Nach dem Mauerfall beschließen zwei Ossis, gespielt von Matthias Schweighöfer und Friedrich Mücke, nach San Francisco zu fliegen. Da ihre finanziellen Mittel jedoch nur für einen Flug nach New York ausreichen, müssen die beiden ehemaligen Kommunisten per Anhalter quer durch das fremde Land reisen.
Spätestens seitdem "Easy Rider" zum Kult avancierte, erscheinen regelmäßig Roadmovies mit Thriller-, Komödien-, oder auch Horrorelementen, so auch Ridley Scotts "Thelma & Louise" und Oliver Stones "Natural Born Killers". Und nun schickt auch die deutsche Filmindustrie ein Roadmovie, das in amerikanischen Landen spielt, ins Rennen, wobei es sich als gelungene Idee entpuppt, als Protagonisten zwei Ossis auszuwählen.
So verbucht "Friendship!" durchaus einige Lacher mit dem Kulturen-Clash auf seinem Konto und unterhält über weite Strecken ziemlich gut. Immer wieder geraten die beiden Ossis, die ihre neu gewonnene Freiheit bei ihrem Roadtrip durch die USA genießen wollen in amüsante Situationen, in denen sie aufgrund sprachlicher und kultureller Barrieren anecken, auch wenn diese freilich des Öfteren recht klischeehaft daherkommen mögen. Derweil wird, was gerade einer deutschen Komödie positiv angerechnet werden muss, sehr selten auf Fäkalhumor, Klamauk oder dämliche Albernheiten zurückgegriffen, sodass statt eines Gefühls des Fremdschämens ein sympathischer und heiterer Grundtenor entsteht.
Dabei ist "Friendship!" auch narrativ über weite Strecken ordentlich geführt, startet anfangs ziemlich zügig und leidet kaum an der Episodenhaftigkeit, die Filme des Genres oftmals mit sich bringen. Besonders die Landschaftsaufnahmen der USA sind hervorragend gelungen und verlieren ihren Reiz bis zum Ende nicht im Geringsten, so beweist der ehemalige Werbefilmer Markus Goller, der hier seine erste größere Arbeit abliefert, ein gutes Auge für eindrucksvolle Einstellungen, die den Reiz des Films ebenfalls ausmachen. Kombiniert mit dem versiert gewählten Soundtrack kommt so durchaus eine Atmosphäre der grenzenlosen Freiheit auf, wie man sie bei Roadmovies für gewöhnlich erwarten kann.
Kurzweil und Unterhaltung sind also durchaus geboten, für viel mehr reicht es bei "Friendship!" im Endeffekt jedoch auch nicht. Zu flach sind die Charaktere konstruiert, zu aufgesetzt wirken die Sentimentalitäten im Mittelteil, zu schwermütig kommt das Ende daher, das den Film mit einem klischeehaften Plädoyer für echte Freundschaft schließt und so einen mitunter etwas faden Beigeschmack hinterlässt.
Darstellerisch weiß dabei besonders Friedrich Mücke zu überzeugen, der hier während seiner Theaterlaufbahn seinen ersten Film abgedreht hat. Er nimmt sich gegenüber Matthias Schweighöfer, der zwar relativ sympathisch daherkommt und durchaus einige Gags liefert, zurück, lässt seinen Charakter so jedoch noch sympathischer und authentischer wirken, als es sein Kollege macht und beweist vor allem am Ende, dass er auch größere Gefühlsregungen vollkommen glaubhaft zu vermitteln versteht. Wäre noch Alicja Bachelda-Curus, die in ihrer Nebenrolle sehr menschlich und charmant agiert, lobend zu erwähnen und, dass der restliche Cast ebenfalls durchweg ordentlich besetzt ist.
Fazit:
"Friendship!" ist ein unterhaltsames, kurzweiliges Roadmovie, das mit seinen sympathischen Darstellern, einigen gelungenen Gags und seiner versierten Inszenierung durchaus sehenswert ist, auch wenn es nicht ganz zum Sprung über die Mittelmäßigkeit hinaus ausreicht.
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