Der Slasher und seine Nacheiferer: Viele Regieneulinge, wenn nicht sogar die meisten, holen sich für diesen Zweck ein paar junge Gesichter von der Schauspielschule (oder direkt von der Straße), und wählen mindestens zwei Damen aus, die bereit sind, ihre nackten Kissen in die Kamera zu halten. Dann geht es ab in den nächsten Wald, möglichst mit See und Hütte und schon kann der maskierte Killer loslegen und (hoffentlich) kreativ und blutig zu Werke gehen.
Doch dieser hier ist anders, nicht besser, jedoch prägnanter auf den Punkt zu bringen:
Es ist der, der in dem Saftladen spielt.
Dieser „Downtown Liquor Store“ in LA gehört Steve, der seinen drogenabhängigen Neffen Jimmy an der Kasse beschäftigt, während Donatfan Donny ein beschützendes Auge auf die Prostituierte Jess geworfen hat. Als man eines Abends mit fünf Leuten zur Pokerrunde über dem Laden ansetzt, wird die gesellige Runde von lautem Poltern gestört: Ist draußen etwa der Killer, auf den bereits eine halbe Million Dollar ausgesetzt sind?
Als Horrorkomödie konzipiert, kann er dem erwartungsvollen Betrachter leider keine Lacher liefern. Zwar bindet er ein paar kuriose bis skurrile Momente ein, doch auf treffsichere Pointen ist das Skript scheinbar nicht aus.
So hängt im Laden eine „Hall of Shame“ - Liste mit den Fotos bekannter Langfinger, Junkie Jimmy hat ein spezielles Problem mit Kakerlaken, welches sich während des kalten Entzuges etwas gravierender äußert und ein weiterer Gast hat beruflichen Telefonsex während der Pokerrunde, - nichts, was dem allgemeinen Zuschauer mehr als ein leichtes Schmunzeln abverlangt.
Indes wird man mit den markanten Figuren recht schnell warm und mit mindestens einer kann man immerhin sympathisieren oder sie zum potentiellen Survivor in der Runde auswählen.
Etwa eine halbe Stunde dauert es schließlich bis zum ersten spannenden Moment, als jemand den merkwürdigen Geräuschen eine Etage tiefer nachgeht und damit sein eigenes Todesurteil unterschreibt, denn auch wenn es mal wieder sämtliche logische Fakten über Bord wirft: Der Killer ist natürlich schon im Laden, obgleich er dort ohne Schlüssel gar nicht hinein kommen dürfte, zumal die vier Überwachungskameras alles im Monitor festhalten.
Im Verlauf macht sich dann doch so etwas wie Enttäuschung breit, denn davon abgesehen, dass die Identität des Mordenden mit Antritt der Pokerrunde bereits feststeht, mangelt es primär an spannenden Konfrontationen und blutigen Ableben.
Hier mal der abgebrochene Flaschenhals in einen mit Folie umwickelten Körper gestochen, dort die Scheibe einer Kühltruhe auf den Kopf gedonnert oder eine kaum sichtbare Zerteilung mit einer Wurstschneidemaschine, - doch bis auf einen mit einem Hackebeil abgetrennten Schädel ist nichts Explizites auszumachen, wonach die Qualität der Effekte auch kaum näher einzustufen ist, als dass diese brauchbar eingesetzt sind.
Kamera und Schnitt arbeiten hingegen überaus solide, was sich während einer Versteckszene bemerkbar macht, in der auch erstmals (und leider einzig) so etwas wie Kribbeln aufkommt.
Denn ansonsten wiederholt sich das Schema: Jemand geht runter, um nachzusehen, der mit Ledermaske bekleidete Gesetzesbrecher schreitet blitzschnell zur Tat und leider bleibt bei alledem der Monitor mit den Überwachungskameras viel zu sehr außen vor, denn gerade mit diesem Spiel des Beobachtens hätte man definitiv mehr Spannung herauskitzeln können.
Darstellerisch stechen allenfalls zwei Leute ins Auge: Steve Guttenberg („Police Academy“), der routiniert das Programm eines kumpelhaften Lieferanten und Freundes des Besitzers Steve abspult und James Duval („Donnie Darko“), der in der Rolle des Junkies recht ordentliche mimische Qualitäten unter Beweis stellt.
Der restliche Cast bleibt hingegen eher austauschbar, obgleich keine Totalausfälle zu vermelden sind.
Regisseur Daniel Maze, der auch gleich mit eigener kleiner Produktionsfirma an den Start geht, leistet sich zwar nicht den Anfängerfehler der ganz oben genannten Zusammensetzung, doch aus der tauglichen Prämisse holt er dennoch zu wenig heraus.
Die Morde sind zu unspektakulär, die Identität des Killers ist zu leicht zu durchschauen und trotz gelegentlicher makaberer Momente bleibt der Humor doch arg auf der Strecke.
Der Slasher im Laden: Leichter Schmunzelfaktor, brauchbare Protagonisten, doch taugliche Spannungsmomente und blutige Szenen sind leider Mangelware.
4,5 von 10