actionsequenzen gewohnt ist und im Endeffekt sehr wenig wirklich Entscheidendes passiert.
Fazit: der beste, und das ist nicht trashig oder augenzwinkernd gemeint, Canon von allen?! „Runaway Train“ ist ein etwas in Vergessenheit geratener Highspeedkracher, der keine Gefangenen macht. Ein Schuss „Snowpiercer“ trifft auf „Con Air“ und „Unstoppable“. Eiskalt, hart, unaufhaltsam, maskulin. Rollt und lässt sich nicht stoppen. Actionexpress durch die Eishölle!